Am Samstagnachmittag trafen in Malpensa die Leichname der Italiener ein, die bei einem Tauchgang auf den Malediven starben. Die Behörden ordneten Obduktionen an.
Am Samstagnachmittag ist am Flughafen Mailand-Malpensa ein Flug der Turkish Airlines gelandet, der die Leichen der vier bei dem Unglück auf den Malediven ums Leben gekommenen Taucher nach Italien zurückbrachte. Sie waren bei einem Tauchgang in einer Unterwasserhöhle gestorben.
Die Körper von Monica Montefalcone, Professorin für Meeresbiologie an der Universität Genua, ihrer Tochter Giorgia Sommacal sowie der beiden jungen Forscher aus dem Piemont, Federico Gualtieri aus Omegna und Muriel Oddenino aus Poirino bei Turin, wurden in die Leichenhalle des Krankenhauses von Gallarate in der Provinz Varese überführt. Die Einrichtung gilt als zentrale Anlaufstelle für den Flughafen. Dorthin war zuvor bereits der Leichnam von Gianluca Benedetti gebracht worden, dem Tauchlehrer der Gruppe.
Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet
Die italienische Justiz hat inzwischen die formellen Schritte zur Klärung der Todesursachen eingeleitet. Die Ermittlungen führt die stellvertretende Staatsanwältin von Busto Arsizio, Nadia Alessandra Calcaterra, im Auftrag der Staatsanwaltschaft Rom. Derzeit wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen Unbekannt ermittelt.
Am Montag sollen Sachverständige offiziell beauftragt werden. Anschließend beginnen die Obduktionen, zunächst an der Leiche des Tauchlehrers Gianluca Benedetti. Italien hat bereits zugesagt, die Ergebnisse der Untersuchungen mit den Behörden der Malediven zu teilen.
Unglück in Unterwasserhöhle
Das Unglück ereignete sich am 14. Mai im Vaavu-Atoll. Die fünf Italiener waren dort in eine Unterwasserhöhle abgestiegen. Nach Angaben von Regierungsvertretern der Malediven wurden die Körper der vier Forschenden „praktisch zusammen“ in der tiefsten Kammer der Höhle gefunden - in rund 60 Metern Tiefe. Damit lag der Tauchgang deutlich über der auf den Malediven erlaubten Grenze für Sporttaucher von 30 Metern.
Die Bergung galt als äußerst kompliziert und riskant. Ein erster Versuch musste abgebrochen werden, nachdem ein Militärtaucher der maledivischen Streitkräfte, Mohamed Mahudhee, bei dem Einsatz ums Leben gekommen war. Die endgültige Bergung gelang später einem Team aus drei finnischen Höhlentauchern, die auf Tieftauchgänge spezialisiert sind.
Bislang ist zudem unklar, ob bei der Expedition alle Sicherheitsvorschriften eingehalten wurden. Die Behörden der Malediven bestätigten zwar, dass die Gruppe über eine Forschungsgenehmigung verfügte. In den Unterlagen fehlte jedoch die genaue Lage der Höhle, außerdem tauchten die Namen von zwei Opfern nicht in der offiziellen Liste der gemeldeten Forschenden auf.
Große Anteilnahme in Italien
Die Tragödie löste in Italien, besonders in den Herkunftsregionen Ligurien und Piemont, große Betroffenheit aus. Das italienische Außenministerium sagte den Familien Unterstützung sowie eine umfassende internationale Zusammenarbeit zu.
Auch der Präsident der Region Piemont äußerte sich zum Tod der beiden jungen Forscher aus Omegna und Poirino. „Das Piemont steht an der Seite der Gemeinden Omegna und Poirino, die vom Verlust von Federico und Muriel erschüttert sind“, erklärte er. Die beiden seien „junge Hoffnungsträger der wissenschaftlichen Forschung“ gewesen, die „bei der Ausübung ihrer Leidenschaft und ihres Berufs“ ums Leben gekommen seien. Zugleich forderte er vollständige Aufklärung über die Sicherheitsbedingungen des Tauchgangs.
Auch aus Ligurien und von der Universität Genua kamen Worte der Trauer. Professorin Montefalcone galt dort als renommierte Expertin für Meeresökologie. „Der Verlust von Professorin Montefalcone und ihrer Tochter Giorgia hinterlässt eine Lücke, die nicht zu schließen ist“, hieß es in einer Erklärung. Es sei „ein Tag tiefen Schmerzes für ganz Ligurien“. Zugleich kündigten die Verantwortlichen an, die Ermittlungen aufmerksam zu verfolgen, damit die Opfer und auch die Rettungskräfte, die bei dem Unglück ihr Leben verloren, Gerechtigkeit erhielten.