Unbekannte haben am Wochenende in Google Maps Dutzende Warschauer Orte mit provokanten, teils anzüglichen Namen "umbenannt". Google Polen reagierte, das Forschungsinstitut NASK untersucht den Fall.
In der beliebten Karten-App tauchten die ersten manipulierten Einträge am Samstagabend auf. Unbekannte nutzten eine Schwachstelle in Google Maps, über die sich Ortsnamen relativ leicht verändern ließen. Bislang ist die Identität der Verantwortlichen nicht geklärt. Die falschen Bezeichnungen betrafen nicht nur weniger bedeutende Orte wie Parks, Plätze oder Einkaufszentren, sondern auch historisch und staatlich besonders wichtige Standorte.
Präsidentenpalast heißt plötzlich "Hooligan-Palast"
Unter den geänderten Namen befand sich unter anderem der Präsidentenpalast, der in Google Maps als "Pałac Kibolski" – "Hooligan-Palast" – erschien. Auch das direkt benachbarte Amt für Nationale Sicherheit wurde umetikettiert und als "Amt für Hooligan-Sicherheit" angezeigt.
Die Umbenennung des Präsidentenpalasts war kein Zufall. Ende Mai 2025 hatten Journalisten des polnischen Internetportals Onet berichtet, Präsident Karol Nawrocki habe 2009 an einer illegalen verabredeten Schlägerei radikaler Fans von Lechia Gdańsk und Lech Poznań teilgenommen. Die provokanten Namensänderungen für den Sitz des Präsidenten und das Amt für Nationale Sicherheit spielten direkt darauf an.
Anspielungen auf den Zweiten Weltkrieg und das Dritte Reich
Damit nicht genug. Aus dem Piłsudski-Platz machten die Unbekannten den "Dzierżyński-Platz". Das Grab des unbekannten Soldaten erschien als "Grab eines berühmten SS-Soldaten". Betroffen war auch der "Palast auf der Insel" im Łazienki-Park (Königliche Bäder), der als "Palast auf Epsteins Insel" bezeichnet wurde. Das Museum des Warschauer Aufstands trug zeitweise den Namen "Museum des Aufstands im Dritten Reich".
Die Nationale Kunstgalerie Zachęta wurde in den Karten als "Zachęta – Do Opuszczenia Polski" – "Anreiz – Polen zu verlassen" – betitelt. Der Marschall-Edward-Rydz-Śmigły-Park erschien als "Heinrich-Himmler-Park", die Wisława-Szymborska-Passage als "Hermann-Göring-Passage". Der Żeromski-Park wurde in "Stepan-Bandera-Park" umbenannt, das Kopernikus-Wissenschaftszentrum in "Mengele-Wissenschaftszentrum", und beim Platz des AK-Bataillons Zaremba-Piorun tauchte zusätzlich der Zusatz "SS Warschau" auf.
Aus dem Museum für polnische Militärtechnik wurde das "Museum der polnischen geistigen Armut", aus dem Friedhof in Bródno, der "Friedhof der polnischen Brudas". Der Sächsische Garten wurde in "Suski-Garten" umbenannt, der Mirowski-Park in "Acht-Sterne-Park".
Ein Teil der manipulierten Namen spielte direkt auf das Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen und des Flugunfalls von Smolensk 2010 an, bei dem Staatspräsident Lech Kaczyński und weitere hochrangige Politiker ums Leben gekommen waren.
Google reagiert
Die polnische Niederlassung von Google erklärte auf Nachfrage von Euronews: "Wir entfernen fortlaufend unangemessene Namen, die vielen Standorten in Polen in Google Maps zugewiesen wurden. Wir sperren die Konten, die für diese Einträge verantwortlich sind, und setzen unsere Richtlinien für Inhalte streng durch."
Das Unternehmen ergänzte, die Teams stellten die korrekten Ortsbezeichnungen wieder her. Die Änderungen würden nach und nach in Google Maps sichtbar, sobald die Daten aktualisiert seien.
Auf Fragen nach dem Verfahren zur Änderung von Namen offizieller Institutionen und nach einer möglichen Verschärfung der Bearbeitungsregeln ging Google nicht ein.
Digitalisierungsminister: Kein Angriff, aber möglicher Test für fremde Dienste
Der stellvertretende Digitalisierungsminister Dariusz Standerski äußerte sich zu dem Vorfall in der Sendung "Onet Rano" und betonte, es habe "keinen Angriff und keine organisierte Aktion" gegeben. "Kurz gesagt: Kinder sind da herangekommen und haben herumprobiert. Die Folgen waren ernst, denn viele Menschen nutzen diese Karten als Navigation."
Gleichzeitig warnte der Staatssekretär, ähnliche Vorfälle könnten von ausländischen Diensten genutzt werden. Auf die Frage nach einer möglichen Beteiligung russischer Geheimdienste antwortete er: "Leider ist jeder solcher Vorfall ein Test – entweder wird er von feindlichen Diensten durchgeführt oder von ihnen beobachtet."
Standerski ergänzte: "Ich bin überzeugt, dass im Osten eine Notiz entstanden ist, dass eine Gruppe Kinder in einer sehr beliebten Karten-App Verwirrung stiften konnte." Solche Situationen könnten seiner Einschätzung nach künftig genutzt werden, um Chaos auszulösen, etwa im medizinischen oder militärischen Transport.
NASK und CERT Polska beobachten die Lage
Das staatliche Forschungsinstitut NASK teilte mit, sein Computer Emergency Response Team (CERT Polska) habe das Problem in der Nacht von Samstag auf Sonntag an die Moderation von Google gemeldet: "Bis zehn Uhr haben wir 78 geänderte Namen gemeldet. Ein Teil davon ist bereits korrigiert."
CERT Polska erinnerte daran, dass ähnliche Fälle, bei denen Ortsnamen "aus Spaß" verändert wurden, bereits früher vorkamen. Zugleich betonte der Dienst, es sei derzeit "definitiv zu früh, um eindeutige Schlüsse über den Charakter dieses Vorfalls zu ziehen", und rief dazu auf, derartige Unregelmäßigkeiten direkt bei der Plattform zu melden.
Bis Wochenbeginn waren die meisten falschen Einträge wieder verschwunden.