Asteroid 2024 YR4 kommt dem Mond in rund sieben Jahren ziemlich nahe. Der Tag, an dem dies geschieht, steht nach Angaben von Forschern fest: der 22. Dezember 2032 gegen 16 Uhr.
Der Asteroid 2024 YR4 ist ein erdnaher Asteroid, der Ende 2024 entdeckt wurde und seitdem von Astronomen genau beobachtet wird. Er gehört zu den sogenannten Near-Earth Objects (NEOs), also Himmelskörpern, deren Umlaufbahnen der Erdbahn relativ nahe kommen.
Das Interesse der Forscher gilt seiner Bahnentwicklung: dazu zählen sehr nahe Vorbeiflüge am Erde–Mond-System und in einigen Modellrechnungen auch eine mögliche Kollision mit dem Mond in der Zukunft, erklärt das Wissenschaftsmagazin Scinexx. Derartige Szenarien ergeben sich aus Wahrscheinlichkeitsberechnungen, die mit neuen Beobachtungsdaten regelmäßig angepasst werden.
Der rund 60 Meter große Asteroid hatte schon Anfang 2025 weltweit für Beunruhigung gesorgt: Zeitweise lag die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags auf der Erde bei über drei Prozent. Damit war er das erste Objekt, das internationale Gremien zur planetaren Verteidigung auf den Plan rief. Wenige Wochen später brachten präzisere Bahndaten Entwarnung: Die Erde wird verfehlt – stattdessen könnte der Asteroid den Mond treffen.
Sollte der Himmelskörper 2032 tatsächlich den Mond treffen, wären spektakuläre Folgen zu erwarten. Berechnungen zufolge würde ein Einschlag auf dem Mond eine Energie von etwa 6,5 Megatonnen TNT freisetzen – vergleichbar mit der Detonationskraft einer Wasserstoffbombe. "Ein solches Ereignis würde einen rund einen Kilometer großen Krater hinterlassen und wäre der energiereichste dokumentierte Einschlag auf dem Mond in der Geschichte der Menschheit", so Yifan He von der Tsinghua-Universität in Peking.
Könnte Mondoberfläche verändern
Auf das erste Aufleuchten des Impakts folgt ein Nachglühen, das über Stunden bis Tage anhalten kann: "Nach dem Plasmablitz bildet sich durch die enorme Hitze des Aufpralls ein etwa hundert Meter großer Pool aus geschmolzenem, rund 1.800 Grad heißem Mondgestein", berichten He und sein Team.
Der rund 60 Meter große Brocken würde nach Angaben der Forscher die Südhalbkugel des Mondes etwa auf Höhe des 30. südlichen Breitengrads treffen.
Beim Aufprall würde der Einschlag einen hellen Lichtblitz erzeugen, der zwischen fünf und 33 Minuten anhalten kann und sogar von der Erde aus sichtbar wäre.
Hier wäre ein Einschlag sichtbar
Besonders gut sichtbar wäre das Aufleuchten des Mondeinschlags in Ostasien, im Pazifikraum sowie im Westen der USA. Dort herrscht zu diesem Zeitpunkt Nacht, und der Mond steht vergleichsweise hoch am Himmel. In Europa hingegen würde sich der Impakt des Asteroiden tagsüber ereignen – die Beobachtungsbedingungen wären daher deutlich ungünstiger.
Der 60 Meter-Koloss würde zudem die stärksten jemals registrierten Mondbeben auslösen.
Mondbeben möglich? Neueste Erkenntnisse
Die Wucht eines Mondeinschlags hätte gewaltige Folgen: "Ein Teil der freigesetzten Energie wandelt sich in seismische Wellen um und löst Mondbeben mit einer Magnitude von etwa 5 aus", erklären die Forscher. "Ein solches Beben wäre das stärkste seismische Ereignis der modernen Geschichte." Weil das Mondgestein die Erschütterungen kaum dämpft, könnten die Beben über viele Minuten hinweg den gesamten Mond erschüttern.
Doch damit nicht genug: Trümmer des Einschlags von Asteroid 2024 YR4 könnten sogar die Erde erreichen. In den darauffolgenden 100 Jahren drohte ein lunarer Meteorsturm, bei dem zahlreiche Brocken groß genug wären, um die Erdoberfläche zu treffen.
Die meisten dieser Mondmeteoriten würden in den niedrigen und mittleren Breiten niedergehen. Wie heftig ein solches Bombardement ausfallen würde, hinge jedoch entscheidend vom Einschlagswinkel des Asteroiden ab.
Falls der Asteroid in 6 Jahren und 8 Monaten Jahren tatsächlich den Mond treffen würde, würde das die Wissenschaftler freuen. "Sollte es dazu kommen, wäre das ein Meilenstein für die Planetenforschung. Das Erde-Mond-System würde gewissermaßen zur Bühne unserer Untersuchungen werden“, erklärt Koautorin Yixuan Wu von der University of California in Santa Cruz.
Aktuell haben Forscher die Umlaufbahn in Kombination mit präzisen Sternpositionsdaten des Gaia-Teleskops weiter verfeinert. Demnach wird der Asteroid am 22. Dezember 2032 in nur etwa 21.200 Kilometern Abstand an der Mondoberfläche vorbeiziehen – falls sich die Bahn des Brockens nicht noch verändert.