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Fehlgeleiteter Klimaschutz? Polens Wasserstoffbusse teurer als erwartet

Elektrobusse in der Solaris-Busfabrik in Posen, 29. Januar 2026
Elektrobusse in der Solaris-Busfabrik in Posen, 29. Januar 2026 Copyright  AP Photo / Pietro De Cristofaro
Copyright AP Photo / Pietro De Cristofaro
Von Marta Pacheco
Zuerst veröffentlicht am
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Trotz massiver Investitionen in wasserstoffbetriebene Busse in Polen hat sich deren Betrieb als teuer erwiesen, und der Wasserstoff wird meist mit fossilen Brennstoffen erzeugt. Im Gegensatz dazu haben sich in Deutschland Wasserstoffbusse bewährt.

Polens ehrgeiziger Vorstoß zum Aufbau eines wasserstoffbetriebenen öffentlichen Nahverkehrssystems wird ausgebremst, da mehrere Busse aufgrund steigender Treibstoffkosten und einer fragilen Infrastruktur gestoppt wurden, so ein neuer Bericht der Nichtregierungsorganisation Central and Eastern Europe Bankwatch Network.

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Die polnischen Kommunen haben Wasserstoffbusse vor allem deshalb angenommen, weil Subventionsprogramme bis zu 100 % der Fahrzeugkosten abdeckten, während Elektrobusse in der Regel nur zu 60-80 % gefördert wurden, heißt es in dem Bericht. Sobald die Wasserstoffbusse jedoch in Betrieb genommen wurden, mussten die Betreiber feststellen, dass der Kraftstoff erheblich teurer war als Strom.

In der Analyse wird argumentiert, dass Wasserstoffbusse als Abkürzung auf dem Weg zum umweltfreundlichen Verkehr angepriesen wurden, unterstützt durch großzügige EU- und Staatszuschüsse. Aber viele Kommunen ziehen sich nun auf batterieelektrische Alternativen zurück, nachdem sie mit unerschwinglichen Kraftstoffkosten und dem Mangel an Tankstellen konfrontiert wurden.

Städte wie Rybnik berichteten, dass Wasserstoffflotten mehr als dreimal so teuer seien wie Dieselfahrzeuge und viermal so teuer wie Hybridfahrzeuge. In Rzeszów würden die Kraftstoffkosten über einen Zeitraum von 15 Jahren den Kaufpreis der Busse selbst übersteigen, heißt es im Bericht des CEE Bankwatch Network.

Ende April gab es in Polen insgesamt 247 Wasserstoffbusse, von denen 140 Busse schon in Betrieb sind. 107 wurden von den Kommunen unter Vertrag genommen, sind aber noch nicht im Einsatz.

Trotz der großen Ambitionen im Bereich Wasserstoff verfügte Polen bis Ende 2025 nur über neun Wasserstofftankstellen. Im Vergleich dazu verfügte das Land bis Anfang 2026 über mehr als 12.500 Elektroladestationen.

"Null-Emissions-Busse" in Frage gestellt

Im Rahmen der EU-Vorschriften für umweltfreundlichere Busse muss jedes Mitgliedsland sicherstellen, dass ein Teil der Busse, die es für den öffentlichen Nahverkehr kauft, mit sauberer Energie betrieben wird und nicht mit herkömmlichem Diesel.

Das bedeutet, dass Städte oder Verkehrsbehörden beim Kauf neuer Busse eine bestimmte Anzahl von Bussen mit saubereren Technologien wie Elektrobatterien oder Wasserstoff wählen oder kohlenstoffärmere Kraftstoffe wie Biokraftstoffe verwenden müssen.

EU-Beamte preisen Wasserstoff als eine Vorzeigetechnologie an, die den Verkehr dekarbonisieren und gleichzeitig eine heimische Wasserstoffwirtschaft fördern kann. Doch die hohen Kraftstoffkosten der Technologie, die begrenzte Versorgung mit Wasserstoff aus erneuerbarer Energie und die unausgereifte Infrastruktur offenbaren zumindest in Polen tiefe strukturelle Schwächen.

Der Bericht wirft auch die Frage auf, ob Busse, die mit Wasserstoff aus nicht erneuerbaren Energiequellen angetrieben werden, als "grüne" öffentliche Verkehrsmittel gelten sollten. Denn dieser Kraftstoff wird zu über 97 % aus fossilem Gas hergestellt. Die Nichtregierungsorganisation argumentiert, dass Wasserstoffbusse nur deshalb als "emissionsfrei" bezeichnet werden, weil sie keine Auspuffgase ausstoßen, während die mit der Erzeugung des fossilen Kraftstoffs verbundenen Emissionen außer Acht gelassen werden.

