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Ceuta-Krise: Größter illegaler Grenzübertritt in die EU?

Ein marokkanischer Sicherheitsbeamter sichert den Übergang, Menschen versuchen von Fnideq in die spanische Stadt Ceuta zu gelangen, am Freitag, 31. Juli 2026
Ein Angehöriger der marokkanischen Sicherheitskräfte steht Wache; Menschen versuchen, von Fnideq in die spanische Exklave Ceuta zu gelangen, Freitag, 31. Juli 2026 Copyright  AP/STR
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Von Alessio Dell'Anna
Zuerst veröffentlicht am
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Rund 60.000 Migranten sollen seit Donnerstag die spanische Exklave Ceuta erreicht haben. Bestätigen sich die Zahlen, wäre es der größte plötzliche Anstieg irregulärer Einreisen in die EU. Mindestens 18 Menschen kamen ums Leben.

Seit Donnerstag sind Tausende Migranten aus Marokko in die nordafrikanische spanische Exklave Ceuta gelangt. Die jüngsten Schätzungen der spanischen Regierung gehen von rund 60.000 Menschen aus.

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Bestätigen sich diese Zahlen, wäre das der größte plötzliche Anstieg irregulärer Einreisen, der je auf EU-Gebiet registriert wurde. Die meisten Migranten kamen über das Meer und schwammen von der marokkanischen Grenzstadt Fnideq aus los. Sie erreichten mehrere Strände, besonders El Tarajal, einen der Grenznahesten.

Bis Freitagmorgen sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press mindestens 18 Menschen bei dem Versuch ums Leben gekommen. Viele von ihnen starben in einer Massenpanik, als sie Sperrzäune an den Wellenbrechern überwinden wollten.

In einer Ansprache an die Nation bezeichnete Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez die Vorgänge als "Angriff auf die territoriale Integrität des Landes", der "unsere deutlichste und energischste Verurteilung verdient".

Er machte Schleusernetzwerke verantwortlich. Sánchez verwies auf ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom Juli, das die Banden nach seinen Worten fälschlich als Verbot der Rückführung von Migranten auslegten, die auf dem Seeweg ohne vorheriges Verfahren ankommen.

Migranten versuchen, von Marokko in die spanische Exklave Ceuta zu gelangen, Donnerstag, 30. Juli 2026.
Migranten versuchen, von Marokko in die spanische Exklave Ceuta zu gelangen, Donnerstag, 30. Juli 2026. AP/Antonio Sempere

Ceuta: Wie außergewöhnlich ist die aktuelle Migrationskrise?

Bereits 2021 stand Ceuta unter ähnlichem Druck. Zwischen dem 17. und 18. Mai drangen binnen 48 Stunden rund 10.000 Migranten in die Exklave ein.

Damals werteten viele Beobachter die von Marokko gemeldete "Lockerung" der Grenzkontrollen als politisches Druckmittel. Anlass war die Entscheidung Spaniens, Brahim Ghali, die Führungspersönlichkeit der Unabhängigkeitsfront der Westsahara, Polisario, zur medizinischen Behandlung ins Land zu lassen.

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat Europa jedoch mehrere andere sprunghafte Anstiege der Migration erlebt. Ursache waren meist Kriege und diplomatische Konflikte, nicht langfristige Wanderungsbewegungen.

Die letzte große Krise ereignete sich 2015 und 2016 und wurde durch den Krieg in Syrien ausgelöst.

Damals entwickelte sich Ungarn zu einem der wichtigsten Transitländer. Allein 2015 registrierten die Behörden fast 400.000 irreguläre Grenzübertritte, überwiegend über die Westbalkanroute. Die Regierung in Budapest ließ daraufhin an der Südgrenze zu Serbien einen vier Meter hohen Zaun errichten.

Eine Gruppe von Migranten sitzt und wartet darauf, nach dem Grenzübertritt aus Kroatien nahe dem Dorf Zakany in Ungarn zu einem Zug gebracht zu werden, Mittwoch, 23. September 2015.
Eine Gruppe von Migranten sitzt und wartet darauf, nach dem Grenzübertritt aus Kroatien nahe dem Dorf Zakany in Ungarn zu einem Zug gebracht zu werden, Mittwoch, 23. September 2015. AP/Petr David Josek

Dennoch lagen die täglichen Ankünfte auf dem Höhepunkt des Exodus – zwischen 4.000 und mehr als 8.000 Menschen – weit unter dem Niveau, das Ceuta seit Donnerstag erlebt.

In derselben Zeit geriet auch die griechische Insel Lesbos stark unter Druck. Nach Angaben des UNHCR kamen dort im selben Jahr fast eine halbe Million Menschen an.

2020 stand Griechenland vor einer weiteren großen Bewährungsprobe. Die Türkei erklärte, sie werde Migranten nicht länger daran hindern, nach Europa zu gelangen, nachdem bei einem Angriff der syrischen Regierung auf Rebellen in der Provinz Idlib 33 türkische Soldaten getötet worden waren.

Die Regierung in Ankara sprach damals davon, die Grenze für 80.000 Migranten geöffnet zu haben. Viele machten sich entlang des Flusses Evros auf den Weg nach Griechenland. Die Bewegung hielt einen Monat lang an und führte zu einem angespannten Patt zwischen Athen und Ankara.

Europäische Außengrenzen: Wo der Druck am größten ist

Nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine setzten aus Belarus neue Ströme irregulärer Migranten in die EU ein, vor allem nach Polen, Lettland und Litauen. Belarus sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, seine Grenzkontrollen im Rahmen einer hybriden, prorussischen Strategie bewusst zu lockern.

2025 registrierte Frontex, die EU-Grenzschutzagentur, knapp 11.000 irreguläre Grenzübertritte. Seit 2024 gehen die Zahlen jedoch zurück und liegen deutlich unter denen auf den meistgenutzten Migrationsrouten der EU: im östlichen Mittelmeer mit 51.000 registrierten Fällen und im zentralen Mittelmeer mit rund 66.000, wo Italien an vorderster Front steht.

Frontex
Frontex 2025

Beim Druck auf die EU-Außengrenzen steht Italien häufig an vorderster Front.

Zu den auffälligsten jüngeren Spitzen gehört Lampedusa, eine kleine Insel zwischen Tunesien und Sizilien. Dort kamen im September 2023 innerhalb von nur zwei Tagen 7.000 Migranten an.

Das wohl prägendste Ereignis im italienischen Gedächtnis reicht jedoch bis 1991 zurück. Damals erreichte ein Schiff den Hafen von Bari mit rund 20.000 albanischen Flüchtlingen an Bord, nachdem das kommunistische Regime ihres Landes zusammengebrochen war.

Tausende Albaner, die vor Hunger in ihrer verarmten Heimat fliehen und in Italien Asyl suchen, drängen sich am Kai in Bari, Italien, 8. August 1991.
Tausende Albaner, die vor Hunger in ihrer verarmten Heimat fliehen und in Italien Asyl suchen, drängen sich am Kai in Bari, Italien, 8. August 1991. AP/Luca Turi
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