Die Europatour des US-Rappers schrumpft weiter: Wegen befürchteter Gegendemonstrationen streichen die Behörden das Konzert von West. Auch der Auftritt von Travis Scott fällt aus, insgesamt waren mehr als 100.000 Fans erwartet worden.
Die für den 17. und 18. Juli in der Rcf Arena in Reggio Emilia geplanten Konzerte von Kanye West und Travis Scott sind offiziell abgesagt. Der Präfekt der Stadt, Salvatore Angieri, traf die Entscheidung aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit.
Die Verfügung folgte einer Sitzung des Provinzausschusses am 25. Mai. Auslöser waren Eingaben von Codacons und der jüdischen Gemeinde von Modena und Reggio Emilia.
Das Verbot betrifft beide aufeinanderfolgenden Abende des Pulse of Gaia Festival. Die Arena fasst 103.000 Menschen. Der erwartete starke Zustrom in 24 Stunden veranlasste die Behörden, die Auftritte zu untersagen, um das reale Risiko von Gegenkundgebungen zu vermeiden.
Organisationsprobleme beim Festival mit Kanye West und Travis Scott
Die Organisation des Festivals in der Emilia-Romagna sorgte schon in den vergangenen Monaten für heftige Diskussionen. Die Veranstaltung trug zunächst den Namen Hellwatt Festival und wurde dann in Pulse of Gaia umbenannt. Im Februar stellten die Veranstalter sie als sehr ambitioniertes Projekt für Italien vor. Probleme tauchten vor allem rund um den künstlerischen Leiter Victor Yari Milani auf. Er verantwortete zum ersten Mal ein Event dieser Größenordnung und war der Branche weitgehend unbekannt.
Anfang Mai entließ die Betreibergesellschaft der Rcf Arena ihn aus dieser Funktion. Die Vorwürfe gegen ihn reichen von schlampigem Management über widersprüchliche Aussagen zum Ticketverkauf bis hin zu einem deutlichen Anstieg der veranschlagten Kosten. Für das Festival sind derzeit weiterhin Konzerte anderer internationaler Stars geplant, darunter Offset, Ice Spice, Ty Dolla, Wiz Khalifa, The Chainsmokers, Rita Ora, Afrojack, Swedish House Mafia und Tyla. Letztere ist die einzige Künstlerin, die für den Termin bestätigt bleibt, an dem eigentlich Travis Scott auftreten sollte.
Tour von Kanye West: zahlreiche Konzerte fallen aus
Die Absage in Italien reiht sich in eine ganze Serie von Streichungen im Europa-Tourplan von Kanye West ein. Weitere zuvor angekündigte Termine in Ländern wie Frankreich und Polen wurden gestrichen, wegen früherer Äußerungen des Künstlers, in denen er Adolf Hitler verherrlicht hatte und sich später entschuldigte. Zugleich bestritt er, Nazi oder Antisemit zu sein.
Der französische Innenminister Laurent Nuñez zeigte sich entschlossen, das für den 11. Juni in Marseille geplante Konzert des Rappers zu verbieten. In Italien stellte der Vorsitzende der Partei Azione, Carlo Calenda, eine parlamentarische Anfrage. Er forderte die Innen- und die Außenminister auf, dem Sänger wegen seiner antisemitischen Positionen das Einreisevisum zu verweigern.
Auch im Vereinigten Königreich entwickelte sich die Lage schwierig und führte im Frühjahr zu einer wachsenden Kontroverse. Am 7. April gab die britische Regierung bekannt, dem US-Rapper die Einreise zu verweigern und damit eine Reihe für Mitte Juli geplanter Konzerte zu stoppen.
In diesem angespannten Umfeld versuchten die Veranstalter des britischen Festivals, den Künstler zu verteidigen, und heizten die öffentliche Debatte damit weiter an. Als Reaktion auf die Auflagen und die Kritik bezog Kanye West öffentlich Stellung, um seine Sicht der Dinge darzulegen und die Entscheidungen der Behörden im Vereinigten Königreich anzufechten.
Trotz der zahlreichen Verbote setzt der Rapper einzelne bestätigte Stationen seiner Tour fort. Am Freitag traf der Künstler in Istanbul ein, für ein mit Spannung erwartetes Konzert im Atatürk-Olympiastadion. Es ist sein erster Auftritt auf einer europäischen Bühne seit elf Jahren. Der Termin in der Türkei bleibt der einzige Auftritt des US-Stars in dem Land. In den kommenden Wochen soll das Sommerprogramm ihn außerdem nach Georgien, Spanien, in die Niederlande und nach Albanien führen.