Von Mammutskeletten bis zu Kriegsschiffen: Der außergewöhnlich niedrige Wasserstand der Donau legt immer mehr historische Funde frei. In Serbien werden die Wracks deutscher Kriegsschiffe inzwischen selbst zur Touristenattraktion.
Die Dürre in Europa lässt den Pegel der Donau immer weiter sinken. In den vergangenen Wochen häuften sich deshalb die Meldungen über freigelegte historische Schiffswracks, Kanonen und sogar Mammutskelette.
Die nahe der serbischen Stadt Prahovo freigelegten Wracks deutscher Kriegsschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg locken inzwischen zahlreiche Touristen an den Fluss.
Immer mehr Schaulustige versammeln sich derzeit am Ufer und bitten einheimische Fischer, sie mit ihren Booten näher an die Wracks zu bringen, berichten Menschen vor Ort der Nachrichtenagentur AP.
Einer von ihnen ist Ivica Gavrilović aus Prahovo. Er lebt seit seiner Kindheit an der Donau.
Das Interesse an den Wracks sei groß, sagt Gavrilović. Der Zugang zu den Schiffen sei jedoch schwierig. "Die Menschen wissen oft gar nicht, wie sie überhaupt zu den Wracks gelangen können", erklärt er, während er eine dreiköpfige Familie mit seinem kleinen Boot hinausfährt.
"Der Wasserstand ist dieses Jahr sehr niedrig", sagt er. "2004 lag der Pegel bei minus 180 Zentimetern. Jetzt, im Jahr 2026, liegt er bei minus 117 bis 120 Zentimetern. Ich habe das Gefühl, dass er noch weiter sinken wird."
Wegen der anhaltenden Dürre ist der Wasserstand der Donau, des zweitlängsten Flusses Europas, so stark gesunken, dass die Wracks Dutzender deutscher Kriegsschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg wieder sichtbar werden.
Die Schiffe, von denen einige noch immer mit Munition beladen sind, gehörten zur Schwarzmeerflotte des nationalsozialistischen Deutschlands. Sie wurden im September 1944 von der Wehrmacht nahe Prahovo absichtlich versenkt, als sich die deutschen Truppen aus Rumänien zurückzogen und die Rote Armee immer weiter auf dem Balkan vorrückte.
Historiker gehen davon aus, dass damals bis zu 200 deutsche Kriegsschiffe im Donau-Durchbruch bei Prahovo versenkt wurden. Ziel war es, den Vormarsch der sowjetischen Streitkräfte zu verlangsamen. Wenige Monate später, im Mai 1945, kapitulierte das nationalsozialistische Deutschland.
Kostspielige Blockade
Die Wracks verursachen regelmäßig erhebliche Behinderungen im Schiffsverkehr. Nach Angaben der serbischen Behörden entstehen dadurch jährliche wirtschaftliche Schäden von rund fünf Millionen Euro.
Die Behörden versuchen deshalb mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union bereits seit Jahren, die Schiffe aus der Donau zu bergen. Zwar wurden einige Wracks bereits zu Zeiten Jugoslawiens entfernt, doch die meisten liegen bis heute auf dem Flussgrund, weil sie noch immer Sprengstoff und Munition enthalten.
Bereits in früheren Hitzesommern legte der sinkende Pegel der Donau einige der Wracks frei, etwa im August 2022. Daraufhin startete ein von der Europäischen Union über den Investitionsrahmen für den Westlichen Balkan (WBIF) unterstütztes Projekt, um 21 der besonders hinderlichen Wracks zu bergen.
Einige der Überreste in einem rund fünf Kilometer langen Engpass der Donau wurden nach Angaben der Europäischen Investitionsbank (EIB) bereits 2024 geborgen. Die Wracks wurden dabei mit Stahlseilen aus dem Fluss gezogen und anschließend vom Schlamm befreit.
Donau auf niedrigstem Stand seit Jahren
Derzeit sorgt jedoch vor allem die Dürre für Probleme in der Schiffahrt.
Die Donau durchquert zehn Länder Europas und ist eine der wichtigsten Wasserstraßen des Kontinents.
Der Einwohner von Prahovo, Krsta Brandić, berichtet, dass der Schiffsverkehr inzwischen nahezu zum Erliegen gekommen sei. "Wie Sie sehen, können die großen Schiffe nicht mehr passieren", sagt er.
Auch die Energieversorgung leidet unter der Dürre. Serbien musste die Stromproduktion in seinen beiden größten Wasserkraftwerken drosseln.
Doch Serbien ist nicht das einzige Land, das mit den Folgen der anhaltenden Trockenheit kämpft. Von der Slowakei und Ungarn bis nach Rumänien und Bulgarien können Frachtschiffe vielerorts nur noch mit reduzierter Ladung fahren oder müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen.
In der Slowakei und in Rumänien hat die Donau nach Behördenangaben den niedrigsten Wasserstand seit 30 Jahren erreicht, in Ungarn fiel der Pegel sogar auf ein Rekordtief.
In Rumänien musste deshalb das Kernkraftwerk Cernavodă erstmals beide Reaktoren gleichzeitig abschalten, weil nicht mehr genügend Kühlwasser aus der Donau zur Verfügung stand. Auch Ungarn reduzierte den Betrieb seines einzigen Atomkraftwerks, das ebenfalls auf das Wasser der Donau zur Kühlung angewiesen ist.
Die ohnehin außergewöhnliche Dürre werde durch den menschengemachten Klimawandel zusätzlich verschärft, heißt es in einem Bericht der Wissenschaftlergruppe World Weather Attribution, der in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde. Da die Hitzewelle den Prognosen zufolge anhält, ist kurzfristig keine Entspannung in Sicht.