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Danzig: Archäologen entdecken bei Grabungen Kirche aus dem 12. Jahrhundert

Die Ausgrabungsstätte liegt direkt an der Sukiennicza-Straße.
Die archäologische Stätte liegt direkt an der Straße Sukiennicza. Copyright  AP Photo/Piotr Wittman/gdansk.pl
Copyright AP Photo/Piotr Wittman/gdansk.pl
Von Tomasz Lezon
Zuerst veröffentlicht am
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Eine außergewöhnlich gut erhaltene Holzkirche, ein Friedhof und Reste von Wohnhäusern geben Einblicke in das mittelalterliche Danzig. Nun plant die Stadt eine aufwendige Bergung.

Danzig hat eine außergewöhnliche Erinnerung an seine frühesten Zeiten bewahrt. Unter mehreren Erdschichten haben Archäologen die Überreste einer Holzkirche entdeckt, deren Geschichte bis etwa 1140 zurückreichen könnte.

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Sollten weitere Untersuchungen die bisherigen Ergebnisse bestätigen, wäre es die älteste bislang bekannte Holzkirche auf dem Gebiet des heutigen Polen. Die Stadt plant deshalb eine besondere Aktion: Sie möchte den Fund gemeinsam mit seinem historischen Umfeld bergen und später Besuchern zugänglich machen.

Holzkirche überdauert Jahrhunderte unter der Erde

Archäologische Untersuchungen an der Sukiennicza-Straße in Danzig haben einen Fund zutage gefördert, der das Wissen über die Anfänge der Stadt erheblich erweitern könnte. Auf dem Gelände der ehemaligen Eisdiele “Miś” stießen Forschende auf die Überreste eines sakralen Holzbaus, der vorläufig auf das 12. Jahrhundert datiert wird.

Bemerkenswert ist der Fund nicht allein wegen seines Alters. Nach Einschätzung der Archäologen könnte es sich um die bislang älteste entdeckte Holzkirche auf polnischem Boden handeln. Teile der Konstruktion sind stellenweise noch bis zu eineinhalb Meter hoch erhalten.

Das Bauwerk ist zudem noch nicht vollständig freigelegt. Ein Teil der Überreste liegt unter der heutigen Sukiennicza-Straße. Genau das macht das Vorhaben besonders anspruchsvoll: Es geht nicht nur darum, die Fundstelle zu dokumentieren. Die Stadt erwägt, die erhaltenen Elemente der Kirche zu bergen und für kommende Generationen zu bewahren.

Untergrund bewahrt ein Stück des alten Danzig

Die Kirche ist nicht der einzige Hinweis auf mittelalterliche Besiedlung an diesem Ort. Archäologen fanden auch Reste hölzerner Blockhäuser. Vieles deutet darauf hin, dass das untersuchte Gebiet zu einem frühen Teil Danzigs gehörte, dessen Erscheinungsbild sich deutlich vom heutigen Stadtbild unterschied.

In der Nähe der Kirche lag außerdem ein Friedhof. Bislang haben die Forschenden mehr als 200 Bestattungen lokalisiert. Jede einzelne könnte Aufschluss über die Bewohner des mittelalterlichen Danzig geben – über ihre Herkunft, Ernährung, Gesundheit und Lebensbedingungen.

Die Fundstelle befindet sich im Bereich des ehemaligen Zamczysko, unweit der historischen Polnischen Post. Heute ist dieser Ort vor allem mit der späteren Geschichte Danzigs und der Präsenz des Deutschen Ordens verbunden. Die nun freigelegten Relikte sind jedoch deutlich älter. Sie stammen aus einer Zeit, in der die Ordensritter in dieser Region noch nicht präsent waren.

Rätselhafter Krieger und besondere Grabplatte

Es ist nicht das erste Mal, dass Ausgrabungen an diesem Ort die Aufmerksamkeit von Fachleuten und Öffentlichkeit auf sich ziehen. Zuvor hatte bereits die Entdeckung einer steinernen Grabplatte mit der Darstellung eines Kriegers großes Interesse geweckt.