"Polnische Wasserstoffbusse wurden weithin als sauber und emissionsfrei dargestellt, aber in der Praxis wurde der Kraftstoff größtenteils aus fossilen Brennstoffen gewonnen, und selbst der begrenzte elektrolytische Wasserstoff entsprach nicht den strengen EU-Normen für erneuerbare Energien", heißt es in der Studie. Diese bezieht sich auf Polens Verwendung von aus Biomasse erzeugtem Strom, der dem Bericht zufolge nicht als "grüne Energie" gilt.

Batterieelektrische Busse hingegen haben im gleichen Zeitraum rasante Fortschritte bei Reichweite, Ladeinfrastruktur und Wirtschaftlichkeit gemacht, so der Bericht.

Polens Elektrizitätssektor verlagert sich rasch von Kohle auf erneuerbare Energien wie Wind und Sonne. Laut der Energie-Denkfabrik Ember erzeugen erneuerbare Energien etwa 30 % des Stroms, Kohle macht immer noch etwa die Hälfte der Stromerzeugung des Landes aus.

Städte wie Wrocław, Płock und Żory revidierten ihre Beschaffungspläne, nachdem sie zu dem Schluss gekommen waren, dass Elektrofahrzeuge ein geringeres Risiko und niedrigere Kosten bieten, heißt es in dem Bericht. Auch Krakau reduzierte seine Wasserstoff-Ambitionen aufgrund der Unsicherheit über die Kraftstoffversorgung und die Infrastruktur.

Fragwürdige Finanzierung

Trotz dieser Herausforderungen erhielt die polnische Regierung am 23. April neue EU-Mittel in Höhe von 7,2 Mrd. EUR, von denen 500 Mio. EUR nach Angaben der Europäischen Kommission dazu bestimmt sind, Investitionen in Wasserstoff zu mobilisieren, insbesondere, um das Wachstum des Privatsektors im Bereich der erneuerbaren und kohlenstoffarmen Wasserstofferzeugung zu fördern.

Mit Hilfe von EU-Zuschüssen will die polnische Regierung mehr als 1.000 Elektro- oder Wasserstoffbusse und Oberleitungsbusse einsetzen, um den Umstieg auf umweltfreundliche öffentliche Verkehrsmittel zu beschleunigen. Fraglich ist, ob die Regierung den Elektro- oder Wasserstoffbussen den Vorzug geben wird.

Die polnische Regierung hat nicht rechtzeitig auf eine Anfrage von Euronews zur Veröffentlichung geantwortet.

CEE Bankwatch Network berichtet, dass Projekte, die die Beschaffung von Wasserstoffbussen oder die Entwicklung von Wasserstofftankstellen betreffen, mehr als 120,7 Millionen Euro an nicht rückzahlbaren Zuschüssen und fast 6,08 Millionen Euro an Darlehen erhalten hätten, wodurch der Einsatz von 163 Bussen und zwei Tankstellen unterstützt worden sei.

"Hunderte Millionen Euro aus öffentlichen EU-Mitteln, die ausgegeben wurden, um künstlich eine Nachfrage nach Wasserstoff im polnischen öffentlichen Verkehr zu schaffen, hätten für den Einsatz echter, erprobter Lösungen verwendet werden können und sollen, die bereits Vorteile für die lokalen Gemeinschaften und das Klima bieten", beklagt die Autorin des Berichts, Diana Maciaga.

Deutschlands erfolgreiche Wasserstoffgeschichte

Im Gegensatz zu Polen läuft in Deutschland eine Erfolgsgeschichte in Sachen Wasserstoff: Derzeit sind dort über 600 wasserstoffbetriebene Busse im öffentlichen Nahverkehr im Einsatz. Das Land wird bald weitere 19 Wasserstoffbusse erhalten, nachdem die polnische Firma Solaris Bus & Coach am 4. Mai eine Ausschreibung gewonnen hat.

Solaris hat bereits über 800 Wasserstoffbusse an Dutzende Städte in ganz Europa geliefert, wobei Deutschland vorn steht. Auch Frankreich, Italien, Großbritannien und die Niederlande haben in den vergangenen Jahren eine beträchtliche Anzahl von Wasserstoffbussen in Betrieb genommen.

Laurent Donceel, Direktor für Verkehr, Nachhaltigkeit und Industriepolitik beim Branchenverband Hydrogen Europe, erklärte, dass Polens anfängliche Schwierigkeiten bei der Sicherstellung einer sauberen Wasserstoffversorgung "völlig normal" seien, da das Land gerade erst mit einer aufstrebenden Industrie begonnen habe.

Die Industriegruppe empfiehlt, dass das Potenzial aller umweltfreundlichen Verkehrslösungen erforscht werden sollte.

"Mit den richtigen Anreizen und regulatorischer Unterstützung auf EU- und nationaler Ebene wird es nicht lange dauern, bis es zu Ländern wie Deutschland aufschließt. Es ist auch erwähnenswert, dass bei Polens derzeitigem kohlelastigen Energiemix sauberer Wasserstoff die beste Dekarbonisierungsoption bleibt", bekräftigte Donceel gegenüber Euronews.

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