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Sensationsfund in Hitlers Geburtsstadt: Knochen führt zu Massengräbern

Hitlers Geburtshaus in Braunau im Inn in Österreich
Hitlers Geburtshaus in Braunau im Inn in Österreich Copyright  AP Photo/Matthias Schrader
Copyright AP Photo/Matthias Schrader
Von Verena Schad
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Ein Mädchen findet beim Spielen einen Knochen. Aus dem Fund entwickelt sich eine archäologischen Sensation: In Braunau am Inn wurden die sterblichen Überreste von mindestens 120 jungen Männern entdeckt. Experten sprechen von einer in Mitteleuropa außergewöhnlichen Entdeckung.

In Braunau am Inn in Oberösterreich, der Geburtsstadt von Adolf Hitler, haben Archäologen in den vergangenen Monaten die sterblichen Überreste von mindestens 120 Menschen freigelegt. Experten sprechen von einem der bedeutendsten Massengrabfunde der vergangenen Jahrzehnte.

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Der Fundort befindet sich im Ortsteil Ranshofen. Nachdem das Mädchen den Knochen im März entdeckt hatte, verständigte ihre Mutter die Polizei. Erste Untersuchungen bestätigten schnell: Es handelte sich um menschliche Überreste. Daraufhin wurde das Bundesdenkmalamt eingeschaltet und eine archäologische Grabung begonnen.

Neun Massengräber freigelegt

Was zunächst nach einem Einzelfund aussah, entwickelte sich rasch zu einer Sensation. Archäologen legten zunächst sechs, später insgesamt neun Massengräber frei. Die Skelette lagen ohne erkennbare Ordnung auf einer Fläche von rund 150 Quadratmetern. Nach Einschätzung der Experten wurden die Toten offenbar hastig in die Gruben geworfen.

Projektleiterin Michaela Binder bezeichnete den Fund gegenüber der „Kronen Zeitung“ als „in ganz Mitteleuropa einzigartig“. Auch Heinz Gruber vom österreichischen Bundesdenkmalamt sprach gegenüber den „Oberösterreichischen Nachrichten“ von einer absoluten Ausnahmesituation. Einen vergleichbaren Fund habe er in mehr als 20 Jahren Berufserfahrung noch nicht erlebt.

Wer waren die Toten?

Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich überwiegend um junge Männer im Alter zwischen etwa 15 und 25 Jahren. Wie sie starben, ist bislang ungeklärt. Hinweise auf Schussverletzungen fanden die Wissenschaftler bislang nicht. Bei einem der Toten stellten sie jedoch fest, dass ihm kurz vor seinem Tod ein Unterschenkel amputiert worden war – ein möglicher Hinweis auf medizinische Behandlungen unter den damaligen Bedingungen.

Erste anthropologische Untersuchungen sowie die Lage der Gräber sprechen dafür, dass die Männer während der sogenannten Franzosenkriege zwischen 1792 und 1815 ums Leben kamen. Denkbar ist, dass sie in einem Militärlazarett oder Feldlager starben und anschließend gemeinsam bestattet wurden. Weitere Analysen, darunter DNA- und Isotopenuntersuchungen, sollen nun Aufschluss über ihre Herkunft, ihre Ernährung und mögliche Todesursachen geben.

Historisch bedeutsamer Fund

Archäologen gehen davon aus, dass es sich um einen der größten bislang bekannten Massengrabfunde aus der Zeit der Napoleonischen Kriege in Mitteleuropa handeln könnte. Solche Funde sind äußerst selten und liefern wertvolle Erkenntnisse über die Lebens- und Sterbebedingungen junger Soldaten zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Mit dem Nationalsozialismus hat die Entdeckung nach Einschätzung der Experten nichts zu tun. Die Toten wurden Jahrzehnte vor der Geburt Adolf Hitlers bestattet. Dennoch sorgt der Fund auch wegen seines Ortes für Aufmerksamkeit: Braunau am Inn ist als Geburtsstadt Hitlers international bekannt. Ausgerechnet dort befindet sich heute im ehemaligen Geburtshaus des Diktators eine Polizeidienststelle.

Die archäologischen Untersuchungen auf dem Gelände dauern weiter an. Experten schließen nicht aus, dass in den kommenden Wochen weitere Gräber entdeckt werden.

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