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700.000 Tote pro Jahr: Brüssel will Tabak drastisch verteuern

Eine Schachtel Zigaretten
Eine Schachtel Zigaretten Copyright  Canva
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Von Leticia Batista Cabanas
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Elf Prozent der 13- bis 15-Jährigen in Europa nutzen bereits E-Zigaretten oder Nikotinbeutel. Die EU-Kommission reagiert mit einer schärferen Steuerrichtlinie, doch die Einigung ist alles andere als sicher.

Im Rahmen ihrer Bewertung des Tabakkontrollrahmens hat die Europäische Kommission die geltenden Tabakgesetze überprüft. Ihr Fazit fällt zwiespältig aus: Die älteren Regeln haben den Konsum klassischer Zigaretten zwar deutlich gesenkt, sind aber inzwischen überholt und können den starken Anstieg digitaler Werbung sowie neuer Nikotinprodukte kaum noch bremsen.

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Daraufhin schlug die Kommission eine Überarbeitung der Tabaksteuer-Richtlinie (TTD) vor, um neue Regeln einzuführen und den Tabakkonsum einzudämmen. Die Verhandlungen laufen noch. Im Juni 2026 konnte das Europäische Parlament keine gemeinsame Position beschließen, damit liegt die endgültige Entscheidung nun beim Rat der Europäischen Union, wo Einstimmigkeit unter den Mitgliedstaaten erforderlich ist.

Etwa jede vierte Europäerin und jeder vierte Europäer raucht oder konsumiert regelmäßig Tabak. Besonders dringlich wird das Problem bei jungen Menschen: Mehr als elf Prozent der 13- bis 15-Jährigen nutzen inzwischen regelmäßig Tabak oder angesagte Nikotinalternativen wie aromatisierte Einweg-E-Zigaretten.

„In der EU sterben jedes Jahr weiterhin rund 700.000 Menschen an den Folgen des Tabaks. Tabakkonsum bleibt eine der wichtigsten vermeidbaren Ursachen von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit subventionieren niedrige Steuern faktisch den Konsum eines Produkts, das bis zur Hälfte der Langzeitnutzer tötet, und zwar bei bestimmungsgemäßem Gebrauch", sagte Professor Martin McKee, strategischer Berater der European Public Health Association, gegenüber Euronews.

Zigarettenkonsum in der EU: Wie groß ist das Problem?

In der EU werden jedes Jahr rund 300 Milliarden Zigaretten verkauft. 24 Prozent der Bevölkerung rauchen, Männer deutlich häufiger als Frauen. Dieser riesige Markt wird weitgehend innerhalb Europas bedient: EU-Fabriken produzieren dafür mehr als 220 Milliarden Zigaretten pro Jahr.

Wo wird am meisten geraucht? Laut Eurostat reichen die Werte von nur acht Prozent in Schweden bis zu 37 Prozent in Bulgarien. Große regionale Unterschiede zeigen sich vor allem bei Männern: In Bulgarien raucht fast die Hälfte der Männer (49 Prozent), in Lettland 48 Prozent. In Schweden sind es weniger als zehn Prozent.

Bei Frauen liegt der höchste Anteil in Griechenland bei 32 Prozent, während Schweden erneut mit acht Prozent das Schlusslicht bildet. Länder in Süd- und Osteuropa melden durchweg die höchsten Werte, in Kroatien und Griechenland liegt die Rauchquote insgesamt über 35 Prozent. Staaten in West- und Nordeuropa wie die Niederlande und Dänemark haben ihren Konsum dagegen deutlich gesenkt, auf elf beziehungsweise 14 Prozent.

Rauchen belastet die Gesundheitssysteme massiv. Die dauerhafte Belastung durch Tabak und Nikotin führt jedes Jahr zu Millionen vermeidbarer Krankenhausaufenthalte wegen Atemversagen, Schlaganfällen und ischämischer Herzkrankheit. Die Behandlung dieser chronischen Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen kostet die öffentlichen Gesundheitssysteme schätzungsweise 25 Milliarden Euro pro Jahr.

