Die Zahl der Migranten und Asylsuchenden in Europa sinkt. Gleichzeitig steigt die Zahl der Rückführungen, angeführt von Deutschland, Frankreich und Schweden.
Die EU macht ernst mit ihrem Versprechen, die Grenzkontrollen zu verschärfen.
In die EU kommen weniger Migrantinnen und Migranten als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig steigt die Zahl der angeordneten Rückführungen.
Das zeigen neue Daten von Eurostat. Sie deuten eher auf einen mittelfristigen Trend hin als auf eine kurzfristige Schwankung.
Seit 2022 sinkt die Zahl der neu in die EU einreisenden Migrantinnen und Migranten kontinuierlich: von 5,4 Millionen auf 4,5 Millionen im Jahr 2024, das ist ein Rückgang um 24 Prozent.
Auch die Zahl der Asylsuchenden, die 2025 einen Schutzstatus erhielten, war geringer und lag bei 361.000 – dem niedrigsten Wert seit 2019.
EU verspricht: modernstes Grenzmanagement der Welt
Es geht jedoch nicht nur darum, dass weniger Menschen nach Europa kommen. Die Zahl der Abschiebungen und Rückführungen vom Kontinent steigt ebenfalls.
Rückführungsanordnungen erreichten im vergangenen Jahr fast eine halbe Million und damit den höchsten Stand seit 2019.
Auch wenn nur ein Teil der Betroffenen tatsächlich zurückgebracht wird: Die Zahl der Abschiebungen lag im vergangenen Jahr bei 155.000 und damit so hoch wie seit 2020 nicht mehr.
Der EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, sagte dem Team von Europe in Motion, die Union befinde sich "auf der Zielgeraden der bislang größten Reform des europäischen Asyl- und Migrationssystems“.
"Damit stärken wir den Schutz unserer Außengrenzen und führen das modernste Grenzmanagementsystem der Welt ein – das Entry/Exit-System“, erklärte er.
Brunner betonte zudem, die EU baue die Zusammenarbeit mit Drittstaaten aus, um Migration zu steuern und illegale Grenzübertritte sowie Schleuserkriminalität zu verhindern. Zugleich räumte er ein, dass noch "viel Arbeit" vor ihnen liege.
Rückführungen: Welche EU-Staaten schicken die meisten Migranten zurück?
2025 bildeten türkische Staatsangehörige mit mehr als 13.000 Rückführungen die größte Gruppe. Dahinter folgten Georgierinnen und Georgier (10.475), Syrerinnen und Syrer (8.370) sowie Albanerinnen und Albaner (8.020).
Deutschland führte insgesamt die meisten Abschiebungen durch – fast 30.000 –, gefolgt von Frankreich mit knapp 15.000 und Schweden mit mehr als 11.000.
Wer ordnet die meisten Rückführungen an?
Bei den Rückführungsanordnungen liegt Frankreich deutlich vor Deutschland und anderen EU-Staaten: 2025 verhängte Paris 138.000 solcher Bescheide, Deutschland 55.000. Der Großteil der Betroffenen verließ Frankreich trotz Anordnung allerdings nicht.
Spanien stellte ebenfalls 54.000 solcher Anordnungen aus, die Niederlande 32.000.
Die Lücke zwischen angeordneten und tatsächlich vollzogenen Rückführungen hat – in Frankreich wie in anderen Ländern – mehrere Gründe.
Oft können die Behörden etwa das Herkunftsland einer Person nicht eindeutig feststellen. In anderen Fällen verzögern gesundheitliche Probleme eine Rückführung oder die Behörden setzen sie aus, wenn es sich um unbegleitete Minderjährige handelt.
Grenzkontrollen: Welche Länder weisen die meisten Migranten ab?
Zugleich weisen die Behörden zunehmend Menschen schon an der Grenze ab. 2025 wurde 133.000 Personen die Einreise verweigert – mehr als in den Jahren 2024 und 2023.
Der häufigste Grund laut Eurostat: In 30 Prozent der Fälle legten die Betroffenen keinen plausiblen Zweck oder keine ausreichenden Bedingungen für ihren Aufenthalt vor. In 17 Prozent der Fälle hatten sie sich bereits drei Monate innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten in der EU aufgehalten.
In weiteren 15 Prozent der Fälle fehlte ein gültiges Visum. 13 Prozent der Betroffenen wurden nach einem entsprechenden Hinweis in den Datenbanken gar nicht erst eingelassen.
Die meisten Zurückweisungen meldete Polen mit fast 30.000, gefolgt von Frankreich mit etwas mehr als 12.000.
Vor zwei Wochen veröffentlichte die Europäische Kommission einen Bericht zum Stand der Umsetzung des Pakts zu Migration und Asyl .
Darin heißt es, die EU-Mitgliedstaaten seien bei der Umsetzung des Pakts "deutlich vorangekommen".
Das 2024 beschlossene Regelwerk soll einen gemeinsamen Rahmen mit stärkerem Schutz der Außengrenzen schaffen. Zugleich verspricht die EU "faire und konsequente Asylregeln sowie ein Gleichgewicht zwischen Solidarität und Verantwortung".