Bei Gesprächen über künftige Verteidigungsfähigkeiten in Ankara verkündet der schwedischer Rüstungskonzern Saab: GlobalEye wird die neuen Augen am Himmel der NATO.
Schwedische Flugzeuge sollen die überalterte US-Aufklärungsflotte der NATO ablösen.
Auf dem NATO Summit Defence Industry Forum in Ankara gaben die NATO und die schwedische Regierung bekannt, dass sich das Bündnis für GlobalEye entschieden hat. Das System zur luftgestützten Frühwarnung und Kontrolle (AEW&C) des Rüstungskonzerns Saab soll die derzeitigen Boeing-E-3A-Flugzeuge der NATO ersetzen.
Nach Angaben der schwedischen Regierung will die NATO nun Verhandlungen mit Saab aufnehmen, um bis zu 10 GlobalEye-Flugzeuge zu kaufen.
Frühwarn- und Kontrollsystem: Was dahinter steckt
Ein Frühwarn- und Kontrollsystem (AEW&C) basiert auf einem umgerüsteten Flugzeug. Es trägt Langstreckenradar, Sensoren und Führungs- und Kontrolltechnik.
Aus großer Höhe spürt es Flugzeuge, Schiffe, Raketen und andere Bedrohungen in weiter Entfernung auf. Auch Ziele in niedriger Flughöhe, die Bodenradare übersehen können, werden erfasst. Zudem unterstützt das System die Führung eigener Kräfte bei Einsätzen.
„In einer ernsten Sicherheitslage wird es immer wichtiger, Bedrohungen früh zu erkennen und Einsätze in der Luft, auf See und am Boden zu steuern“, sagte der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson auf dem Gipfel.
„GlobalEye liefert genau die hochentwickelte Lagebilderfassung, die moderne Streitkräfte brauchen, um Drohnen, Raketen und andere Bedrohungen zu bekämpfen“, fügte er hinzu.
Die NATO bezeichnet ihre luftgestützten Frühwarn- und Kontrollkapazitäten als ihre „Augen am Himmel“.
Anders als die meisten militärischen Mittel im Bündnis betreibt die NATO ihre derzeitige Frühwarnflotte selbst, nicht ein einzelner Mitgliedstaat.
Derzeit nutzt die Allianz 14 Boeing-E-3A-Flugzeuge, die seit 1982 im Einsatz sind.
Die Entscheidung ist bereits der zweite Versuch der NATO, die alternde Flotte zu erneuern. Zunächst hatte sich das Bündnis 2023 für die Boeing E-7A Wedgetail entschieden. Der Plan scheiterte 2025, nachdem die US-Luftwaffe das Modell zugunsten weltraumgestützter Aufklärung aus ihrem Haushalt strich.
Neues Aufklärungsflugzeug: Technische Eckdaten
Nach Angaben von Saab ist GlobalEye „die einzige AEW&C-Lösung auf dem Markt, die aus einer einzigen Plattform heraus Luft-, See- und Bodenüberwachung über große Entfernungen in Echtzeit ermöglicht“.
Das hochmoderne Aufklärungsflugzeug nutzt eine Kombination aus aktiven und passiven Langstreckensensoren. Basis ist die Flugzeugfamilie Global 6500 des kanadischen Geschäftsjet-Herstellers Bombardier.
Das schwedische Unternehmen erklärt, GlobalEye könne Objekte in Entfernungen von mehr als 550 Kilometern orten, identifizieren und verfolgen. Unter bestimmten Bedingungen soll das Radar noch weiter reichen.
GlobalEye kann mehr als elf Stunden in der Luft bleiben und „vereint hervorragende Flugleistungen mit niedrigen Wartungskosten“, heißt es in einer Mitteilung der schwedischen Regierung.
Zum Vergleich: Nach NATO-Angaben verfolgt ein Boeing-E-3A-Flugzeug Luft- und Seeziele in Entfernungen von mehr als 400 Kilometern und bleibt bis zu zehn Stunden im Einsatz.
Ein einzelnes NATO-Aufklärungsflugzeug überwacht eine Fläche, die in etwa der Größe Polens entspricht. Drei abgestimmte Maschinen können ganz Mitteleuropa dauerhaft abdecken.
Einen vergleichbaren Wert zur Flächenabdeckung von GlobalEye hat Saab bisher nicht veröffentlicht.
Den geplanten Kauf unterstützen elf NATO-Staaten: Belgien, Kanada, Dänemark, Deutschland, Lettland, Litauen, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Rumänien und Schweden.
Ein Vertrag ist noch nicht unterschrieben. Saab will nun in formelle Verhandlungen mit der NATO-Unterstützungs- und Beschaffungsorganisation eintreten, um die Vereinbarung zu sichern.
Saab-Chef Micael Johansson sagte der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter, das Unternehmen könne 2030 mit der Auslieferung beginnen, falls die Einigung bald steht.