„Schon ein Aufschub um wenige Jahre bei wichtigen Maßnahmen zur Tabakkontrolle führt langfristig zu Millionen zusätzlicher Raucherinnen und Raucher und zu vermeidbaren Erkrankungen und Todesfällen", warnte McKee.

E-Zigaretten und IQOS auf dem Vormarsch

Am meisten klassische Zigaretten rauchen Menschen zwischen 25 und 54 Jahren. Doch der Markt verschiebt sich: Jüngere Generationen wenden sich von herkömmlichen Zigaretten ab und greifen zunehmend zu anderen Produkten.

Dazu zählen E-Zigaretten oder Vapes, die eine nikotinhaltige, aromatisierte Flüssigkeit zu einem einatembaren Aerosol erhitzen, sowie Tabakerhitzer wie IQOS, die verarbeiteten Tabak erwärmen, ohne ihn zu verbrennen. Nikotinbeutel liefern Nikotin über die Mundschleimhaut, enthalten aber kein Tabakblatt.

Gesundheitsbehörden stufen diese Produkte als weniger schädlich ein als herkömmliche Zigaretten, aber keineswegs als risikofrei. Studien mehrerer Gesundheitsorganisationen haben potenziell gefährliche Stoffe nachgewiesen, darunter Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein. Nikotin selbst bleibt zudem stark abhängig machend. Fachleute warnen zudem, dass Nikotinexposition in der Jugend die Hirnentwicklung beeinträchtigen und das Risiko einer langfristigen Abhängigkeit erhöhen kann.

Laut Weltgesundheitsorganisation nutzen in der europäischen Region 11,6 Prozent der 13- bis 15-Jährigen solche Produkte. „Marketing und Produktdesign sind zentrale Treiber. Typisch sind Geschmacksrichtungen, die junge Konsumentinnen und Konsumenten ansprechen, intensive Werbung in sozialen Medien, Lifestyle-Marken, Versprechen, die Produkte seien modern, sauberer oder sicherer, sowie unauffällige Designs, die sich leicht verbergen lassen", sagte McKee.

EU-Ziel: Tabakfreie Generation

Bis 2040 will die EU eine „tabakfreie Generation" erreichen, in der weniger als fünf Prozent der Bevölkerung rauchen. Dieses Ziel ist ein Kernstück des europäischen Plans zur Krebsbekämpfung. Ein generelles Rauchverbot kann Brüssel jedoch nicht verhängen, denn Gesundheitspolitik bleibt Sache der Mitgliedstaaten. Stattdessen nutzt die EU ihre Steuer- und Regulierungskompetenzen, um zu bestimmen, wie Tabakprodukte im Binnenmarkt verkauft und beworben werden.

In den vergangenen zehn Jahren hat die EU mehrere wegweisende Gesetze eingeführt. Die Tabakproduktrichtlinie von 2014 (TPD II) schreibt vor, dass Warnhinweise 65 Prozent der Packung einnehmen müssen, und begrenzt den Nikotingehalt von E-Zigaretten auf 20 mg/ml. Die Tabakwerbe-Richtlinie von 2003 untersagt Tabakwerbung. Die Richtlinie 2001/37/EG verbietet irreführende Produktbeschreibungen wie „light", „mild" oder „Low-Tar" vollständig und verpflichtet Hersteller, deutliche schwarz-weiße Warnhinweise auf alle Zigarettenpackungen zu drucken.

Die Bewertung des Tabakkontrollrahmens kommt zu dem Ergebnis, dass diese Maßnahmen den Konsum klassischer Zigaretten deutlich gesenkt haben: Bei Erwachsenen sank die Rauchquote von 28 auf 24 Prozent. Gleichzeitig warnt der Bericht, dass die älteren Regelungen große Lücken lassen, wodurch moderne Nikotinprodukte weitgehend unreguliert wachsen konnten.

Neue Tabaksteuer-Richtlinie

Mit der vorgeschlagenen Überarbeitung der Tabaksteuer-Richtlinie will die Kommission Tabak- und Nikotinprodukte deutlich verteuern, indem sie die Mindeststeuersätze in der EU anhebt. Vorgesehen ist etwa ein kräftiger Anstieg der Mindestverbrauchsteuer für herkömmliche Zigaretten um 139 Prozent, was die Basispreise sofort nach oben treiben würde.

