König Charles entzog dem früheren Prinz Andrew im Oktober seine letzten königlichen Titel. Der Skandal um seine Verbindungen zu Jeffrey Epstein, der 2019 im Gefängnis starb, hatte sich immer weiter ausgeweitet.
Die Polizei in Großbritannien ermittelt gegen den früheren Prinz Andrew. Sie erklärte am Freitag, sie sei bereit, einen Vorwurf sexuellen Fehlverhaltens gegen den Bruder von König Charles zu prüfen.
Andrew Mountbatten-Windsor, der zweite der drei Söhne der verstorbenen Königin Elizabeth, wurde Mitte Februar festgenommen. Auslöser waren neue Enthüllungen über seine Verbindungen zu dem inzwischen verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Ermittler der Polizeibehörde Thames Valley erklärten, sie stünden in Kontakt mit der Anwältin eines möglichen Opfers. Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach eine Frau "zu sexuellen Zwecken" nach Windsor westlich von London gebracht worden sein soll, wo Andrew auf dem Anwesen der Königsfamilie lebte.
Die Beamten gehen bereits Hinweisen nach, wonach Andrew während seiner Zeit als Handelsgesandter des Vereinigten Königreichs über rund ein Jahrzehnt hinweg vertrauliche Informationen mit dem in Ungnade gefallenen Finanzier Epstein geteilt haben soll.
Die Behörde erklärte, ihre Untersuchung beleuchte "eine Reihe von Aspekten des mutmaßlichen Fehlverhaltens" nach der Veröffentlichung von Unterlagen auf Grundlage des Epstein Files Transparency Act in den USA.
Neben den Ermittlungen wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens im Staatsdienst laufe "die Bewertung von Hinweisen, wonach im Jahr 2010 eine Frau zu sexuellen Zwecken an eine Adresse in Windsor gebracht wurde".
"Wir stehen mit der rechtlichen Vertretung der Frau in Kontakt, um zu bestätigen, dass eine mögliche Anzeige bei der Polizei ernst genommen und mit Sorgfalt und Sensibilität sowie unter Wahrung ihrer Privatsphäre und ihres Rechts auf Anonymität behandelt würde“, hieß es weiter in der Mitteilung (Quelle auf Englisch).
Die Polizei erneuerte ihren Aufruf an alle, die relevante Informationen haben, sich zu melden.
Skandal um Andrew Mountbatten-Windsor: König entzieht Titel
Nach seiner Festnahme im Februar vernahm die Polizei Mountbatten-Windsor stundenlang auf einer Wache. Es geht um den Verdacht des Fehlverhaltens im Staatsdienst während seiner Reisen als Handelsgesandter des Vereinigten Königreichs in den Jahren 2001 bis 2011.
Mountbatten-Windsor weist alle Vorwürfe zurück. Anklage wurde bislang nicht erhoben, er gilt jedoch weiterhin als Beschuldigter.
Im Oktober entzog ihm der König seine verbliebenen royalen Titel. Hintergrund ist der wachsende Skandal um Andrews Verbindungen zu Epstein, der 2019 in der Haft starb.
Zudem musste er seine frühere Residenz, die Royal Lodge in Windsor, räumen. Inzwischen lebt er auf dem privaten Landsitz des Königs in Sandringham in der ostenglischen Grafschaft Norfolk.
Vorwürfe möglichen sexuellen Fehlverhaltens in der Royal Lodge waren Anfang dieses Jahres aufgekommen.
Der Anwalt Brad Edwards von der US-Kanzlei Edwards Henderson berichtete der BBC im Januar, eine Frau – keine Britin und damals in ihren Zwanzigern – habe 2010 nach einer angeblich gemeinsam mit Andrew verbrachten Nacht in seinem Wohnsitz in Windsor eine Führung durch den Buckingham-Palast erhalten und dort Tee getrunken.
"Es geht um mindestens eine Frau, die Jeffrey Epstein zu Prinz Andrew geschickt hat", wurde der Anwalt zitiert.