Leonardo DiCaprio sorgt sich um die Zukunft des Kinos im großen Umbruch. Filme seien fürs gemeinsame Erlebnis im Saal. Gerade jetzt zähle dieser Glaube mehr denn je.
Leonardo DiCaprio sorgt sich um den Zustand des Kinos und die Filmbranche insgesamt. Filme seien weiterhin für ein gemeinsames Erlebnis gedacht.
„Filme sind dazu da, gemeinsam im Kinosaal erlebt zu werden. Gerade jetzt ist dieser Glaube wichtiger denn je“, sagte der Schauspieler. Er meldete sich am Wochenende per vorab aufgezeichnetem Video beim Palm Springs Film Festival.
„Originäre Filme zu machen und zu schützen, wird immer schwieriger. Aber Kinofilme zählen. Nicht ‚Content‘, sondern Kino. Geschichten von Menschen, die man in einem dunklen Saal gemeinsam teilt“, so DiCaprio.
Laut Variety konnte DiCaprio nicht persönlich erscheinen. Auslöser war der anhaltende politische Konflikt mit Venezuela, wodurch mehrere Flüge aus der Karibik ausfielen. Dort war der Schauspieler über die Feiertage gesehen worden.
Ähnliche Gedanken äußerte er zuletzt in einem Interview mit The Sunday Times. Der Star von One Battle After Another fragte, ob „die Leute noch Appetit“ auf den Kinosaal haben, und ob Kinos „zu Silos werden, wie Jazzbars?“
Über die Branche sagte er: „Alles verändert sich im Eiltempo. Wir stehen vor einer großen Umbruchsphase. Erst verschwanden Dokumentarfilme aus den Kinos. Jetzt laufen Dramen nur kurz, und viele warten auf die Streamingpremiere. Ich weiß es nicht.“
Und weiter: „Ich hoffe nur, dass genug echte Visionärinnen und Visionäre die Chance bekommen, Außergewöhnliches zu schaffen, und dass man das im Kino sieht. Ob es so kommt, wird man sehen.“
DiCaprio setzt sich seit Langem für künstlerische Handschrift im Kino ein. In einem jüngsten Gespräch mit Time äußerte er sich auch zum Einsatz von KI im Film. Der Oscargewinner sagte, diese Technik sei nicht zu Menschlichkeit fähig und könne nicht „authentisch“ als Kunst gelten.
„Sie kann ein Werkzeug sein, das jungen Filmschaffenden hilft, etwas zu schaffen, das wir noch nie gesehen haben“, sagte er. „Aber alles, was man authentisch als Kunst begreift, muss vom Menschen kommen.“
Der 51-jährige Schauspieler gilt inzwischen als Oscar-Favorit für seine Rolle in Paul Thomas Andersons One Battle After Another. Der Film führt zudem die Nominierungen für die anstehenden Golden Globes an, die an diesem Sonntag verliehen werden.
Bei den 31. Critics Choice Awards holte der Film gestern Abend die Preise für Bester Film, Beste Regie und Bestes adaptiertes Drehbuch. In der Bestenliste der besten Filme 2025 von Euronews Culture landete er auf Platz eins. Die Geschichte folgt einem heruntergekommenen Revolutionär (DiCaprio), der aus dem Ruhestand gezwungen wird, als ein Widersacher aus seiner Vergangenheit eine alte Fehde wiederbelebt und seine Tochter ins Visier nimmt.
Der Film gilt als Favorit für die Oscar-Nominierungen, die am 22. Januar bekannt gegeben werden.
In unserem Jahresrückblick zu One Battle After Another schrieben wir: „One Battle After Another ist faszinierend, weil der Film sich nicht einordnen lässt. Er ist ein paranoider Thriller; ein schräges Stoner-Abenteuer; eine satirische Farce über Machtstrukturen, Radikalisierung und Idealismus; ein zeitgemäßer Blick auf ein gespaltenes Amerika und seine suprematistischen Auswüchse; ein zeitloser Aufruf gegen Dogmatismus. Vor allem aber ist es die Geschichte eines Vaters im Bademantel, der seine revolutionäre Berufung seinem Kind zuliebe aufgegeben hat. Er hat einen furchtbaren Tag und setzt alles daran, seine Teenager-Tochter davor zu bewahren, seine Vergangenheit zu erben, und ihr eine bessere Welt zu hinterlassen.“
Wir fügten hinzu: „Er ist tief. Er ist leicht. Kurz: ein moderner Klassiker.“
Die Golden Globes finden am Sonntag statt (für EU-Publikum am Montagmorgen).