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Stellantis ruft 955.000 Autos zurück: neuer Dämpfer für die Glaubwürdigkeit

Stellantis im Chrysler Technology Center in Auburn Hills, Michigan
Stellantis im Chrysler Technology Center in Auburn Hills, Michigan Copyright  AP Photo
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Von Stefania De Michele
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Stellantis ruft 955.000 Autos wegen defekter Rückfahrkamera zurück, Imagekrise des Konzerns verschärft sich nach Serie von Rückrufen

Ein weiterer Maxi-Rückruf, erneut wegen Software und Sicherheit. Stellantis ruft rund 955.000 Fahrzeuge der Marken Chrysler, Dodge, Jeep und Ram zurück. Grund ist ein Softwarefehler im Infotainment-System, der verhindern kann, dass beim Rückwärtsfahren die Bilder der Rückfahrkamera korrekt angezeigt werden.

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Der Rückruf betrifft rund 848.000 Fahrzeuge in den USA, 83.000 in Kanada, 8.000 in Mexiko und weitere etwa 15.000 in Märkten außerhalb Nordamerikas. Betroffen sind verschiedene Modelle der Jahrgänge 2026 und 2027, darunter Chrysler Pacifica, Pacifica Plug-in Hybrid und Voyager, Dodge Charger, Jeep Cherokee, Compass, Gladiator, Grand Cherokee, Grand Wagoneer und Wrangler sowie verschiedene Ram-Modelle. Stellantis will das Problem durch ein Software-Update over the air lösen. Der Konzern erklärt, ihm seien bisher keine Unfälle oder Verletzten im Zusammenhang mit dem Defekt bekannt.

Die direkten Kosten dieser Aktion dürften relativ gering bleiben, weil die Lösung digital ist und aus der Ferne eingespielt werden kann. Für Stellantis könnte das eigentliche Problem jedoch anderswo liegen: bei der Glaubwürdigkeit des Konzerns in Sachen Qualität.

Rückfahrkamera: nicht der erste Rückruf

Der neue Fall hat eine besonders heikle Komponente. Schon im Juni 2024 hatte Stellantis in Nordamerika rund 1,16 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen – wegen eines sehr ähnlichen Problems. Auch damals konnte die Software des Radiosystems verhindern, dass das Bild der Rückfahrkamera angezeigt wurde.

Betroffen waren etwa 1,03 Millionen Fahrzeuge in den USA und weitere 126.000 in Kanada, darunter die Modelle Dodge Durango, Chrysler Pacifica, Jeep Grand Cherokee, Ram und Wagoneer. Auch in diesem Fall bestand die Lösung in einem Software-Update.

Dass ein Problem derselben Art nach nur zwei Jahren erneut auftritt, macht den neuen Rückruf aus Reputationssicht besonders brisant.

Und es geht längst nicht nur um Kameras.

2025: 13,4 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen

Die Zahlen im jüngsten Geschäftsbericht zeigen eine Situation, die Stellantis selbst als problematisch bewertet. Im Jahr 2025 beschloss der Konzern, rund 13,4 Millionen Fahrzeuge zurückzurufen – nach 7,3 Millionen im Jahr 2024.

Den Anstieg lösten vor allem zwei große Kampagnen aus, die zusammen 5,6 Millionen Fahrzeuge betrafen: eine zu den 1,5-Liter-Dieselmotoren DV5R und eine zum Softwarefehler im Diagnosesystem an Bord. Hinzu kamen bereits laufende Aktionen, darunter jene zu Takata-Airbags.

Der Befund ist besonders relevant, weil Stellantis im „Annual Report 2025“ den möglichen Reputationsschaden der Rückrufe ausdrücklich benennt: Sie können dem Ansehen des Konzerns schaden und Verbraucherinnen und Verbraucher dazu bringen, die Sicherheit und Zuverlässigkeit seiner Produkte infrage zu stellen.

Es handelt sich also nicht um eine externe Interpretation: Stellantis selbst räumt ein, dass Rückrufe zu einem Problem der Kundenvertrauen werden können.

Qualitätsprobleme belasten die Bilanz schwer

Noch heikler wird das Thema, wenn man auf die Kosten schaut.

In der zweiten Jahreshälfte 2025 verbuchte Stellantis eine Belastung von rund 5,3 Milliarden Euro, weil der Konzern die Rückstellungen für vertragliche Garantien neu bewertete. Nach Unternehmensangaben berücksichtigt die neue Einschätzung gestiegene Kosten und eine „Verschlechterung der Qualität“, zurückgeführt auf frühere operative Entscheidungen, die nicht die erhofften Ergebnisse brachten.

