KNDS baut seine Munitionsproduktion in Polen aus und stärkt damit seine Präsenz an der NATO-Ostflanke. Gleichzeitig nimmt der Rüstungskonzern einen neuen Anlauf für den geplanten Börsengang in Frankfurt und Paris.
Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS baut seine industrielle Präsenz in Polen aus. KNDS ist in dieser Woche auf der Verteidigungsmesse MSPO im polnischen Kielce vertreten. Der Konzern will dort seine Systeme präsentieren und zugleich den Ausbau der Munitionsproduktion in Polen vorantreiben. Auch die Pläne für einen Börsengang in Frankfurt und Paris sind wieder aktuell.
Die Pläne für den Börsengang hatte KNDS bereits im Juni konkretisiert. KNDS hatte damals angekündigt, 20 Prozent der Aktien in Frankfurt und Paris zu platzieren. Frankreich und Deutschland sollten danach jeweils 40 Prozent an dem Unternehmen halten. Die Bewertung wurde auf bis zu 15 Milliarden Euro geschätzt. Mit dem Börsengang wollte KNDS Geld für den Ausbau der Produktion und neue Technologien einnehmen.
Auch Polen ist für den Hersteller des Leopard 2-Panzers ein zunehmend wichtiger Markt. Auf der MSPO, die vom 8. bis 11. September in Kielce stattfindet, präsentiert der Konzern unter anderem Artilleriesysteme, Munition und Lösungen zur Drohnenabwehr. KNDS bezeichnet Polen und die baltische Region dabei ausdrücklich als strategische Schwerpunktmärkte. Besonders relevant ist die geplante Produktion von 155-Millimeter-Artilleriemunition in Polen. Dafür arbeitet KNDS mit dem polnischen Unternehmen Niewiadów zusammen.
Grundlage ist eine Vereinbarung über den Technologietransfer für die Herstellung der LU211-Artilleriegranate. KNDS will dabei Produktionswissen und Technologie bereitstellen und gemeinsam mit dem polnischen Partner lokale Fertigungskapazitäten aufbauen. Die Kooperation geht damit über den Verkauf fertiger Munition hinaus. Ziel ist es, einen Teil der industriellen Wertschöpfung nach Polen zu verlagern und dort langfristig Produktionskapazitäten aufzubauen.
Neuer Anlauf für den Börsengang
Während KNDS sein operatives Geschäft ausbaut, bleibt auch der geplante Börsengang auf der Agenda. Der Konzern hatte im Juni angekündigt, seine Aktien in Frankfurt und Paris notieren zu wollen. Der geplante IPO sollte dem Unternehmen zusätzlichen Zugang zum Kapitalmarkt verschaffen und damit Investitionen in industrielle Kapazitäten und neue Technologien unterstützen, wie das US-Medium Bloomberg berichtet.
Anfang Juli wurde der Börsengang allerdings zunächst gestoppt. KNDS begründete die Entscheidung mit der hohen Volatilität an den europäischen Kapitalmärkten und insbesondere im Verteidigungssektor. Die Anteilseigner kündigten zugleich an, den Prozess wieder aufzunehmen, sobald die Marktbedingungen günstiger seien. Inzwischen gibt es Anzeichen für einen neuen Anlauf.
Bloomberg berichtete Ende August unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, KNDS erwäge, bereits in der zweiten Septemberhälfte wieder mit dem IPO-Prozess zu beginnen. Dafür seien unter anderem Gespräche mit potenziellen Investoren vorgesehen. Der Zeitplan sei allerdings nicht endgültig und hänge vom Feedback der Anleger ab.
Auch ein Börsengang erst Anfang 2027 bleibe möglich. Damit steht KNDS vor einer für den Konzern entscheidenden Phase. Die Geschäftsaussichten sind angesichts der europäischen Aufrüstung grundsätzlich stark: KNDS erzielte 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro und verfügte Ende des Jahres über einen Auftragsbestand von 33,1 Milliarden Euro.
Der Rüstungssektor hat an den europäischen Börsen in diesem Jahr erhebliche Schwankungen erlebt. Doch genau diese Volatilität hatte den ersten IPO-Anlauf von KNDS ausgebremst. Unternehmenschef Tom Enders bekräftigte Anfang August gegenüber Reuters dennoch, dass ein Börsengang weiterhin die unmittelbare Priorität des Unternehmens sei.
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