Durch einen Bedienfehler im Content-Management-System von Anthropic ist versehentlich ein Entwurf eines Blogbeitrags öffentlich geworden, der das Modell beschreibt.
Anthropic arbeitet an einem neuen, besonders leistungsfähigen Modell für künstliche Intelligenz (KI). Laut einem internen Leak birgt es „beispiellose Risiken für die Cybersicherheit“.
In der vergangenen Woche machte ein Datenleck öffentlich, dass Anthropic an einem neuen Hochleistungsmodell arbeitet. Das Unternehmen bestätigte inzwischen den Namen „Claude Mythos“.
Ein Anthropic-Sprecher sagte dem Magazin Fortune (Quelle auf Englisch), Mythos markiere einen „Quantensprung“ in der KI. Es sei das bislang „leistungsfähigste“ Modell des Unternehmens, mit spürbaren Fortschritten beim logischen Schlussfolgern, Programmieren und in der IT-Sicherheit.
Die Technik könnte so stark sein, dass sie für Hacker zum Traumwerkzeug wird. Nach den Berichten über Anthropic gaben Cybersecurity-Aktien deutlich nach.
Gleichzeitig warnt Anthropic hinter verschlossenen Türen ranghohe Regierungsvertreter, dass Mythos die Wahrscheinlichkeit groß angelegter Cyberangriffe im Jahr 2026 deutlich erhöht, berichtete Axios (Quelle auf Englisch).
Das ist bisher über Mythos bekannt.
Wie kam das Leak ans Licht?
Ausgelöst wurde das Datenleck durch einen Konfigurationsfehler im Content-Management-System von Anthropic – oder schlichten Bedienfehler. Dabei wurde versehentlich ein Blogentwurf sichtbar, der das Modell beschrieb.
Der von Fortune ausgewertete Entwurf, der sich in einem „unverschlüsselten, öffentlich durchsuchbaren Datenspeicher“ befand, erklärte, das neue Modell berge „beispiellose Risiken für die Cybersicherheit“.
Was kann Mythos?
Mythos gehört demnach zu Capybara, einer neuen Stufe von KI-Modellen.
Fortune zitierte Anthropic mit den Worten: „‚Capybara‘ ist ein neuer Name für eine neue Modellklasse: größer und intelligenter als unsere Opus-Modelle, die bis jetzt unsere stärksten waren.“
Die erweiterten Fähigkeiten deuten darauf hin, dass das System komplexere Probleme mit mehr Eigenständigkeit und Präzision lösen kann.
Capybara und Mythos scheinen sich dabei auf dasselbe Grundmodell zu beziehen.
Welche Folgen hat das für die Cybersicherheit?
Mit jeder neuen Modellgeneration werden auch sogenannte KI-Agenten besser. Diese Programme lernen, eigenständig zu handeln und zu argumentieren, ohne ständige Eingaben von Menschen.
So können Hacker gleichzeitig mehrere Kampagnen starten. Dagegen lassen sich Schutzmaßnahmen deutlich schwerer organisieren.
Parallel dazu nutzen Beschäftigte KI-Agenten im Arbeitsalltag, die sich unbemerkt mit ihren eigenen Arbeitssystemen verbinden können. Für Cyberkriminelle öffnen sich so zusätzliche Einstiegspunkte.
Zudem lassen sich digitale Identitäten von Menschen dank KI heute leichter kompromittieren, sagte ein Manager von Palo Alto Networks im März gegenüber Euronews Next.
Wann kommt Mythos auf den Markt?
Mythos benötigt enorme Rechenleistung und ist im Betrieb sehr teuer. Anthropic arbeitet nach eigenen Angaben daran, das System deutlich effizienter zu machen, bevor es allgemein verfügbar wird.
Euronews Next hat Anthropic um eine Stellungnahme gebeten.