Australien hat im Dezember Social Media für Jugendliche unter 16 Jahren verboten, in Europa debattieren viele Länder über Beschränkungen. In Brüssel werden "europäische Lösungen" gesucht.
Die Nutzung von Social Media durch Jugendliche ist weiterhin hoch. Laut Eurostat gaben in 19 der 27 EU-Länder mehr als 90 % der Befragten zwischen 16 und 29 Jahren an, dass sie im Jahr 2025 solche Netzwerke nutzten.
Die höchsten Anteile wurden in Zypern, der Tschechischen Republik, Dänemark und Finnland verzeichnet, die niedrigsten in Italien, Deutschland und Luxemburg.
Nachdem Australien im Dezember soziale Medien für Jugendliche unter 16 Jahren verboten hat, debattieren auch die europäischen Länder über ihre eigenen Beschränkungen.
So stimmten die Abgeordneten in Frankreich kürzlich dafür, den Zugang für unter 15-Jährige zu sperren, und Präsident Emmanuel Macron hofft, dass dies bis September in Kraft treten wird.
Slowenien und Portugal haben ebenfalls Gesetzesentwürfe ausgearbeitet, die Kindern unter 15 bzw. unter 16 Jahren den Zugang zu sozialen Medien verbieten würden.
In Portugal werden die Zugangsbeschränkungen für Netzwerke wie Instagram, Facebook oder TikTok gelten, nicht aber beispielsweise für WhatsApp, das von vielen Eltern zur Kommunikation mit ihren Kindern genutzt wird.
In mindestens acht weiteren EU-Mitgliedstaaten sind die Verbotsvorstöße unterschiedlich weit vorangeschritten. In Deutschland beispielsweise drängen nunmehr beide Regierungsparteien auf ein Verbot für Kinder unter 14 Jahren.
Im Gegensatz dazu ist Estland das einzige EU-Land, das sich offen gegen eine solche Maßnahme ausspricht.
Nach Ansicht der estnischen Bildungsministerin Kristina Kallas wird dieser Ansatz "die Probleme nicht wirklich lösen", da "Kinder sehr schnell Wege finden werden, die sozialen Medien zu umgehen und sie trotzdem zu nutzen".
Eine europäische Lösung
Während ein vollständiges Verbot sozialer Medien für Kinder in der gesamten EU derzeit nicht in Aussicht steht, unternimmt die EU Schritte, um die Online-Schutzmaßnahmen zu verbessern.
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, kündigte am 15. April an, dass bald eine europäische App zur Altersüberprüfung zur Verfügung stehen werde.
"Wir müssen unsere Kinder in der Online-Welt genauso schützen, wie wir es in der Offline-Welt tun. Und dafür brauchen wir einen harmonisierten europäischen Ansatz", sagte sie auf der zweiten Sitzung des Sondergremiums zur Online-Sicherheit von Kindern am folgenden Tag.
Die App, die sowohl mit mobilen Geräten als auch mit Computern kompatibel sein wird, verlangt von den Nutzern, dass sie ihren Reisepass oder Personalausweis hochladen, um ihr Alter beim Zugriff auf Online-Plattformen anonym zu bestätigen.
Das System basiert auf dem "Zero-Knowledge-Proof", was bedeutet, dass die Nutzer sozialer Medien ihr Alter überprüfen können, ohne persönliche Daten mit den Plattformen zu teilen.
Derzeit testen Frankreich, Dänemark, Griechenland, Italien, Spanien, Zypern und Irland die Entwicklung der App und planen, sie in ihre nationalen eID-Geldbörsen, wie France Identité in Frankreich, zu integrieren.