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Entsetzen in Portugal und Frankreich: Was zum Fall der ausgesetzten Kinder bekannt ist

Portugal und Frankreich schockiert: Was über den Fall der ausgesetzten Kinder bekannt ist
Portugal und Frankreich erschüttert: Was über den Fall der ausgesetzten Kinder bekannt ist Copyright  Flickr/GNR - Guarda Nacional Republicana
Copyright Flickr/GNR - Guarda Nacional Republicana
Von Diana Rosa Rodrigues
Zuerst veröffentlicht am
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Spezialkräfte der Polizei in Portugal haben eine französische Mutter und den wegen häuslicher Gewalt verurteilten Stiefvater festgenommen: Sie sollen zwei Kinder bei Alcácer do Sal ausgesetzt haben. Viele Menschen in Frankreich und in Portugal sind entsetzt.

Die 41-jährige Französin Marine Rousseau ist in Fátima in Portugal von Spezialkräften der Polizei festgenommen worden, zusammen mit ihrem 55-jährigen Lebensgefährten. Nach Angaben der Polizei wird gegen die beiden wegen "häuslicher Gewalt" sowie "Aussetzung und Zurücklassen" ermittelt. Denn die beiden kleinen Kinder der Frau wurden im Kreis Alcácer do Sal allein am Rand einer öffentlichen Straße gefunden.

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Über die Französin ist wenig bekannt. Warum sie ihre kleinen Söhne im Alter von vier und fünf Jahren allein an einem fremden Ort zurückließ, bleibt unklar. Marine Rousseau wurde rund 170 Kilometer von dem Ort entfernt festgenommen, an dem die Kinder entdeckt wurden.

Mutter nennt sich im Internet "Sexologin"

In sozialen Netzwerken stellt sie sich als "Sexologin" vor, die nach eigenen Worten "allen Menschen, die Traumata erlitten haben, hilft, innere Ruhe und sexuelle Zufriedenheit wiederzufinden". Auf beruflichen Plattformen wie LinkedIn beschreibt sie sich als "spezialisiert auf Körperarbeit, Entwicklungsdynamiken und spezifische Traumatherapien" und gibt an, auch Jugendliche zu begleiten.

Online verbreitete sie zudem Videos über Fortbildungen, die Eltern helfen sollen, mit ihren Kindern über Sexualität zu sprechen. Laut den öffentlich zugänglichen Angaben studierte sie Psychomotorik an der Universität Pierre et Marie Curie in Paris und arbeitete zudem mit EFT, einer als Emotional Freedom Techniques bekannten Methode zur emotionalen Entlastung.

Familie meldet Verschwinden

Die Familie mütterlicherseits schlug bei den französischen Behörden Alarm.

"Am 11. Mai 2026 nahm die Polizeiwache in Colmar eine Anzeige der Familie einer 41-jährigen Frau aus Colmar auf, die ihre Wohnung ohne Erklärung verlassen hatte“, erklärte die Staatsanwaltschaft Colmar in einer Mitteilung, zitiert von TF1. Das Verschwinden galt als besorgniserregend, auch weil die Frau einen weiteren Sohn im Alter von 16 Jahren aus einer früheren Beziehung zurückgelassen hatte.

Der Leitende Staatsanwalt von Colmar, Jean Richert, erklärte demselben Medium zufolge, dass sich auch der von der Mutter getrennt lebende Vater der Kinder an die Behörden wandte und Anzeige wegen Kindesentführung erstattete. Französische Medien berichteten zudem, die Mutter habe das rechtliche Sorgerecht für die beiden Jungen gehabt.

Die am 11. Mai gestellte Vermisstenanzeige untersuchte die französische Polizei. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnten die Ermittler den Aufenthaltsort der Frau "nacheinander im Süden Frankreichs, in Spanien und in Portugal“ ausfindig machen, ohne jedoch Kontakt zu ihr zu bekommen.

Die Nachricht, dass die Kinder an einer Nationalstraße aufgetaucht waren, löste schließlich Ermittlungen in Portugal und in Frankreich aus. Die Staatsanwaltschaft in Colmar eröffnete ein gerichtliches Ermittlungsverfahren wegen "Kindesvernachlässigung“.

