Manus rückte schlagartig in den Fokus der Tech-Welt, als das Unternehmen nach eigenen Angaben die erste vollautonome KI der Welt vorstellte.
China hat die Übernahme des KI-Start-ups Manus durch Meta gestoppt – ein überraschender Schritt, mit dem die Regierung ein Geschäft rückgängig macht, das in Peking offenbar Sorgen über die Abgabe hochentwickelter Technologie ausgelöst hat.
Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, Chinas oberste Planungsbehörde, teilte am Montag mit, sie untersage einem ausländischen Unternehmen die Übernahme von Manus und habe alle Beteiligten zum Rückzug aus dem Geschäft verpflichtet. Meta Platforms, die Muttergesellschaft von Facebook und Instagram, nannte sie nicht ausdrücklich.
Die Entscheidung traf das Büro des Arbeitsmechanismus für Sicherheitsprüfungen ausländischer Investitionen der Kommission auf Grundlage chinesischer Gesetze und Vorschriften, hieß es in der Mitteilung. Zuvor hatten die Behörden Anfang des Jahres angekündigt, die Transaktion zu prüfen.
Die Kommission nannte keine konkreten Gründe für das Verbot. Die Ankündigung erfolgt weniger als einen Monat vor dem für Mai geplanten Besuch von US-Präsident Donald Trump in Peking, bei dem er Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping treffen will. Sie ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die kommunistische Führung in China die Kontrolle über die KI-Branche verschärft – vor dem Hintergrund eines immer heftigeren geopolitischen Wettstreits mit den USA um diese Schlüsseltechnologie.
Meta hatte im Dezember angekündigt, Manus zu übernehmen. Das Unternehmen hat chinesische Wurzeln, sein Sitz liegt aber in Singapur.
Manus rückte schlagartig in den Fokus der Tech-Szene, als das Start-up nach eigenen Angaben die „weltweit erste vollständig autonome KI“ vorstellte.
Der Deal mit Manus, dessen „universell einsetzbarer“ KI-Agent mehrstufige, komplexe Aufgaben eigenständig erledigen kann, sollte Metas KI-Angebot auf den eigenen Plattformen deutlich ausbauen.
- Was ist Manus AI – und erlebt es einen DeepSeek-Moment?
In der Branche galt Manus als „nächstes DeepSeek“ aus China. Der KI-Agent des Start-ups soll Immobilien kaufen, Videospiele programmieren, Aktien analysieren und Reisepläne ausarbeiten können.
Meta hatte angekündigt, es werde „keine fortbestehenden chinesischen Eigentumsrechte an Manus“ geben und Manus werde seine Dienste und seinen Geschäftsbetrieb in China einstellen. Peking erklärte im Januar jedoch, man werde prüfen, ob die Übernahme mit den eigenen Gesetzen und Vorschriften vereinbar sei.
Im vergangenen Monat untersagten die Behörden dem Vorstandschef von Manus, Xiao Hong, und dem Chef-Wissenschaftler Ji Yichao, China zu verlassen, solange die Aufseher die Transaktion prüfen, berichtete die Financial Times (Quelle auf Englisch).
Das Handelsministerium in Peking erklärte damals, alle Unternehmen, die ins Ausland investieren, Technologie exportieren, Daten über Grenzen hinweg übertragen oder Übernahmen jenseits der Landesgrenzen tätigen, müssten das chinesische Recht einhalten. Meta hatte betont, dass die meisten Mitarbeitenden von Manus in Singapur sitzen.
Manus reagierte nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme. Auf der Website heißt es, das Unternehmen „gehört jetzt zu Meta“ – ein Hinweis darauf, dass die Übernahme bereits abgeschlossen wurde.
Meta erklärte am Montag, die Manus-Transaktion „entspreche in vollem Umfang dem geltenden Recht“.
„Wir rechnen mit einer angemessenen Lösung der Untersuchung“, teilte der Konzern mit Sitz in Kalifornien mit.
„China zeigt der Welt, dass es beim Thema KI-Talente und -Kompetenzen bereit ist, hart zu spielen. Das Land betrachtet sie als zentrales Gut der nationalen Sicherheit“, sagte Lian Jye Su, Chefanalyst der Technologieberatungsfirma Omdia. „Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie die chinesischen Behörden künftig bei Übernahmen von Deep-Tech-Unternehmen aus China vorgehen könnten.“
Das Übernahmeverbot aus Peking könnte künftige Kaufpläne großer US-Techkonzerne ausbremsen, sagte er. „Vor dem Hintergrund des Wettbewerbs spiegelt es die US-Exportkontrollen, Sanktionslisten und Investitionsbeschränkungen gegenüber China wider“, so Su.