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Europas Bahn erlebt Aufschwung: Reisende entdecken neue Routen und Ziele

Der Bernina-Express – Panoramabahn durch die Schweizer Alpen
Der Bernina-Express in der Schweiz Copyright  Photo by Christian Lue on Unsplash
Copyright Photo by Christian Lue on Unsplash
Von Michael Starling
Zuerst veröffentlicht am
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Die neue Dynamik wächst seit einigen Jahren, sagt der Chef von Rail Europe. Jetzt nimmt sie rasant zu, weil Staaten und Betreiber kräftig investieren.

Am Bahnreisen haftet seit jeher etwas Magisches. Von der goldenen Ära luxuriöser Waggons bis zu dampfbetriebenen Fahrten durch Berge und Hochländer beflügeln Züge die Fantasie der Reisenden.

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Im modernen Reisezeitalter erlebt die Bahn eine Renaissance – vor allem in Europa, wo neue Strecken und Fahrpläne eine Vielzahl an Reisemöglichkeiten quer über den Kontinent eröffnen.

Für viele Fahrgäste sind Züge längst mehr als nur ein praktisches Verkehrsmittel zwischen Metropolen. Die Fahrt wird zu einem zentralen Bestandteil des Reiseerlebnisses in Europa.

Diese Rückkehr der Bahn zeichnet sich seit einigen Jahren ab, sagt Björn Bender, CEO und Executive Chairman von Rail Europe. Nun nimmt sie deutlich Fahrt auf, weil Regierungen und Betreiber massiv in den Sektor investieren.

„In den vergangenen fünf bis zehn Jahren haben verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt“, sagt er im Gespräch mit Euronews Travel auf der Reisemesse ITB Berlin. „Alles begann mit der Debatte um Nachhaltigkeit. Sie treibt das Interesse an Zugreisen weiter an – besonders bei der jungen Generation.

„Was den Trend jetzt wirklich beschleunigt, sind die Investitionen der Bahngesellschaften in den verschiedenen Ländern auf Ebene der Europäischen Union. Ein Beispiel ist der Europäische Green Deal, bei dem mehr als 100 Milliarden Euro in Schieneninfrastruktur, Rollmaterial und vieles mehr fließen.“

Das Ergebnis: Das Angebot wächst europaweit. Neue Verbindungen entstehen, moderne Züge kommen auf die Schiene, Nachtzüge erleben ein Comeback.

„Wir beobachten vor allem eine Ausweitung des Angebots auf internationalen und grenzüberschreitenden Routen. Neue Züge, Nachtzüge kehren zurück und vieles mehr“, erklärt er.

„Vor zwanzig Jahren galt die Bahn vielen als langweiliges Verkehrsmittel. Heute wirkt sie deutlich attraktiver – und hat die Chance, zum Rückgrat der Mobilität in Europa zu werden.“

Bahnhof Budapest Keleti in Ungarn
Bahnhof Budapest Keleti in Ungarn Photo by Thomas Choi on Unsplash

Internationale Reisende treiben die Nachfrage

Einen erheblichen Teil dieses Wachstums verdanken die Bahnen nicht Pendlern, sondern internationalen Reisenden, die Europa mit dem Zug erkunden.

Rail Europe, spezialisiert auf Zugtickets und Bahnpässe für Reisen in Europa, berichtet, dass die meisten Kundinnen und Kunden außerhalb ihres Heimatlands unterwegs sind.

Bender erklärt, das Unternehmen bedient mehr als achtzig Prozent dessen, was es „non-domestic travellers“ nennt – also Reisende, die nicht im eigenen Land unterwegs sind. Sie nehmen zum Beispiel grenzüberschreitende Routen wie London–Paris oder steigen nach einem Flug nach Europa vor Ort in den Zug um.

„Wir bedienen viele Reisende von außerhalb Europas“, sagt er. „Unsere wichtigsten Märkte sind etwa die USA und Indien. Aber auch in Europa sind es vor allem Menschen, die ihre Komfortzone verlassen und neue Regionen entdecken wollen.“

Für diese Reisenden gehört die Zugfahrt selbst zum Gesamterlebnis, wenn sie Europa für den Urlaub besuchen.

„Es geht ihnen vor allem um das Erlebnis“, sagt Bender. „Und das beginnt mit Inspiration. Es beginnt mit den richtigen Informationen – mit Suchen, Buchen und Bezahlen in einem einfachen Prozess.“

Ziel von Rail Europe sei es, diesen Weg zu vereinfachen, fügt er hinzu. „Unsere Mission ist es, alles so einfach wie möglich zu machen und Hürden sowie Komplexität für die Kundinnen und Kunden zu beseitigen.“

Reisen über Europas Hauptstädte hinaus

Mit der wachsenden Beliebtheit von Zugreisen zieht es Fahrgäste zunehmend über die bekanntesten Ziele hinaus.

Viele Besucherinnen und Besucher haben die großen Hauptstädte bereits erkundet, sagt Bender. Nun wollen sie weniger bekannte Städte und Regionen entdecken. „Sie kennen London, Paris und Rom“, sagt er. „Jetzt möchten sie Budapest, Kopenhagen oder Warschau sehen.“

Dieser Wandel eröffnet Bahnunternehmen und Reisezielen neue Chancen.

Die Verbindungen zwischen den Metropolen sind meist gut ausgebaut. Nun rückt der Ausbau der Strecken zu Zielen jenseits der Hauptstädte in den Fokus.

„Im Freizeitreise-Segment wollen Menschen im Urlaub inzwischen auch kleinere und mittlere Städte und Regionen in Europa erleben“, erklärt er.

Investitionen in ganz Europa erweitern diese Netze nach und nach und verbessern den Zugang zu einer größeren Vielfalt an Orten.

Ein Sitzplatz mit Aussicht
Ein Sitzplatz mit Aussicht Photo by Min(Felix) Xu on Unsplash

Digitale Plattformen machen Bahnreisen einfacher

Eine der großen Hürden für internationales Reisen mit der Bahn war lange die Zersplitterung der europäischen Netze.

Unterschiedliche nationale Betreiber, Ticketsysteme und Tarifstrukturen machten die Buchung grenzüberschreitender Fahrten oft komplizierter als einen Flug. Digitale Plattformen sollen diese Reibung nun verringern.

Rail Europe bündelt zum Beispiel Hunderte von Anbietern in einem einzigen Buchungssystem. „Wir verknüpfen alle 250 europäischen Bahngesellschaften, die an unser System angeschlossen sind, in einer Suche, einer Buchung und einer Zahlung“, sagt Bender.

Reisende können so komplexe Routen durch mehrere Länder mit einem einzigen Vorgang planen und bezahlen.

„Wenn jemand von Málaga nach Kopenhagen fahren möchte, gibt er das einfach ein“, erklärt er. „Wir ziehen dann aus drei oder vier Buchungssystemen die passende Strecke und den passenden Reiseplan zusammen.“

Da Milliarden in Infrastruktur und Technologie fließen und eine neue Generation die Romantik des Bahnreisens wiederentdeckt, dürfte Europas Bahn-Renaissance weitergehen. „Die Möglichkeiten sind grenzenlos“, sagt Bender.

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