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Erinnerung an Stalins Verfolgung: 85 Jahre Deportation der Russlanddeutschen

Der sowjetische Diktator Josef Stalin posiert bei Konferenz der Siegermächte in Potsdam, Deutschland am 6. Aug.  1945. (AP Photo)
Der sowjetische Diktator Josef Stalin posiert bei Konferenz der Siegermächte in Potsdam, Deutschland am 6. Aug. 1945. (AP Photo) Copyright  AP Photo
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Von Lutz Faupel
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Vor 85 Jahren leitete Stalins Erlass vom 28. August 1941 die massenhafte Deportation der Deutschen in der Sowjetunion ein. Rund eine Millionen wurden entrechtet und verschleppt. Viele von ihnen starben an Hunger und den unmenschlichen Lebensbedingungen in den Zwangsarbeitslagern.

Die Deportation deutschstämmiger Menschen in der Sowjetunion gehört zu den schwerwiegendsten Kapiteln der Geschichte der deutschen Minderheit unter der Herrschaft Josef Stalins. Der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941 ordnete die Auflösung der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen und die Umsiedlung ihrer deutschen Bevölkerung an. Den Betroffenen wurde pauschal unterstellt, sich an Spionage und Sabotage zugunsten des nationalsozialistischen Deutschlands zu beteiligen. Belege wurden nicht vorgelegt.

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2. Weltkrieg: Sowjetunion misstraute ihrer deutschen Bevölkerung

Dem Erlass war wenige Wochen zuvor der deutsche Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 vorausgegangen. Die Wehrmacht marschierte in die Sowjetunion ein. Das "Unternehmen Barbarossa" markierte den Beginn eines "machtpolitisch, wirtschaftlich und rassenideologisch motivierter Vernichtungskrieg", so die Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) online.

Die sowjetische Führung betrachtete die deutsche Bevölkerung angesichts des Krieges zunehmend als potenzielles Sicherheitsrisiko. Erste Deportationen deutscher Sowjetbürger hatten bereits vor dem 28. August begonnen, unter anderem auf der Krim und im Raum Leningrad. In den folgenden Monaten wurde die deutsche Bevölkerung aus weiten Teilen des europäischen Gebiets der Sowjetunion sowie aus weiteren Regionen nach Osten deportiert. Bis zum 25. Dezember 1941 erfassten die sowjetischen Behörden 894.626 deportierte Deutsche.

Bei den Opferzahlen ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Die bpb spricht von etwa 900.000 Russlanddeutschen, die ab Ende August 1941 von der Wolga, der Krim, aus dem Kaukasus und dem Süden Russlands nach Osten deportiert wurden. Unterschiedlichen Angaben verschiedener Quellen ergeben sich womöglich aus unterschiedlichen zeitlichen und geografischen Abgrenzungen.

Unter Stalin waren deutsche Minderheiten bereits vor 1941 Repressionen ausgesetzt. Einen entscheidenden Einschnitt bildete der Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939. Die zunächst enge Zusammenarbeit zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der Sowjetunion veränderte mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion grundlegend die Situation der deutschen Bevölkerung im sowjetischen Machtbereich.

Ab 1980: 2,3 Millionen Spätaussiedler kamen nach Deutschland

Mehr als acht Jahrzehnte später ist die Erinnerung an die Deportationen auch in Deutschland von Bedeutung. Viele Russlanddeutsche kamen insbesondere seit den 1980er- und 1990er-Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland - insgesamt 2,3 Millionen Menschen. Ihre Familiengeschichten sind vielfach von Deportation, Zwangsarbeit, Verlust und dem Leben unter sowjetischer Herrschaft geprägt. Nach Angaben der Veranstalter leben allein in Berlin rund 130.000 russlanddeutsche Spätaussiedler.

Grundlage dafür ist Artikel 116, Absatz 1 des Grundgesetzes, darin heißt es: "Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat."

Die erfolgreiche Popsängerin Helene Fischer und "Germanys Next Topmodel"-Star Stefanie Giesinger haben familiäre Wurzeln in Sibirien. Fischers Großeltern wurden 1941 vom Schwarzen Meer nach Sibirien deportiert. 1988 siedelt der heutige Musikstar mit seinen Eltern nach Deutschland um.

Sängerin Helene Fischer wurde 1984 im sibirischen Krasnojarsk geboren
Sängerin Helene Fischer wurde 1984 im sibirischen Krasnojarsk geboren Clemens Bilan/dapd

Die Deportation der Russlanddeutschen war Teil einer umfassenderen sowjetischen Politik, bei der während des Krieges und in den Jahren danach ganze Bevölkerungsgruppen zwangsumgesiedelt wurden. Neben den Deutschen waren unter anderem Tschetschenen, Inguschen, Krimtataren und weitere nationale Minderheiten betroffen.

Geschichte der "Russlanddeutschen"

Das Gedenken fällt zugleich in eine Zeit, in der historische Fragen über Krieg, Diktatur, Vertreibung und nationale Identität erneut besondere Aktualität gewonnen haben. Der russische Angriff auf die Ukraine seit Februar des Jahres 2022 hat die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Sowjetunion und ihren politischen Hinterlassenschaften zusätzlich in den Mittelpunkt gerückt.

Zum Begriff der Russlanddeutschen schreibt die bpb auf ihrer Internetseite, als solche würden "Nachfahren von Siedlern aus dem deutschsprachigen Mitteleuropa bezeichnet, die sich seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in verschiedenen Regionen des Russischen Reichs niedergelassen hatten."

Als Sammelbezeichnung gebe es diesen Begriff erst seit dem 20. Jahrhundert: "Zuvor standen die konfessionellen und regionalen Unterschiede zwischen den evangelischen, katholischen und mennonitischen Kolonisten an der Wolga im Schwarzmeergebiet, in Wolhynien, im Kaukasus und in anderen Regionen des Russischen Reiches im Vordergrund."

Die Geschichte der sogenannten Russlanddeutschen ist Gegenstand der wissenschaftlichen Arbeit der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für Wissenschaft und Forschung mit ihren Büros in Bonn und Berlin.

Der Thematik widmet sich auch das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin, das sich als "einzigartiger Lern- und Erinnerungsort zu Flucht, Vertreibung und Zwangsmigration in Geschichte und Gegenwart" versteht.

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