May El-Toukhys Drama erzählt von der Heirat eines Kindermädchen während der Nachkriegszeit in Dänemark. Der Film erzählt von einem dunklen Geheimnis, das das Leben der jungen Frau zu zerstören droht.
„Woman Unknown“, ein Drama über Dänemark in der Zeit nach der Besetzung durch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg, hat bei den 83. Filmfestspielen von Venedig den prestigeträchtigen Goldenen Löwen gewonnen.
Die 49-jährige Filmemacherin May El-Toukhy war in diesem Jahr die einzige Frau, die im Hauptwettbewerb allein Regie geführt hat.
Ihr Film stellt die junge Marie in den Mittelpunkt, gespielt von Mathilde Arcel. Ihr Preis als beste Schauspielerin bedeutet einen seltenen doppelten Erfolg für einen Film in Venedig. Die Geschichte von "Woman Unknow" (dt: "Unbekannte Frau") handelt von Marie, die als Kindermädchen und Hausangestellte arbeitet. Kurz nach Kriegsende steht sie kurz davor, ihren wohlhabenden Arbeitgeber zu heiraten. Doch ihr dunkles Geheimnis ist eine vergangene Liebesbeziehung zu einem deutschen Soldaten, die ihren Ruf zerstören könnte.
Mathilde Arcel, Hauptdarstellerin von "Woman Unknown“, nahm den Preis als beste Schauspielerin sichtlich bewegt entgegen. Sie sagte, die Trophäe sei sehr schwer, und stellte sie während ihrer Rede auf den Boden.
„Das ist meine erste Hauptrolle in einem Film und mein erster Besuch bei einem Festival“, sagte sie. „Ich fühle mich außerordentlich geehrt.“
Silberner Löwe für "Possible Love"
Der poetische Blick des südkoreanischen Autorenfilmers Lee Chang-dong „Possible Love“ erhält den Großen Preis der Jury, den Silbernen Löwen. „Possible Love“ ist Lees erster Film seit acht Jahren, nach seinem vielgelobten Werk „Burning“ aus dem Jahr 2018.
Der Streifen handelt von zwei gegensätzlichen Ehepaaren.
Spezialpreis für israelische Doku zum Gaza-Krieg
Die Jury zeichnete „NAZA“, eine eindringliche Dokumentation über Militärstrategien im Krieg im Gazastreifen der israelischen Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor, mit einem Spezialpreis aus.
„Es ist uns ganz besonders wichtig, dass Israelis diesen Film sehen“, sagte Abraham.
Auf Wunsch der Macher nahm die Festivalleitung den Film erst spät in den Hauptwettbewerb auf, und auch im Programm lief er erst gegen Ende des Festivals. Seine Wirkung war dennoch deutlich: Nach der Premiere gab es eine rekordverdächtige Standing Ovation, die rund 25 Minuten anhielt.
„NAZA“ wurde über drei Jahre hinweg nachts heimlich auf den Dächern von Tel Aviv gedreht. Der Film enthält Aussagen von 24 israelischen Militärangehörigen, darunter Geheimdienstoffiziere und Soldaten. Sie geben Einblicke in den Krieg im Gazastreifen und sprechen von einer systematischen Tötung palästinensischer Zivilisten.
Beste Regie für "Dau"
Den Silbernen Löwen für die beste Regie erhielt Ilya Krzhanovsky für seinen Film „Dau“. Das Projekt über sowjetische Physiker, die die Atombombe entwickelten, entstand über mehr als 20 Jahre.
Krzhanovsky, der aus Protest gegen den Krieg in der Ukraine seine russische Staatsbürgerschaft aufgegeben hat, widmete den Preis den Menschen in der Ukraine, darunter seiner Mutter, die dort geboren wurde.
"Wild Horse Nine" und andere Preise
Die von Maggie Gyllenhaal geleitete Jury gab die Preisträger bei einer Zeremonie am Samstagabend bekannt. Dazu gehörte auch der Preis als bester Schauspieler für John Malkovich für seine Rolle in der düsteren CIA-Komödie „Wild Horse Nine“.
Malkovich war bei der Feier nicht anwesend. Er schickte jedoch eine Videobotschaft und erklärte, er stehe derzeit in Montreal vor der Kamera.
„Ich fühle mich geehrt, für diesen Preis ausgewählt worden zu sein, der schon so vielen großartigen Schauspielern zugesprochen wurde“, sagte Malkovich.
Auch Martin McDonaghs „Wild Horse Nine“ erhielt stehende Ovationen, die deutlich länger als 10 Minuten anhielten. Die schwarze Komödie erzählt von zwei CIA-Agenten, die kurz vor dem Militärputsch in Chile 1973 auf die Osterinsel reisen.
Besonders Beachtung fanden bei der Premiere die Leistungen der Hauptdarsteller John Malkovich und Sam Rockwell.
McDonagh hat bereits zwei Filme in Venedig vorgestellt: „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ und „The Banshees of Inisherin“.
Für beide Werke gewann er schon Drehbuchpreise; Colin Farrell erhielt für „The Banshees of Inisherin“ zudem einen Darstellerpreis.
Der französische Regisseur Stéphane Brizé gewann den Drehbuchpreis für sein Unternehmensdrama „A Good Little Soldier“.
Malou Khebizi erhielt den Marcello-Mastroianni-Preis als beste Nachwuchsschauspielerin für ihre Rolle in Cédric Kahns „15/18 (A Place to Heal)“. Der Film spielt in einer psychiatrischen Station für Jugendliche in einem öffentlichen Krankenhaus.