Auf der Platte ist ein Mann mit typischer mittelalterlicher Bewaffnung zu erkennen: Kettenhemd, Schwert und Schild. Sie wurde aus Kalkstein von der Insel Gotland gefertigt, was die Bedeutung des Fundes zusätzlich unterstreicht. Unter der Platte entdeckten Archäologen das Skelett eines groß gewachsenen Mannes.

Wer der Tote war, ist weiterhin unklar. Die Forschenden vermuten jedoch, dass er zur lokalen Elite gehörte oder im Umfeld einer mächtigen Persönlichkeit stand. Der Fund deutet darauf hin, dass der Ort bereits im 12. Jahrhundert eine wichtige Rolle für die dortige Gemeinschaft spielte.

Danzig plant Bergung der mittelalterlichen Kirche

Die größte Herausforderung beginnt erst nach der Entdeckung: die Rettung des Bauwerks. Das Holz lag über Jahrhunderte im Boden und muss besonders sorgfältig behandelt werden. Nach der Bergung wäre es abrupten Veränderungen der Umweltbedingungen ausgesetzt. Deshalb wären spezialisierte Konservierungsmaßnahmen notwendig.

Die Stadt Danzig erwägt eine Bergung in größerem Maßstab. Gesichert werden sollen nicht nur die Kirche selbst, sondern möglichst große Teile ihres historischen Umfelds – darunter weitere Baureste und Elemente des Friedhofs.

Nach Sicherung und Konservierung könnten die Funde in ein Museum gelangen. Die mittelalterliche Kirche wäre dann nicht nur ein Eintrag in einem Grabungsbericht, sondern ein Objekt, das Besucher unmittelbar erleben können.

Projekt kostet Millionen und braucht staatliche Hilfe

Ein derart ehrgeiziges Projekt dürfte sehr teuer werden. Die Bergung der Holzkonstruktionen, ihr Transport, die Sicherung und die jahrelange Konservierung erfordern geeignete Infrastruktur und spezialisierte Teams. Diskutiert wird unter anderem die Nutzung der Einrichtungen erfahrener Institutionen für die Konservierung archäologischer Funde, etwa des Zentrums in Biskupin.

Danzig hat deshalb das polnische Ministerium für Kultur und Nationalerbe um Unterstützung bei der Vorbereitung des Vorhabens gebeten. Ende Juli trafen Vertreter der Stadt in Warschau Kulturministerin Marta Cienkowska. An den Gesprächen nahmen auch Denkmalpfleger sowie Repräsentanten von Museen teil.

Das Treffen endete mit der Zusage weiterer Zusammenarbeit. Geplant ist die Einrichtung einer Arbeitsgruppe. Sie soll unter anderem klären, wie das Projekt finanziert, wie die Kirchenreste geborgen und wie sie langfristig gesichert werden können.

Fund könnte Danzigs Geschichte neu erzählen

Die Holzkirche aus der Zeit um 1140 ist mehr als ein weiterer mittelalterlicher Fund. Bestätigen zukünftige Analysen ihren besonderen Status, könnte sie zu einem der wichtigsten archäologischen Zeugnisse für die Frühgeschichte Danzigs und das frühe Mittelalter in diesem Teil Europas werden.

Kirche, Friedhof und Wohnhäuser ergeben zusammen ein ungewöhnlich dichtes Bild einer vergangenen Gemeinschaft. Statt eines einzelnen Objekts tritt ein ganzer Ausschnitt einer Welt hervor, die fast neun Jahrhunderte zurückliegt.

Nun stellt sich die entscheidende Frage: Gelingt es, diese unterirdische Welt so zu bergen und zu bewahren, dass sie für die heutigen Einwohner Danzigs ebenso wie für kommende Generationen sichtbar bleibt?

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