Erstmals sollen zudem EU-weit verbindliche Mindestverbrauchsteuern für Vapes, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel gelten. Rohes Tabakblatt wird zusätzlich in das elektronische Rückverfolgungssystem der EU einbezogen, um illegale Schwarzmärkte und grenzüberschreitende Steuerhinterziehung zu erschweren.

Die Kommission legte ihren Vorschlag im Juli 2025 vor. Im Juni 2026 lehnte das Europäische Parlament jedoch seinen eigenen, stark überarbeiteten Empfehlungsbericht ab. Fraktionen aus dem gesamten politischen Spektrum stimmten gegen den Kompromisstext. Da Steuerrecht im Rahmen eines besonderen Gesetzgebungsverfahrens behandelt wird, ist die Stellungnahme des Parlaments nicht bindend. Der Vorschlag wird deshalb weiter im Rat der Europäischen Union verhandelt, wo alle 27 Mitgliedstaaten einstimmig zustimmen müssen, bevor er in Kraft treten kann.

„Viele Menschen glauben, das Europäische Parlament entscheide über die zukünftigen Verbrauchsteuersätze. Das tun wir nicht. Wir geben eine Stellungnahme ab, die für den Rat rechtlich nicht bindend ist", sagte der Europaabgeordnete Tomáš Kubín (Patriots for Europe), Berichterstatter des Berichts.

Auch wenn das Parlament keine formale Position beschlossen hat, läuft das Gesetzgebungsverfahren weiter. Über Steuerfragen entscheidet der Rat im Konsultationsverfahren der EU.

Parallel dazu setzen die Mitgliedstaaten eigene Verbote um. Belgien war das erste EU-Land, das den Verkauf von Einweg-E-Zigaretten untersagte. Frankreich folgte mit einem eigenen Verbot für Einweg-Vapes und ergänzte dies durch strenge Regeln, die das Rauchen in öffentlichen Parks, an Stränden und im Umfeld von Schulen verbieten. Die Niederlande haben eines der strengsten Aromenverbote Europas eingeführt: Erlaubt sind nur noch einfache Tabakgeschmäcker. Zugleich arbeitet Den Haag an einem Gesetz, das das Mindestalter für den Kauf von Nikotinprodukten von 18 auf 21 Jahre anheben soll.

Mögliche Folgen einer neuen Richtlinie

Wird die überarbeitete Richtlinie beschlossen, geraten Tabakkonzerne stark unter Druck. Die Branche bleibt in Europa ein wirtschaftlicher Gigant, der jährliche Gesamtumsatz im Binnenmarkt liegt bei rund 130 Milliarden Euro. Unternehmen wie Philip Morris International und British American Tobacco müssten ihre Geschäftsmodelle anpassen, sobald die EU neue Mindeststeuern einführt.

Aus logistischer Sicht könnten Hersteller neue Produkte nicht länger als niedrig besteuerte Schlupflöcher nutzen, um rückläufige Umsätze mit klassischen Zigaretten auszugleichen. Außerdem zwingt die Einbeziehung von Roh-Tabak in das elektronische Rückverfolgungssystem der EU die Unternehmen zu strengeren Kontrollen ihrer Lieferketten, was wiederum höhere Verwaltungs- und Betriebskosten bedeutet.

Erhält der Vorschlag am Ende die Zustimmung aller Mitgliedstaaten, werden europäische Verbraucherinnen und Verbraucher deutliche Veränderungen bei Preisen und Verfügbarkeit von Nikotinprodukten spüren.

Parallel dazu verschärfen mehrere Staaten ihre eigenen Regeln für das Rauchen und Dampfen im öffentlichen Raum. Belgien, Frankreich und die Niederlande haben bereits strengere Vorschriften für E-Zigaretten und Tabak in öffentlichen Bereichen eingeführt. Wird die überarbeitete TTD schließlich beschlossen, müssen Raucherinnen und Raucher in der gesamten EU zudem mit deutlich höheren Preisen für Zigaretten und viele alternative Nikotinprodukte rechnen.

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