Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

EU-Regeln bremsen kommerzielle Drohnennutzung in Europa

Agrardrohne
Agrardrohne Copyright  Canva
Copyright Canva
Von Bill Wirtz for EU Tech Loop, with Euronews
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Drohnen treiben in vielen Branchen die Innovation voran, doch die Landwirtschaft in Europa nutzt ihr Potenzial kaum – strenge Regeln bremsen sie aus.

Wer vor zwanzig Jahren eine Agrarmesse besuchte, sah dort vor allem das Standardprogramm: die neuesten Traktoren, Mähdrescher und Pflüge.

WERBUNG
WERBUNG

Heute erinnern diese Messen immer stärker an Technologiekonferenzen. Hightech-Firmen aus der Soft- und Hardwarebranche präsentieren KI-gestützte Systeme für Lagerhaltung und Tiergesundheit. Und Drohnen. Sehr viele Drohnen.

Japan und China führen den Markt für landwirtschaftliche Drohnentechnik an. Doch auch europäische Unternehmen halten einen beachtlichen Anteil. Das überrascht, denn Europa verfolgt beim Thema Drohnen eher die Linie „Nein, aber vielleicht“ statt „Ja, und…“.

Für den Drohneneinsatz in der EU ist die European Union Aviation Safety Agency (Quelle auf Englisch) (EASA) zuständig. Die meisten Anwendungen fallen in die Kategorien „offen“ oder „speziell“. Ein „offener“ Einsatz wäre zum Beispiel eine Drohne, die eine Filmszene auf dem Land aufnimmt. In der Landwirtschaft sprühen Drohnen jedoch häufig Pflanzenschutzmittel. Damit gilt ihr Einsatz nicht nur als stark regulierter „spezifischer“ Fall. Zusätzlich greift die Richtlinie 2009/128/EG über die nachhaltige Verwendung von Pestiziden – und nach ihr ist das Sprühen aus der Luft grundsätzlich verboten.

In der Praxis wird jede Genehmigung zum Versprühen von Pflanzenschutzmitteln per Drohne damit zäh und von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat unterschiedlich. Betreiberinnen und Betreiber brauchen spezielle Lizenzen. Selbst wenn sie diese erhalten, sind die meisten benötigten Mittel in Europa für die Ausbringung aus der Luft gar nicht zugelassen.

In den USA dürfen Drohnen mit den entsprechenden Bundes- und Landeszulassungen eingesetzt werden. In Europa ist der Einsatz grundsätzlich verboten und nur möglich, wenn „keine praktikablen Alternativen existieren“. De facto erhalten damit nur Landwirte eine Ausnahmegenehmigung, die vor besonderen Herausforderungen stehen – etwa in extrem steilen Weinbergen.

Diese Lücke und der Innovationsstau fallen nicht nur Außenstehenden auf. In ihrem umstrittenen Entwurf zur Richtlinie über die nachhaltige Verwendung von Pestiziden hatte die EU-Kommission bereits eine umfassende Neuregelung des Drohneneinsatzes in der Landwirtschaft vorgesehen.

Doch das Gesetz scheiterte: Das Europäische Parlament lehnte es ab, anschließend zog die Kommission den Vorschlag nach heftigen Protesten aus der Politik und von Landwirten zurück. In einem Schreiben (Quelle auf Englisch), das Portugal Ende 2024 initiierte und das vierzehn weitere Mitgliedstaaten mittrugen, heißt es:

„Angesichts der technologischen Fortschritte der vergangenen Jahre im Bereich der Präzisionslandwirtschaft ist es wichtig, die Rolle von Drohnen anzuerkennen. Sie ermöglichen ein abgestimmtes Zusammenspiel von Überwachung, Datenmanagement, Analyse und Entscheidungen und tragen so zur ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit des Sektors sowie zu einem nachhaltigen Umgang mit Pestiziden bei.“

Der Einsatz von Drohnen bietet enorme Vorteile beim Sprühen. Er erhöht die Effizienz der eingesetzten Mittel und verringert gleichzeitig die Belastung für die Fachkräfte auf den Feldern. Wer die Landwirtschaft technologisch weiterentwickeln und mit den Handelspartnern Schritt halten will, kommt daran kaum vorbei.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf EU Tech Loop (Quelle auf Englisch) und wurde im Rahmen einer Vereinbarung auf Euronews übernommen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Europa braucht KI-Cloud: Mistral sammelt 830 Millionen Dollar für Rechenzentrum bei Paris

Anthropics Mythos: durchgesickertes KI-Modell mit beispiellosen Cyberrisiken

Iran-Krieg: "Millionen Menschen in die Irre geführt" mit Desinformation und KI-Deepfakes