Wirtschaftspartnerschaft, Verteidigungsprojekt, Raumfahrtkooperationen - das neue Duo rechter Regierungschefinnen, Giorgia Meloni und Sanae Takaichi trifft sich vor dem G7-Gipfel in Rom. Sie wollen ihre Partnerschaft in vielen Bereichen stärken.
Auf dem Weg zum G7-Gipfel in Evian machte Japans Premierministerin Sanae Takaichi Station in Rom. Nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Keir Starmer in der Downing Street traf sie am Montag, dem 15. Juni, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in der eindrucksvollen Villa Pamphili in Rom, einem der Amtssitze der Regierung.
Die bilateralen Beziehungen zwischen Italien und Japan befänden sich "in einer hervorragenden Phase", sagte Silvia Menegazzi, Professorin für Internationale Beziehungen und Asian Studies an der Universität Luiss, zu Euronews. Entscheidend sei auch "das besondere Verhältnis und die enge Verständigung zwischen den beiden Premierministerinnen, die eine ideologische und geschlechtsspezifische Nähe teilen". Beide sind die ersten Frauen an der Spitze der Regierungen ihrer Länder und beide stammen aus dem rechten politischen Lager.
Japan vor Einsatz bei Minenräumung in Straße von Hormus?
Das Treffen fand nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe des Rahmenabkommens zwischen USA und Iran statt. Takaichi kündigte an, Japan wolle zur Stabilität im gesamten Nahen Osten beitragen, einschließlich der Gewährleistung einer freien und sicheren Schifffahrt in der Straße von Hormus sowie einer widerstandsfähigen Energieversorgung.
Auf die Frage nach der gemeinsamen Erklärung von Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Italien erklärte Takaichi, Japan habe am späten Abend des Vortags die Bitte erhalten, der Erklärung beizutreten. Sie versicherte: "Wir werden uns anschließen."
Diese Zusage hat besonderes Gewicht: Der erste Einsatz der japanischen Marine nach dem Zweiten Weltkrieg bestand darin, sechs Schiffe und rund 510 Soldaten zur Minenräumung im Persischen Golf zu entsenden, wo irakische Truppen etwa 1.200 Minen gelegt hatten.
Das war 1991. Vor der Küste Kuwaits arbeiteten damals die Streitkräfte der USA, Frankreichs, Großbritanniens, Belgiens, Italiens, Deutschlands, der Niederlande und Saudi-Arabiens zusammen.
Plan B zum US-Schutzschirm: Japan richtet sich neu aus
Menegazzi berichtet Euronews, in Japan finde derzeit ein außenpolitisches Umdenken statt. "Japan agiert in seiner Politik sehr vorsichtig", sagt sie. "Aber man hat erkannt, dass der US‑Schutzschirm irgendwann nicht mehr ausreichen könnte. Niemand rechnet mit einem abrupten Ende, doch Tokio weiß, dass es einen Plan B braucht."
Die Verteidigung bleibt daher einer der Pfeiler der Partnerschaft mit Italien und dem Vereinigten Königreich. Die Zusammenarbeit im Rüstungsbereich läuft im Rahmen des Global Combat Air Programme (GCAP) weiter. Italien, Japan und das Vereinigte Königreich entwickeln gemeinsam ein Kampfflugzeug der sechsten Generation, das die Sicherheit im euro-atlantischen Raum und im Indopazifik stärken soll.
Für die Luiss-Professorin ist das Projekt "im Kontext des japanischen Strebens nach einer stärkeren Rolle auf dem geopolitischen Schachbrett" zu sehen. Menegazzi ordnet ein: "Kulturell ist der Ansatz des Landes vorsichtig und diplomatisch, aber es ist offensichtlich, dass es den erneuten Willen gibt, sich einen Platz in der ersten Reihe der Großmächte zu sichern." Vor diesem Hintergrund werden die Aussagen Takaichis zum US‑iranischen Rahmenabkommen beim G7 besonders interessant sein.
Italien und Japan: Stand der Beziehungen
Nach Informationen von Euronews aus dem Palazzo Chigi diente das Treffen der beiden Premierministerinnen dazu, den Stand der Vereinbarungen zu prüfen, die die beiden Staats- und Regierungschefs bei der Reise von Präsidentin Meloni nach Tokio am 16. Januar getroffen hatten. Zudem sollten weitere Initiativen der Zusammenarbeit festgelegt werden, die mit Blick auf den G20-Gipfel im Dezember in Miami vorangetrieben werden sollen.
Diese Initiativen sollen das bilaterale strategische Partnerschaftsabkommen weiter festigen und bis 2026 zu greifbaren Ergebnissen führen. Dann jährt sich die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Italien und Japan zum 160. Mal. Es beginnt eine neue Arbeitsphase, in der Raumfahrt, Verteidigung, wirtschaftliche Sicherheit und industrielle Zusammenarbeit zu den wichtigsten Triebkräften werden sollen.
Seit der Aufwertung der bilateralen Beziehungen zum Rang einer "besonderen strategischen Partnerschaft" im Januar hat die Zusammenarbeit zwischen Italien und Japan in zahlreichen Feldern gemeinsamen Interesses deutlich an Intensität gewonnen.
Vor diesem Hintergrund fand am 25. und 26. Mai in Nagoya eine neue Sitzung des Italy‑Japan Business Group statt. Am 27. Mai kam in Tokio erstmals der neu geschaffene bilaterale Ausschuss für wirtschaftliche Sicherheit zusammen, während die japanische Hauptstadt am 28. und 29. Mai die Auftaktsitzung des neuen intergouvernementalen Weltraumdialogs zwischen beiden Ländern ausrichtete.
Gerade im Weltraumbereich verabschiedeten die beiden Staats- und Regierungschefs eine gemeinsame Erklärung, um die Zusammenarbeit zwischen ihren Raumfahrtagenturen zu vertiefen, neue technologische und wissenschaftliche Synergien zu fördern und die Entwicklung strategischer Industriepartnerschaften zu unterstützen.
Handelsbilanz zwischen Italien und Japan
Beide Länder sind daran interessiert, die wirtschaftliche und kommerzielle Zusammenarbeit weiter zu vertiefen. Japan ist der drittwichtigste Handelspartner Italiens in Asien und das zweitwichtigste Zielland für italienische Exporte auf dem Kontinent.
Im Jahr 2025 erreichte das Handelsvolumen 12,3 Milliarden Euro, mit einem Überschuss zugunsten Italiens von 4,4 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2026 belief sich der bilaterale Austausch auf etwa drei Milliarden Euro, was einen italienischen Exportüberschuss von rund einer Milliarde Euro ergab.
Bemerkenswert ist zudem die Präsenz italienischer Unternehmen in Japan, wo 166 italienische Firmen tätig sind und gemeinsam einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro erwirtschaften.
Italien und Japan vor G7-Gipfel in Evian
Das Gespräch zwischen Ministerpräsidentin Meloni und Premierministerin Takaichi bot schließlich die Gelegenheit für einen vertieften Austausch über die wichtigsten Themen der internationalen Agenda – auch mit Blick auf den G7-Gipfel in Evian.
Italien und Japan wollen dort ihr gemeinsames Engagement bekräftigen: für einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine und im Nahen Osten, für Sicherheit und Stabilität im Indopazifik sowie für mehr wirtschaftliche Resilienz und weniger Verwundbarkeit bei den Lieferketten für Energie und kritische Rohstoffe.