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Britische Polizeichefs: Internet ist für Kinder nicht sicher

Ein Smartphone-Bildschirm zeigt mehrere App-Symbole.
Ein Smartphone-Bildschirm mit mehreren App-Symbolen. Copyright  Bastian Riccardi/Pexels
Copyright Bastian Riccardi/Pexels
Von Indrabati Lahiri
Zuerst veröffentlicht am
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Führende Polizeibehörden werfen Tech-Konzernen vor, Kinder im Netz nicht ausreichend vor Gefahren zu schützen.

Kinder unter 16 sollen nach dem Willen britischer Polizeichefs keinen Zugang mehr zu sozialen Netzwerken, Computerspielen und KI-Apps mit Funktionen wie privaten Nachrichten haben.

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Der National Police Chiefs’ Council (NPCC) und die National Crime Agency (NCA) betonen, dass dies vor allem für Angebote gelten müsse, die Kinder nicht vor schädlichen Inhalte-Empfehlungen schützen, den Austausch von Nacktfotos erlauben oder es Fremden ermöglichen, Minderjährige zu kontaktieren.

Der Vorstoß ist eine Reaktion auf die jüngste Konsultation der Regierung zum geplanten Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige.

Die Regierung unterstützt zudem die Medienaufsicht Ofcom darin, gegen Tech-Konzerne vorzugehen, die Kinder im Netz nicht ausreichend schützen.

Im Vereinigten Königreich diskutiert die Politik derzeit Altersgrenzen, vollständige Verbote oder nächtliche Sperrzeiten für Apps. Gleichzeitig arbeitet sie daran, es Kindern im Land unmöglich zu machen, Nacktfotos aufzunehmen, zu verbreiten oder anzuschauen.

Nach Ansicht der NCA kommt all das aber womöglich zu spät und reicht nicht aus.

„Unsere Einschätzung ist klar: Die Online-Umgebung ist in ihrer jetzigen Form für Kinder nicht sicher. Die Reaktion der Branche ist zu langsam, während das Problem immer größer wird. Es reicht jetzt“, erklärte NCA-Generaldirektor Graeme Biggar in einer Mitteilung.

Er ergänzte: „Entweder unterbinden Tech-Unternehmen wirksam, dass Kinder diese Funktionen nutzen, oder sie machen sie sicher. Wenn sie das nicht tun, sollte die Regierung sie für unter 16-Jährige verbieten.“

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des NPCC, Gavin Stephens. Er sprach im selben Schreiben davon, dass der digitale Raum derzeit „eine Art Wilder Westen“ sei, in dem Regulierung und Gesetzgebung der technischen Entwicklung weit hinterherhinken.

„Die Risiken für Kinder und die verursachten Schäden sind schwerwiegend und vielfältig. Der Online-Raum macht es Kriminellen, Tätern, Betrügern und Extremisten zu leicht, die Verwundbarsten in unserer Gesellschaft ins Visier zu nehmen und Leben zu zerstören“, so Stephens.

Beide Behörden betonten jedoch, dass sie kein vollständiges Verbot anstreben. Kinder sollten die Vorteile von sozialen Medien und Internet nutzen können – aber deutlich sicherer als bisher.

Warum ist die aktuelle Social-Media-Landschaft so gefährlich?

Nach Einschätzung der Polizeibehörden machen mehrere Merkmale, die auf den meisten Plattformen zu finden sind, soziale Medien in großem Maßstab besonders schädlich. Solche Funktionen sollten in Apps, die sich an Kinder richten, daher nicht vorkommen.

Dazu gehören Funktionen, mit denen sich sehr leicht viele Kinder aufspüren lassen, sowie unkontrollierte Kontaktaufnahmen durch Fremde, vor allem Erwachsene. Verschlüsselte oder private Nachrichtenfunktionen zählen ebenso dazu wie Algorithmen, die illegale oder schädliche Inhalte verstärken.

Auch die Möglichkeit, Nacktaufnahmen zu teilen oder live zu streamen, mache viele Plattformen hochriskant. Hinzu kommen unzureichende Alterskontrollen, die Kinder nicht zuverlässig von Angeboten für Erwachsene fernhalten.

Obwohl viele dieser Punkte bereits im britischen Online Safety Act verankert sind, der Plattformen im Vereinigten Königreich klare Vorgaben und Verhaltensregeln macht, verstoßen zahlreiche Unternehmen weiterhin dagegen.

Ofcom kann solche Unternehmen untersuchen und Geldstrafen verhängen. Nach dem Willen der Polizeibehörden soll die Aufsicht aber auch Mindestalter-Regeln durchsetzen und den Umgang mit Nacktdarstellungen bereits auf Geräteebene strenger regulieren. So sollen Minderjährige daran gehindert werden, Nacktfotos und -videos aufzunehmen, zu verschicken oder zu streamen.

Der Handlungsdruck ist hoch, denn Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Kinder mit Ursprung im Netz nehmen im Vereinigten Königreich weiter alarmierend zu.

Einige Plattformen wie Apple, Instagram und TikTok haben bereits damit begonnen, Kinder vor dem Versand oder Empfang von Nacktbildern in Nachrichten zu schützen. Sie schalten dazu etwa technische Möglichkeiten für Direktnachrichten ab – auch vor dem Hintergrund, dass durchgehende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung Ermittlungen gegen Grooming und Kindesmissbrauch erschwert.

Gleichzeitig bleiben Sorgen, dass der Schutz von Daten und Privatsphäre im Netz leidet, wenn private Messenger-Funktionen eingeschränkt oder abgeschafft werden.

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