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Zickzack-Routen und leere Lufträume: Was Flugtracking im Krieg zeigt

Luftraumsperrungen im gesamten Nahen Osten
Luftraumsperrungen im gesamten Nahen Osten Copyright  Flightradar24
Copyright Flightradar24
Von Dianne Apen-Sadler
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Angesichts der Schließung von Lufträumen im gesamten Nahen Osten aufgrund des israelisch-iranischen Konflikts erläutern wir die Daten, die hinter der Echtzeitüberwachung der weltweiten Luftfahrtindustrie stehen.

Die Vergeltungsschläge des Irans gegen Israel und die USA haben zu großflächigen Luftraumsperrungen im Nahen Osten geführt. Tausende Flüge wurden gestrichen, verschoben oder umgeleitet.

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Während Luftfahrtexperten Flugbewegungen täglich beobachten, greifen viele Menschen nur in Krisenzeiten auf Plattformen wie Flightradar24 oder FlightAware zurück.

Als die Angriffe am 28. Februar begannen, verfolgten Zehntausende Nutzer in Echtzeit, wie Flugzeuge den betroffenen Luftraum verließen, nachdem dieser geschlossen worden war.

Das Interesse nahm weiter zu, als am Montag, dem 2. März, erste Flüge aus den Vereinigten Arabischen Emiraten starteten, um gestrandete Passagiere nach Hause zu bringen. Fast 140.000 Menschen verfolgten etwa einen Flug vom Dubai International Airport nach Mumbai. Auch der Flug des Fußballspielers Cristiano Ronaldo von Saudi-Arabien nach Spanien wurde von vielen Nutzern verfolgt, nachdem der Krieg zwischen Iran und Israel eine Spielpause in der AFC Champions League ausgelöst hatte.

Dass sich Reaktionen der Luftfahrtindustrie in Echtzeit beobachten lassen, liegt an großen Mengen verfügbarer Flugdaten. Hinter Flugverfolgungs-Websites stehen komplexe technische Systeme.

Wie funktioniert die Flugverfolgung?

Die wichtigste Technologie ist das sogenannte Automatic Dependent Surveillance-Broadcast-System (ADS-B).

Die meisten Verkehrsflugzeuge sind mit ADS-B-Transpondern ausgestattet, die regelmäßig Daten über ihren Standort senden. Diese Signale werden von Empfängern am Boden aufgefangen und an Netzwerke weitergeleitet, die von Plattformen wie Flightradar24 oder FlightAware betrieben werden.

Flightradar24 betreibt nach eigenen Angaben rund 50.000 Empfänger weltweit. Nutzer können sogar selbst Empfänger betreiben und so zur Abdeckung beitragen – vorausgesetzt, sie befinden sich in einer Region mit bislang geringer Netzabdeckung.

Zusätzlich können Satelliten eingesetzt werden, die ebenfalls ADS-B-Signale empfangen. Das ist besonders bei Flügen über Ozeanen wichtig, wo bodengestützte Empfänger fehlen.

Bei älteren Flugzeugen ohne ADS-B nutzt Flightradar24 eine andere Methode: die sogenannte Multilateration (MLAT). Dabei wird gemessen, wie lange ein Signal von einem Flugzeug mit Mode-S-Transponder zu mehreren Empfängern benötigt.

Damit diese Methode funktioniert, müssen mindestens vier Empfänger dasselbe Signal registrieren. Aus den Zeitunterschieden lässt sich dann die Position des Flugzeugs berechnen.

Da dafür mehrere Empfänger nötig sind, funktioniert MLAT vor allem in dichter abgedeckten Regionen. Außerdem müssen Flugzeuge eine bestimmte Flughöhe erreicht haben – weshalb Flüge beim Start oder kurz vor der Landung auf Tracking-Websites manchmal plötzlich verschwinden.

Wenn weder ADS-B- noch MLAT- oder Radardaten verfügbar sind, greifen Flugverfolgungsseiten auf berechnete Positionen zurück, die auf dem geplanten Zielort basieren.

Wie GPS-Störungen die Flugverfolgung beeinträchtigen können

Militärs setzen sogenannte GPS-Störungen ein, um eine präzise Standortbestimmung zu verhindern.

Dabei sendet ein Störgerät Signale auf derselben Frequenz wie GPS. Diese überlagern das eigentliche Signal, sodass Navigationssysteme die korrekten Positionsdaten nicht mehr empfangen können.

Laut Flightradar24 haben solche Störungen im Nahen Osten seit Beginn des Konflikts zugenommen. Ähnliche Maßnahmen wurden auch während der russischen Invasion in der Ukraine sowie von Israel in Gaza und im Libanon beobachtet.

Für Nutzer von Flugverfolgungs-Websites kann das bedeuten, dass Flugrouten ungenau dargestellt werden. Auf den Karten erscheinen dann mitunter ungewöhnliche Zickzack- oder Kreisbewegungen.

Teilweise kommt auch sogenanntes GPS-Spoofing zum Einsatz. Dabei sendet ein Gerät absichtlich falsche Signale aus, sodass ein Flugzeug an einem anderen Ort angezeigt wird als dort, wo es sich tatsächlich befindet.

Um solche Störungen auszugleichen, greifen Flugverfolgungs-Websites unter anderem wieder auf Multilateration zurück.

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