Stiefvater bereits wegen häuslicher Gewalt verurteilt

Zu der Mutter gibt es nur wenige gesicherte Informationen. Das Profil ihres aktuellen Partners, des 55-jährigen Marc Ballabrigade, den die Polizei ebenfalls festnahm, wirkt dagegen problematisch.

Wie Le Parisien berichtet, handelt es sich um einen ehemaligen Polizisten, der 2010 wegen Belästigung und häuslicher Gewalt gegen die Mutter seiner Tochter verurteilt wurde. Die französische Zeitung zitiert eine mit dem Fall vertraute Quelle: Demnach wurde der Mann zu neun Monaten Haft verurteilt, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Trotz der Verurteilung beschrieb ihn ein damaliges psychologisches Gutachten als "normale Person" "ohne Pathologien". Dieselbe Quelle erklärte der Zeitung, der Mann habe "eine lange Phase der Depression" durchlebt, die ihn dazu gebracht habe, seinen Posten bei der Polizei aufzugeben.

In sozialen Netzwerken gibt er an, zwischen 1994 und 2010 als "Sklave des Verteidigungsministeriums" gearbeitet zu haben, und veröffentlicht immer wieder Beiträge mit Verschwörungstheorien, zuletzt im März.

Das Paar soll noch heute einem Richter vorgeführt werden, der über die weiteren Maßnahmen entscheidet.

"Kinder sind bei guter Gesundheit"

Der aufsehenerregende Fall in Portugal begann am Mittwoch, nachdem zwei Kinder mit Anzeichen von Vernachlässigung allein am Rand einer Nationalstraße in einem Buschgebiet bei Alcácer do Sal im Distrikt Setúbal gefunden worden waren.

Ein vorbeifahrendes Paar bemerkte die Jungen und schilderte der portugiesischen Presse, die Kinder wirkten verwirrt und hätten erzählt, sie seien in den Wald gebracht worden, angeblich zum Spielen.

Nach dem Notruf "begaben sich GNR-Einsatzkräfte sofort zum Ort, fanden die Kinder und stellten ihren Schutz und ihre Sicherheit sicher“. Sie brachten die Geschwister auf den Polizeiposten von Alcácer do Sal, "wo die Beamten zunächst für Betreuung sorgten, insbesondere für Essen, Komfort sowie eine ruhige und geschützte Umgebung – besonders wichtig angesichts des Alters und der emotionalen Verletzlichkeit der Kinder“, teilte die Polizei in einer Erklärung mit.

Anschließend wurden die Kinder in ein Krankenhaus gebracht, um ihren Gesundheitszustand zu überprüfen. Laut Staatsanwaltschaft des Bezirks Setúbal "scheinen die Kinder bei guter Gesundheit zu sein; sie erhielten die erforderliche medizinische Betreuung und konnten das Krankenhaus wieder verlassen".

In einer weiteren Mitteilung wird betont, dass "die Priorität der Staatsanwaltschaft darin besteht, das Wohl und die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten – was bislang gelungen ist“.

Die beiden Geschwister sind derzeit vorläufig bei einer Pflegefamilie untergebracht, nachdem das Familien- und Jugendgericht von Santiago do Cacém ein dringendes Schutzverfahren eingeleitet hatte.

Die portugiesischen und französischen Behörden stehen in Kontakt, um die Zukunft der Kinder und eine mögliche Rückkehr nach Frankreich zu klären. Der Vater der Jungen ist nach Medienberichten bereits auf dem Weg nach Portugal. Wie der Sender SIC meldet, soll der Mann begutachtet werden, um festzustellen, ob er die Voraussetzungen erfüllt, die Kinder bei sich aufzunehmen.

Das Bezirksgericht Setúbal stellte klar, dass eine Rückkehr der Kinder nach Frankreich erst nach einem formellen Ersuchen der französischen Behörden möglich ist.

"Die französischen Justizbehörden müssen im Rahmen der justiziellen Zusammenarbeit das Verfahren zur Rückführung der Kinder in den Staat ihres gewöhnlichen Aufenthalts einleiten. In diesem Fall sind die französischen Gerichte international zuständig, um über endgültige Schutzmaßnahmen und die elterliche Verantwortung zu entscheiden“, erklärte das Bezirksgericht Setúbal.

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