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Warum baut die Türkei einen Weltraumbahnhof in Somalia?

Alper Gezeravcı, der mit der Ax3-Mission von Axiom Space zur Internationalen Raumstation gereist ist
Alper Gezeravcı, der mit der Ax3-Mission von Axiom Space zur Internationalen Raumstation gereist ist Copyright  Axiom Space
Copyright Axiom Space
Von Cagla Uren
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Mit dem Projekt zum Bau eines Weltraumhafens in Somalia will die Türkei zu den wenigen Ländern gehören, die über eine eigene Startinfrastruktur verfügen. Aber warum wird in Somalia und nicht in der Türkei gebaut?

Die Türkei hat Ende Dezember die Machbarkeits- und Designstudien für den in Somalia zu errichtenden Weltraumbahnhof abgeschlossen. Damit hat die erste Bauphase des Projekts offiziell begonnen.

Das von Industrie- und Technologieminister Mehmet Fatih Kacır angekündigte Projekt zielt darauf ab, die Türkei zu einem der wenigen Länder zu machen, die über eine eigene Startinfrastruktur verfügen.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan kündigte den Plan für den somalischen Weltraumbahnhof erstmals auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem somalischen Präsidenten Hassan Sheikh Mahmud in Istanbul an.

Das Projekt wird im Rahmen des Kooperationsabkommens zwischen den beiden Ländern umgesetzt; in diesem Rahmen hat Somalia der Türkei Land für den Weltraumbahnhof zugewiesen.

Warum wurde Somalia ausgewählt?

Minister Kacır sagte, dass Somalia nach umfangreichen Machbarkeitsstudien als der am besten geeignete Standort identifiziert wurde. Er betont, dass Länder in der Nähe des Äquators wichtige technische Vorteile für den Start von Raumfahrzeugen bieten.

Die Tatsache, dass die Erdrotationsgeschwindigkeit am Äquator am höchsten ist, ermöglicht es den Raketen, die Umlaufbahn mit weniger Treibstoff zu erreichen.

Die lange Küstenlinie Somalias, die sich zum Indischen Ozean hin öffnet, kann Starts in östlicher Richtung und in einer für zivile Gebiete sichereren Weise ermöglichen.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Somalia haben das Niveau einer strategischen Partnerschaft erreicht, insbesondere seit dem Beginn der massiven humanitären Hilfe im Jahr 2011. Ab 2026 beschränken sich die Beziehungen nicht mehr nur auf humanitäre Hilfe und militärische Ausbildung, sondern haben sich auf ein breites Spektrum von Bereichen ausgeweitet, das von Raumfahrttechnologien bis zu Tiefseebohrungen reicht.

Außerdem plant die Türkei, 2026 mit Öl- und Gasbohrungen vor der Küste Somalias zu beginnen. Andererseits bildet das TÜRKSOM-Militärausbildungszentrum in Mogadischu die Truppen (insbesondere Gorgor-Kommandos) aus, die das Rückgrat der somalischen Armee bilden. Mit dem 2024 für 10 Jahre unterzeichneten Rahmenabkommen über Verteidigung und wirtschaftliche Zusammenarbeit gewährleisten die türkischen Seestreitkräfte auch die Sicherheit der somalischen Hoheitsgewässer.

Wichtiger Pfeiler des nationalen Raumfahrtprogramms

Der Weltraumbahnhof in Somalia steht im Mittelpunkt des Nationalen Raumfahrtprogramms der Türkei, das den "Zugang zum Weltraum und den Weltraumbahnhof" zum Ziel hat. Die Anlage soll die Türkei in die Lage versetzen, völlig unabhängig einheimische Satelliten und Trägerraketen ins All zu schicken.

Offiziellen Angaben zufolge wird sich das Projekt nicht auf Startaktivitäten beschränken. Es zielt darauf ab, ein heimisches und nachhaltiges industrielles Ökosystem in kritischen Bereichen wie Raketentriebwerken, Treibstoff- und Antriebssystemen, fortschrittlichen Werkstoffen, Avionik und Bodeninfrastrukturen zu schaffen.

Auf diese Weise sollen die Abhängigkeit vom Ausland verringert und langfristige technologische Fortschritte erzielt werden.

Kommerzielle und strategische Dimension

Der Weltraumbahnhof soll auch dem globalen kommerziellen Raumfahrtmarkt dienen. Durch kommerzielle Satellitenstarts, Test- und Integrationsaktivitäten könnte er eine wichtige Einnahmequelle für die Türkei darstellen. Außerdem soll er zur wirtschaftlichen Entwicklung Somalias beitragen.

In den späteren Phasen des Projekts soll auch die Nachfrage internationaler Kunden nach Satellitenstarts befriedigt werden.

Laut der Analyse in The Economist ist das Projekt Teil des Wunsches der Türkei, ihre Präsenz im Weltraum zu verstärken und ehrgeizigere Ziele zu verfolgen, einschließlich Missionen zum Mond.

Warum außerhalb des Landes?

Die geografische Lage der Türkei bedeutet, dass ihr Luftraum und ihre Seewege zu den am stärksten frequentierten der Welt gehören. Da während des Starts große Gebiete gesperrt werden müssen, wäre die Durchführung dieses Prozesses in der Türkei nicht nur technisch nachteilig, sondern könnte auch zu Situationen führen, die Verhandlungen mit anderen Ländern über Verkehrssperrungen erfordern würden.

Gleichzeitig ist die Türkei ein Land, das relativ weit vom Äquator entfernt ist. Da die Rotationsgeschwindigkeit der Erde am Äquator am höchsten ist, erhalten die Raketen bei Starts von hier aus eine natürliche "freie Geschwindigkeit" und können mit weniger Treibstoff in die Umlaufbahn gebracht werden. Diesen Vorteil will auch die Türkei nutzen.

Andererseits ist es nicht ungewöhnlich, dass Länder auf dem Territorium anderer Länder oder Regionen Weltraumstarts durchführen.

Frankreich zum Beispiel führt diese Starts in Französisch-Guayana durch, seinem Überseegebiet in Südamerika. Der russische Startplatz Baikonur befindet sich ebenfalls in Kasachstan. Die italienische Start- und Verfolgungsbasis, das Raumfahrtzentrum Luigi Broglio, befindet sich in Kenia.

Verteidigung und Prestige

Andererseits ist der Schritt der Türkei in die Raumfahrt auch eng mit der Verteidigungsindustrie verbunden. Der Standort in Somalia könnte auch die sichere Durchführung von Langstreckenraketentests ermöglichen.

Seit der Weltraummission des ersten türkischen Astronauten Alper Gezeravcı im Jahr 2024 hat die Weltraumforschung an politischer und symbolischer Bedeutung gewonnen.

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