Rumäniens Präsident hält den Angriff auf ein ukrainisches Schiff mit gefährlichen Chemikalien für „höchstwahrscheinlich“ russisch, spricht von einem schweren Vorfall und ordnet Ermittlungen an.
Ein Angriff auf ein Schiff im Schwarzen Meer, das Propan in den ukrainischen Hafen Reni bringen sollte, hat drei Besatzungsmitglieder verletzt und die komplette Evakuierung an Bord erzwungen. Das teilte Rumäniens Präsident Nicușor Dan am Dienstag mit.
„In der vergangenen Nacht wurde der LPG-Tanker Gas Lisbon unter liberianischer Flagge außerhalb der rumänischen Territorialgewässer getroffen, etwa 20 Seemeilen vor der rumänischen Küste“, schrieb das Staatsoberhaupt auf X.
„Kurz nach dem Vorfall fuhren zwei Schiffe der Rumänischen Agentur zur Rettung von Menschenleben auf See zum Unglücksort und brachten die gesamte Besatzung in Sicherheit, darunter die drei Verletzten. Alle wurden sicher an Land gebracht.“
Dan erklärte, die staatlichen Behörden seien mobilisiert worden und sollten nun die genauen „Umstände, Ursachen und Verantwortlichkeiten“ des von ihm als „schwerer Zwischenfall“ bezeichneten Ereignisses klären. Er gehe „höchstwahrscheinlich“ von einer von Russland verübten Straftat aus.
Das Schiff war auf dem Weg in den ukrainischen Donauhafen Reni an der Grenze zu Rumänien. Es hatte im ägyptischen Alexandria mehr als 3.790 Tonnen Propan geladen. Durch den Beschuss brach nach ersten Berichten ein Großbrand an Bord aus.
Russische Angriffe: Ukraine weiter unter Dauerbeschuss
Unterdessen greifen russische Streitkräfte ukrainische Städte weiterhin täglich an. Der Kreml erhöht damit den Druck und zeigt auch im fünften Kriegsjahr keinerlei Bereitschaft zum Nachlassen.
Nach Angaben ukrainischer Behörden trafen die Angriffe in der Nacht zum Dienstag mehrere Städte. Zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe mitgeteilt, sie habe 46 von 58 Drohnen abgeschossen, die Russland über die Grenze hinweg abgefeuert habe – die jüngste Welle einer verstärkten Offensive.
Die Angriffe richteten sich nach diesen Angaben gegen mehrere Gebiete, darunter Sumy, Saporischschja, Cherson und die industrielle Ostregion Donbas. Diese steht seit Jahren weitgehend unter russischer Kontrolle und macht rund 22 Prozent des Landes aus.
In Cherson töteten die Angriffe einen Mitarbeiter der Regionalverwaltung, teilten örtliche Behörden mit. Eine weitere Frau erlitt demnach „tödliche Verletzungen“.
Auch in anderen Teilen der Ukraine führten Einschläge in den Regionen Tschernihiw und Sumy zu schweren Bränden, sodass örtliche Einsatzkräfte ausrückten und die Flammen löschten.
Ukraine schlägt zurück
Auch Kyjiw hat eigene Gegenoffensiv-Operationen gestartet. Ukrainische Medien berichteten, Angriffe auf die westrussische Stadt Lipezk hätten in den frühen Morgenstunden des Dienstags Brände in Industrieanlagen ausgelöst.
Der Gouverneur der Region Lipezk, Igor Artamonow, erklärte, es sei ein Feuer ausgebrochen. Die Behörden hätten Ermittlungen zur Ursache eingeleitet. Er vermied es jedoch, einen Angriff zu bestätigen.
Bei dem betroffenen Komplex handelt es sich um das Stahlwerk des Konzerns NLMK, das rund 400 Kilometer östlich der ukrainischen Grenze liegt. NLMK ist der größte Stahlproduzent Russlands und steht für etwa 20 Prozent der landesweiten Stahlproduktion.
Laut ukrainischen Medien liefert das Werk Stahl an Unternehmen, die Raketen für das russische Militär herstellen.