Die bekannte Schauspielerin zeigt in der Ausstellung "Ongoing" in Athen Kleidung, Erinnerungsstücke, Fotos und Filmszenen aus ihrem Leben und bringt neue und alte Werke von acht ihrer Weggefährten aus Film und Mode zusammen.
Athen präsentiert erstmals eine große Schau über eine herausragende Künstlerin und Performerin, die das Kinopublikum seit Jahren mit ihren Rollen fasziniert. Tilda Swinton bündelt in der Ausstellung "Ongoing" Kleidung, persönliche Gegenstände, Fotos und Filmausschnitte. Sie erzählt damit von kreativen Partnerschaften und Freundschaften mit acht Persönlichkeiten aus Film und Mode, die sie seit rund vierzig Jahren begleiten: Pedro Almodóvar, Luca Guadagnino, Jim Jarmusch, Apichatpong Weerasethakul, Tim Walker, Joanna Hogg, Olivier Saillard und Derek Jarman.
Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Onassis Stegi Kulturzentrums in Athen und des Eye Filmmuseums in Amsterdam, wo sie zunächst zu sehen war. Jetzt macht sie Station im Onassis Ready. Die Schauspielerin nahm an der Eröffnung teil und sprach über Erinnerung, ihre Arbeitsweise und ihr Leben:
"Mir wurde klar, dass meine Aufgabe – oder besser gesagt die Chance, die mir in meiner Zeit gegeben wurde – darin besteht, als Zeugin einer anderen Arbeitsweise aufzutreten. Ich habe von Anfang an kollektiv gearbeitet, mit einer Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, nicht nur mit Regisseur Derek Jarman, aber zunächst mit ihm. Sie arbeiteten in einem Klima der Mit-Autorenschaft, in dem der Prozess wichtiger war als das fertige Produkt. So bekam ich die Möglichkeit, darüber zu sprechen, dieses Modell zu teilen – und stellte fest, dass es für jüngere Künstlerinnen und Künstler heute kaum mehr existiert."
"Heute passiert meist Folgendes: Du bist eine junge, aufstrebende Künstlerin, ein Künstler. Du veröffentlichst dein erstes Album, deine erste Kollektion, deinen ersten Film, dein erstes Buch. Dort kommst du nur hin, weil du ein Netzwerk hast: Freundschaften, Familie, deine Uni, deine Kunsthochschule, dein College – was auch immer. Danach ermuntern dich andere, manchmal subtil, manchmal sehr direkt: das Label, der Galerist, das Filmstudio. Du sollst allein weitermachen, dich abkoppeln. Plötzlich ist es wichtig, dich selbst als marktfähiges Produkt zu verkaufen. Da dachte ich: In meiner Ausstellung im Eye Filmmuseum könnte ich vielleicht etwas Nützliches anbieten – ein Porträt einer anderen Art zu arbeiten, das ziemlich genau meiner eigenen Laufbahn entspricht."
Die renommierte Schauspielerin teilt mit der Öffentlichkeit prägende Momente und Kooperationen – von den frühen Jahren mit Derek Jarman, in denen sie in sieben seiner Spielfilme spielte, bis zu ihren jüngsten Begegnungen mit Pedro Almodóvar.
Swinton betont immer wieder, dass jedes künstlerische Projekt aus gemeinsamer Arbeit entsteht. Sie lädt das Publikum ein, Kunst als Ergebnis eines fortlaufenden Gesprächs zu begreifen – eines fruchtbaren Austauschs, der auf Vertrauen basiert, in dem Rollen verschwimmen und Ideen gemeinsam wachsen.
In diesem Sinn versteht sie die Ausstellung nicht als klassische Retrospektive. "Ongoing" ist eher ein Treffpunkt und eine Feier kreativer Weggefährtinnen und Weggefährten – zugleich ein Zeichen des Vertrauens in die Zukunft, eine Art Navigationshilfe in einer stark individualisierten Gegenwart. Die Schau zeigt, dass Kunst eine zutiefst gemeinschaftliche Praxis ist. Auf den nächsten Stationen soll sie um neues Material erweitert werden:
"Ich jage nie einer Rolle hinterher. Mich interessieren Menschen. Sehr oft sitze ich mit Freundinnen und Freunden am Küchentisch und wir entwerfen gemeinsam ein Projekt. Erst als drittes überlegen wir, was ich darin tun könnte. Manchmal gibt es keine Rolle für mich, dann mache ich nichts. Und manchmal gibt es eine. Alle diese Menschen wollen an der Unterhaltung teilnehmen. Jede und jeder bringt eine eigene Perspektive mit. Aber diese Perspektive hängt von dem Gespräch ab, das sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen führen."
"Derek Jarman pflegte zu sagen: ‚Bereite dich auf den Dreh vor, als würdest du auf eine Party gehen.‘ Und genau so fühlte es sich an. Wir alle wissen: Eine gute Party ist eine, bei der nicht nur die Gastgeberin oder der Gastgeber für die Stimmung verantwortlich ist. Du willst keine Gäste, die nur herumstehen und warten, bis ihnen jemand sagt, wie sie Spaß haben sollen. Eine gute Party ist etwas Gemeinsames. Die Energie gehört allen. Jemand legt Musik auf, jemand schenkt Getränke aus, jemand bringt das Essen. Dieses Gefühl geteilter Verantwortung hat zunächst wenig mit Autorenschaft zu tun. Am Ende geht es natürlich auch darum. In der Praxis aber geht es vor allem um Verantwortung."
Regisseur Luca Guadagnino entwirft für "Ongoing" ein sehr persönliches Porträt Swintons – in Form eines Kurzfilms und einer Skulptur. Mit neuem Schnitt, anderem Soundtrack und überarbeiteten Bildern verwandelt Jim Jarmusch Szenen aus seinem surrealen Zombiefilm "The Dead Don’t Die" (2019) in eine neue Installation.
Fotograf Tim Walker besuchte Tilda Swinton in ihrem Familienhaus und schuf eine Fotoserie, die ihre Beziehung zu ihren Vorfahren und zur Kontinuität des Ortes beleuchtet. Regisseur Apichatpong Weerasethakul entwickelt eine eindringliche, kontemplative Installation – ein persönliches, zweiteiliges Werk, das Themen vertieft, die beide seit Jahren gemeinsam erforschen: Zwischenzustände zwischen Wachsein, Kreativität und Schlaf. Gedreht wurde in Kimmerghame in Schottland, der Heimatregion Swintons.
Pedro Almodóvar zeigt den Kurzfilm "The Human Voice" (2020) erstmals als Rauminstallation. Gemeinsam mit ihrer Jugendfreundin und Regisseurin Joanna Hogg präsentiert Swinton "Flat 19" – eine multimediale Rekonstruktion ihrer Londoner Wohnung aus den achtziger Jahren und eine Erkundung von Erinnerung, Raum und persönlicher Geschichte.
Zum Schluss erweist Tilda Swinton einem ihrer wichtigsten künstlerischen Einflüsse die Ehre: Regisseur Derek Jarman (1942–1994). Dieser Teil der Schau, ergänzt um Material aus Swintons Archiv, umfasst eine Großprojektion mit Szenen aus dem Film "The Last of England" (1987) sowie eine spezielle Installation mit bislang unveröffentlichtem Super-8-Material aus Jarmans privater Sammlung.
Die Ausstellung "Ongoing" von Tilda Swinton läuft bis zum 28. Juni und wird von einem Sommerprogramm mit Filmvorführungen auf der Dachterrasse des Onassis Ready begleitet.