Laut Eurostat-Daten für 2025 bremsen fehlendes Know-how, Datenschutzsorgen und Rechtsunsicherheit in Europa den Einsatz von KI, obwohl die meisten Firmen ihren Nutzen anerkennen.
Die Europäische Union sucht nach Wegen, den Einsatz von KI in europäischen Unternehmen zu fördern. So soll die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität in Europa steigen. Gleichzeitig wollen politische Entscheidungsträger das Regelwerk zu künstlicher Intelligenz und Datenschutz vereinfachen, um die Verwaltung zu entlasten und doppelte Vorschriften abzubauen.
Vor diesem Hintergrund liefern die Daten der jüngsten Umfrage (Quelle auf Englisch) von Eurostat zur grundlegenden Frage, warum Unternehmen in Europa keine KI‑Werkzeuge nutzen, wertvolle Hinweise für die weitere politische Debatte. Sie spielen vor allem eine Rolle in den Diskussionen über den AI Omnibus, den Digital Omnibus und die Verhandlungen zum nächsten EU‑Haushalt für die Jahre 2028 bis 2032.
Mangel an technischem Know-how und Sorge vor rechtlichen Vorgaben
Am deutlichsten fällt bei mittelgroßen wie großen Unternehmen der Mangel an technischem Know‑how ins Gewicht. Diesen Grund nennen zehn Komma einundfünfzig Prozent der Firmen mit 50 bis 249 Beschäftigten und zehn Komma zweiunddreißig Prozent der Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten als Hürde für den Einsatz von KI‑Tools.
Hinzu kommen Sorgen um Datenschutz und unklare Rechtsfolgen. Sieben Komma fünfundneunzig Prozent der mittelgroßen Firmen und neun Komma einunddreißig Prozent der großen Unternehmen verweisen auf mögliche Verstöße gegen Datenschutz und Privatsphäre. Sieben Komma einundfünfzig Prozent der mittelgroßen und acht Komma zwölf Prozent der großen Unternehmen bemängeln fehlende Klarheit über rechtliche Konsequenzen.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse ein gemischtes Bild. Viele Unternehmen erkennen, dass KI‑Werkzeuge ihnen nutzen könnten. Nur zwei Komma null neun Prozent der mittelgroßen und ein Komma fünfundfünfzig Prozent der großen Firmen halten sie für nicht nützlich für ihr Unternehmen. Gleichzeitig können die Betriebe jedoch kaum klar benennen, wie die EU sie konkret unterstützen sollte.
Eine ähnliche Umfrage, die sich nur auf daten- und KI‑intensive Unternehmen konzentriert, wäre äußerst hilfreich. Sie könnte den Rahmen für künftige Gesetzesinitiativen liefern und die Schwerpunkte des nächsten mehrjährigen Finanzrahmens mitbestimmen.
Gründe gegen KI‑Einsatz in Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten
Nur fünf Komma siebenundsechzig Prozent der Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten führen (Quelle auf Englisch) Kosten als Hauptgrund an. Am häufigsten nennen dies Firmen aus Portugal mit neun Komma sechsundfünfzig Prozent.
Am häufigsten nennen die Unternehmen den fehlenden technischen Sachverstand. Zehn Komma einundfünfzig Prozent sehen darin den Hauptgrund. Besonders groß ist dieser Anteil in Dänemark mit fünfzehn Komma vierundvierzig Prozent, in Deutschland mit vierzehn Komma dreiundsechzig Prozent und in Finnland mit dreizehn Komma neunundneunzig Prozent. Dänemark und Finnland zählen sonst zu den Vorreitern bei der Einführung von KI, die Antworten fallen hier also bemerkenswert selbstkritisch aus.
Sechs Komma achtunddreißig Prozent sehen technische Probleme als Haupthemmnis, etwa die fehlende Kompatibilität mit vorhandener Hardware, Software oder bestehenden Systemen. In Finnland teilen elf Komma zweiundachtzig Prozent diese Einschätzung, in Malta neun Komma vierundvierzig Prozent und in Deutschland neun Komma zweiundvierzig Prozent.
Sechs Komma einundfünfzig Prozent der europäischen Firmen sehen einen Mangel an geeigneten Daten als Hürde für den Einsatz von KI‑Werkzeugen. Besonders kritisch äußern sich Unternehmen in Finnland mit zehn Komma einunddreißig Prozent und in Deutschland mit neun Komma zwölf Prozent.
Nach dem fehlenden Fachwissen folgen Datenschutzbedenken und die Unsicherheit über rechtliche Folgen als zweitwichtigste Hürde. Sieben Komma fünfundneunzig Prozent der befragten Unternehmen meinen, Sorgen vor Datenschutz- und Privatsphärenverletzungen hielten sie vom Einsatz von KI‑Tools ab. Sieben Komma einundfünfzig Prozent verweisen auf mangelnde Klarheit über die rechtlichen Konsequenzen.
Nur drei Komma fünfundvierzig Prozent der Firmen nennen ethische Bedenken als Grund gegen den Einsatz von KI.
Offenbar erkennt die Mehrheit den möglichen Nutzen von KI‑Werkzeugen. Nur zwei Komma null neun Prozent geben an, KI‑Tools seien für ihr Geschäft nicht hilfreich.
Gründe gegen KI‑Einsatz in Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten
Die Gründe, warum Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten keine KI‑Tools nutzen, sind ähnlich (Quelle auf Englisch).
Nur fünf Komma einundfünfzig Prozent der Firmen führen Kosten als wichtigsten Grund an. Zehn Komma zweiunddreißig Prozent nennen fehlende Fachkenntnisse, sechs Komma null zwei Prozent verweisen auf die Unvereinbarkeit mit bestehender Software und vorhandenen Systemen, sechs Komma vierundneunzig Prozent auf unzureichende Verfügbarkeit und Qualität der Daten.
Große Unternehmen zeigen sich etwas besorgter als kleine und mittlere Betriebe, wenn es um Datenschutz und unklare Rechtsfolgen geht. Neun Komma einunddreißig Prozent nennen Ängste vor Verstößen gegen Datenschutz und Privatsphäre, acht Komma zwölf Prozent beklagen ein mangelndes Verständnis der möglichen rechtlichen Konsequenzen.
Nur drei Komma sechsunddreißig Prozent äußern ethische Bedenken. Lediglich ein Komma fünfundfünfzig Prozent halten KI‑Werkzeuge für ihr Geschäft für nicht nützlich.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf EU Tech Loop (Quelle auf Englisch) und wird im Rahmen einer Vereinbarung auf Euronews veröffentlicht.