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Acht Jahre Islamisten-Geisel: Wo ist die Krankenschwester Sonja Nientiet?

Entführte Deutsche Sonja Nientiet, 2025
Entführte Deutsche Sonja Nientiet, 2025 Copyright  Quelle: Youtube
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Von Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am
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2018 wurde die deutsche Krankenschwester Sonja Nientiet in Somalia entführt. Nun wächst der Druck auf die Bundesregierung: Eine NGO kritisiert fehlende Fortschritte. Eine Befreiung wäre offenbar ein riskanter Balanceakt.

Seit acht Jahren ist Sonja Nientiet in den Händen von Dschihadisten. Im Jahr 2018 wurde die deutsche Krankenpflegerin in Somalia entführt - aus einem Gebäude des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), für das sie damals im Rahmen eines humanitären Einsatzes arbeitete.

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Seit Langem gilt Somalia als eines der gefährlichsten Länder der Welt. Regelmäßig werden "schwere Anschläge mit vielen Toten und Verletzten verübt", warnt das Auswärtige Amt. Auch die "Green Zone", ein abgesicherter Bereich rund um den Flughafen der Hauptstadt Mogadischu, werde immer wieder angegriffen. Außerhalb der Green Zone in weit gefährlicherem Gebiet befindet sich das IKRK-Gebäude, aus dem Nientiet am 3. Mai 2018 entführt wurde.

Beim Verlassen des Gebäudes wurde Nientiet damals von einem Wachmann entführt. Er arbeitete für eine private Firma, die vom IKRK beauftragt wurde, so das IKRK zu Euronews. Nientiet sei in ein Auto gedrängt worden, so das ZDF. Auch ein kenianischer Mitarbeiter des IKRK sei entführt worden. Er wurde wenig später freigelassen.

Mitglieder der Terrororganisation "al-Shabaab" bei einer Militärübung in Somalia, Archiv
Mitglieder der Terrororganisation "al-Shabaab" bei einer Militärübung in Somalia, Archiv Copyright 2023 The Associated Press. All rights reserved.

Lebenszeichen gab es seit dem Tag ihres Verschwindens kaum. Viele vermuteten, Nientiet sei tot. Doch vor rund einem Jahr veröffentlichten die Entführer ein Video von ihr: "Hallo, mein Name ist Sonja Nientiet. Ich bin deutsche Staatsbürgerin aus Hamm", erzählt Nientiet in dem Film und spricht von ihrer sich verschlechternden Gesundheit.

Familienangehörige, die sich für Nientiets Befreiung einsetzen können, hat die Deutsche keine mehr. Ihre Mutter Christel starb am Juni 2024 - ohne ihre Tochter je wiedergesehen zu haben. Freunde und Arbeitskollegen wandten sich inzwischen an die deutsche NGO HÁWAR.help.

Die Organisation erhebt Vorwürfe gegen die Bundesregierung: "Als Menschenrechtsorganisation, die auch einen Schwerpunkt auf inhaftierte/entführte deutsche Staatsbürger setzt, bewerten wir Bemühungen der Bundesregierung nur nach ihren Erfolgen. Nach acht Jahren der willkürlichen Entführung von Frau Nientiet müssen wir leider zum dem Schluss kommen, dass nicht genug getan wird, um sie zurückzuholen."

Rettungsaktion in letzter Sekunde gestoppt

Wenig ist über die ergriffenen Maßnahmen der Bundesregierung im Fall Nientiet bekannt. Nur so viel: Ende 2024 berichtete die Bild-Zeitung, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) es mithilfe von Funk- und Satellitenaufklärung geschafft hatte, die Krankenpflegerin zu lokalisieren.

In einer geheimen Operation wollten das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK) und Mitglieder des US-Militärs Nientiet aus ihrer Gefangenschaft befreien. Kurz vor Durchführung sagte der damalige Außenminister Heiko Maas (SPD) die Aktion demnach ab. Zu groß war die Sorge, die Operation könne in einem Blutbad enden, Nientiet sterben.

Auf Anfrage von Euronews reagiert das Auswärtige Amt wie folgt: "Wir bitten um Verständnis, dass sich die Bundesregierung grundsätzlich nicht zu Entführungsfällen deutscher Staatsangehöriger im Ausland äußert." Die Bundesregierung verfolgt einen Ansatz stiller Diplomatie, will sich so nicht erpressbar machen und Nachahmer verhindern.

Hawar appelliert für einen etwas abgewandelten Ansatz: "Wir glauben als Organisation an eine Mischung aus stiller Diplomatie und lautem Aktivismus." Das hätte schon bei anderen Fällen für Erfolg gesorgt.

"Im Fall von Sonja Nientiet ist es schwieriger, eine Empfehlung auszusprechen, da nicht bekannt ist, von wem Frau Nientiet festgehalten wird und wie die Kanäle der Bundesregierung zu den Entführern sind. Wir hoffen, dass die Befreiung von Frau Nientiet mit Priorität behandelt wird, es sind schon acht Jahre ihres Lebens geraubt worden", erklärt Hawar weiter.

Al-Shabaab: Somalias Islamisten als mutmaßliche Entführer

Vermutet werden hinter den Entführern die Terrororganisation "al-Shabaab". Sie ist eine "militante islamistische Bewegung in Somalia", so der Länderreport für Somalia des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge aus dem Jahr 2021. Gegründet wurde sie in den "2000er-Jahren mit dem Ziel der Errichtung eines islamischen Staates". Sie gilt als "regionaler Ableger al-Qaidas".

Al-Shabaab-Kämpfer bei einer Militärübung in Somalia, Archiv
Al-Shabaab-Kämpfer bei einer Militärübung in Somalia, Archiv Copyright 2010 AP. All rights reserved.

Ende 2025 kontrollierten die Dschihadisten etwa 30 Prozent des somalischen Staatsgebiets, so das Africa Center for Strategic Studies, das seinen Sitz in den USA hat.

Nach Nientiets Entführung reduzierte das IKRK einen Teil seiner Aktivitäten in Somalia. Nähere Informationen zu nach der Entführung ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen könne das IKRK aus "naheliegenden Gründen" nicht bereitstellen.

"Um diese Bemühungen nicht zu untergraben, können wir keine weiteren Informationen über die Verhandlungen, an denen das IKRK beteiligt ist, bereitstellen. Unsere Priorität ist es, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um sicherzustellen, dass Sonja rasch und wohlbehalten freigelassen wird", so ein Sprecher der Organisation.

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