Der Hersteller der Leopard- und Leclerc-Kampfpanzer KNDS kündigt einen Börsengang an und will Aktien in den nächsten Wochen in Paris und Frankfurt listen, um vom europäischen Aufrüstungsboom zu profitieren.
KNDS, einer der größten Rüstungshersteller Europas, hat die lange erwarteten Pläne für seinen Börsengang vorgelegt. Das Unternehmen peilt in den kommenden Wochen eine Doppelnotierung in Paris und Frankfurt an.
Der Börsengang könnte KNDS, den Hersteller der Leopard- und Leclerc-Panzer, mit zwischen zwölf und 15 Milliarden Euro bewerten. Es wäre damit einer der größten Rüstungs-IPOs in Europa seit Jahren.
Der Schritt fällt in eine Phase stark steigender Verteidigungsausgaben in Europa. Auslöser sind der Krieg in der Ukraine und Zweifel an der Verlässlichkeit der USA als Sicherheitsgarant.
Zum genauen Termin äußerte sich das Unternehmen nicht. Konzernchef Jean-Paul Alary erklärte jedoch, das Angebot werde in den kommenden Wochen erfolgen.
Alary spricht von einer neuen Ära der Verteidigung und Sicherheit in Europa. Die Streitkräfte modernisieren ihre Ausrüstung zügig und bauen Fähigkeiten für den Landkrieg wieder auf, die sie in Jahrzehnten niedrigerer Budgets abgebaut hatten.
Nach Angaben von Reuters hat KNDS das Börsengangverfahren nun offiziell gestartet. Der Börsengang soll Mitte Juli erfolgen.
Die Ankündigung folgt nur wenige Tage, nachdem Deutschland Pläne vorgestellt hat, einen Anteil von 40 % an KNDS zu übernehmen. Die Bundesregierung will sich damit langfristigen Einfluss auf ein Unternehmen sichern, das sie als strategisch wichtig für Europas Sicherheit und Verteidigung einstuft.
Frankreich, das derzeit 50 % an KNDS hält, will seinen Anteil auf 40 % verringern.
Die restlichen 20 % sollen an die Börse gehen. Nach der Transaktion sollen Frankreich und Deutschland jeweils 40 % behalten.
Nach Informationen der Financial Times richtet sich das Angebot vor allem an institutionelle Anleger. Die Nachfrage nach europäischen Rüstungswerten gilt derzeit als hoch.
Nach dem Börsendebüt sollen KNDS-Aktien an Euronext Paris und an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt werden. Anleger erhalten damit direkten Zugang zu einem der größten Hersteller von Heeresausrüstung in Europa.
KNDS entstand 2015 durch den Zusammenschluss von Krauss-Maffei Wegmann aus Deutschland und Nexter aus Frankreich.
Rheinmetall unter wachsendem Druck
Der rasche Aufstieg des Wettbewerbers erhöht den Druck auf Rheinmetall. Der Konzern ist Europas größter Munitionshersteller und wichtigster Rivale von KNDS in Bereichen wie Landsystemen.
Der Konzern mit Sitz in Düsseldorf hat in diesem Jahr rund ein Viertel seines Börsenwerts verloren. Nach Medienberichten wollte Rheinmetall sich selbst an KNDS beteiligen, scheiterte jedoch am Eingreifen der Regierungen.
Zu allem Überfluss hat die Bundesregierung beschlossen, das milliardenschwere Fregattenprogramm F126 von Rheinmetall zu stoppen. Es wäre der größte Kriegsschiffsauftrag Deutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg gewesen. Stattdessen sollen kleinere Schiffe des Konkurrenten TKMS kommen.
Rheinmetall stand vor der Übernahme des Projekts. Nach der Ankündigung brach die Aktie am Mittwoch im frühen Handel um 13 % ein.
Gleichzeitig rückt die Branche stärker in den Fokus der Wettbewerbshüter in Deutschland.
Die Monopolkommission warnt, dass staatliche Rüstungsaufträge auf wenige Anbieter konzentriert sind. Das schwächt den Wettbewerb und kann die Kosten nach oben treiben.
Kommissionschef Tomaso Duso fordert Reformen der Vergaberegeln. Wettbewerb sei „die grundlegende Säule der europäischen Wirtschaftsordnung“ und müsse auch in der Verteidigungsindustrie eine größere Rolle spielen.
Mit einem börsennotierten KNDS erhalten Investoren zudem einen direkten Vergleichsmaßstab für Auftragslage und Gewinnmargen von Rheinmetall.