Mit anderen Worten: Es geht nicht nur darum, wie viel die Reparatur der zurückgerufenen Autos kostet. Entscheidend ist, wie teuer unzureichende Qualität über die Zeit wird.

Nach einer Analyse von Warranty Week zu den Bilanzen europäischer Hersteller stellte Stellantis 2025 rund 11,65 Milliarden Euro für Garantien zurück – 84 Prozent mehr als 2024. Die tatsächlichen Zahlungen für Garantiefälle lagen bei etwa 6,26 Milliarden Euro.

Diese Zahlen brauchen eine vorsichtige Einordnung: Rückstellungen bedeuten keinen sofortigen Aufwand und hängen nicht vollständig mit Rückrufen zusammen. Sie zeigen aber, wie stark Qualitätsprobleme inzwischen auf die Bilanz des Konzerns drücken.

Was kostet der Rückruf von 955.000 Autos?

Für die jüngste Kampagne gibt es noch keine eigene offizielle Kostenzahl. Eine einfache Multiplikation der Fahrzeugzahl mit einem Durchschnittsbetrag wäre irreführend: Ein Software-Update aus der Ferne hat völlig andere Kosten als der Austausch eines mechanischen Bauteils in der Werkstatt.

In diesem Fall dürften die direkten industriellen Kosten daher deutlich niedriger liegen als bei einem Rückruf, der Millionen physischer Eingriffe erfordert.

Das größere wirtschaftliche Risiko ist eher indirekt: Wiederholte Kampagnen bedeuten mehr Prüfaufwand, mehr Service, mehr Kundenbetreuung und mögliche Umsatzeinbußen. Und Stellantis gibt das im Geschäftsbericht offen zu und warnt, Rückrufe könnten sich sowohl auf die Reputation als auch auf die Verkäufe negativ auswirken.

Glaubwürdigkeit als entscheidender Test

Der neue Rückruf kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Stellantis gerade zeigen will, dass der Kurswechsel gelungen ist.

Im Februar 2026 kündigte der Konzern einen tiefgreifenden „Reset“ seiner Aktivitäten an, nachdem er in der zweiten Jahreshälfte 2025 rund 22,2 Milliarden Euro an Belastungen verbucht hatte. Davon entfielen 5,4 Milliarden Euro auf weitere operative Änderungen, darunter 4,1 Milliarden Euro durch eine Anpassung der Garantie-Rückstellungen.

Das Management betont jedoch, die Qualitätssituation habe sich bereits zu bessern begonnen. Seit Anfang 2025 sei die Zahl der gemeldeten Probleme im ersten Monat nach Auslieferung in Nordamerika um mehr als 50 Prozent gesunken, in der erweiterten Europa-Region um mehr als 30 Prozent.

Der neue Rückruf beweist für sich genommen also nicht, dass der Verbesserungsprozess gescheitert ist. Er erschwert es aber, Kundinnen, Kunden und Investorinnen und Investoren davon zu überzeugen, dass die schwierigste Phase endgültig vorbei ist.

Das Problem ist größer als eine Million Kameras

Im Kern geht es nicht um die 955.000 Autos der jüngsten Kampagne. Und schon gar nicht um die Kosten des Software-Updates.

Das eigentliche Problem ist die Summe der Signale: 7,3 Millionen Rückrufe im Jahr 2024, 13,4 Millionen im Jahr 2025, mehr als 1 Million Fahrzeuge im früheren Rückruf zur Rückfahrkamera und – im Juni 2026 – über 1,3 Millionen Jeep Wrangler und Gladiator, die wegen eines Problems mit der Verkabelung der elektrischen Servolenkungspumpe zurückgerufen wurden, das einen Brand auslösen konnte. Damals registrierte Stellantis mindestens 72 mögliche Brände und eine verletzte Person.

Für einen Autohersteller ist Qualität nicht nur eine Bilanzposition. Sie gehört zu den wichtigsten Kriterien, nach denen Kundinnen und Kunden entscheiden, ob sie sich erneut für dieselbe Marke entscheiden.

Deshalb lässt sich der aktuelle Rückruf wirtschaftlich handhaben, kann aber aus Reputationssicht deutlich teurer werden. Die Herausforderung für Stellantis besteht darin zu beweisen, dass die Maxi-Rückrufe zur Vergangenheit gehören und dass der vom Management angekündigte neue Kurs tatsächlich Zuverlässigkeit, Qualität und Vertrauen wieder ins Zentrum des Konzerns rückt.

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