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Hundert Jahre Route 66: der ultimative Roadtrip auf Amerikas „Mother Road“

Roy’s Motel & Café in Amboy in Kalifornien ist eine bekannte Sehenswürdigkeit an der Route 66.
Roy’s Motel & Café im kalifornischen Amboy gilt als Wahrzeichen der Route 66. Copyright  Photo by Michelle Oude Maatman on Unsplash
Copyright Photo by Michelle Oude Maatman on Unsplash
Von Michael Starling & AP
Zuerst veröffentlicht am
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Leuchtende Neonreklamen, Diner im Retro-Stil und liebevoll erneuerte Motels lassen den Mythos der Route 66 weiterleben und ziehen Reisende an.

Die Route 66 in den USA ist eine legendäre Fernstraße, die sich über rund 3.940 Kilometer von Chicago in Illinois bis nach Santa Monica in Kalifornien zieht. In diesem Jahr wird sie hundert Jahre alt und markiert einen Meilenstein für eine der ikonischsten Roadtrip-Strecken der Welt.

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Oft als „Mother Road“ bezeichnet, hat sich die Route von einer Lebensader für Migrantinnen und Migranten in der Dust-Bowl-Ära der dreißiger Jahre zur wohl typischsten Autostrecke der Vereinigten Staaten entwickelt.

Heute verbinden schnellere Highways die großen Metropolen des Landes. Dennoch zieht die Route 66 weiterhin Reisende an – mit leuchtenden Neonreklamen, Retro-Diners und liebevoll restaurierten Motels.

Jeder Stopp entlang der Strecke bietet einen Blick in die Gemeinden, die diese Straße geprägt haben – und zeigt, warum die langsamere, nostalgische Art des Reisens bis heute fasziniert.

Illinois

Chicago zählt seit Langem zu den wirtschaftlichen Motoren der USA, mit Zugang zu internationalen Wasserwegen und Eisenbahnlinien, die alle Ecken des Landes verbinden. In den zwanziger Jahren erkannte der Geschäftsmann Cyrus Avery aus Oklahoma, bekannt als „Father of Route 66“, dass das Auto bald den Verkehr dominieren würde. Für die von ihm erträumte Strecke schien ihm die „Windy City“ der ideale Ausgangspunkt.

Als Mitglied des bundesstaatlichen Highway-Ausschusses, der das US-Fernstraßennetz kartierte, entschied sich Avery für die Nummer 66. Die doppelte Zahl ließ sich hervorragend vermarkten und blieb Autofahrenden leicht im Gedächtnis.

Für manche Reisende zählt unterwegs das Essen fast mehr als die Landschaft. Auswahl gibt es reichlich: Stücke von hausgemachten Kuchen, dicke Milchshakes, Cheeseburger und allerlei frittierte Köstlichkeiten.

Das Cozy Dog Drive In in Springfield, der Hauptstadt von Illinois, gehört zu den vielen Diners, die entlang der Route 66 entstanden sind. Die panierten Würstchen am Stiel haben die Jahrzehnte überdauert. Inhaber Josh Waldmire, der das Lokal in dritter Generation führt, verrät das Rezept nicht.

Waldmires Großvater Ed erkannte früh, welches Potenzial der Snack als schnelles, praktisches Straßenessen hatte. Er entwickelte sogar ein System, mit dem sich die Würstchen senkrecht frittieren ließen.

Das Diner Cozy Dog Drive In in Springfield, Illinois
Das Diner Cozy Dog Drive In in Springfield, Illinois Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.

Missouri

Die Route 66 schlägt viele Haken, und es überrascht kaum, dass diese Straße mit ihren skurrilen Sehenswürdigkeiten den berühmtesten Fluss des Landes über eine der ungewöhnlichsten Brücken der modernen Ingenieurskunst quert.

Je näher die Straße St. Louis kommt, desto imposanter wirkt die 1,6 Kilometer lange Chain of Rocks Bridge, die mehr als 18 Meter über dem Mississippi verläuft.

Später bauten Ingenieure eine geradere, schnellere Alternative. Weil sich für die ursprüngliche Brücke kein Käufer fand, blieb sie vor der Verschrottung verschont. Heute gehört sie ganz Fußgängerinnen, Fußgängern und Radfahrenden.

Auf einer Verkehrsinsel in Missouri liegt der St. Robert Route 66 Neon Park. Dort leuchten heute herrenlose Neonreklamen, die einst Reisende zu bestimmten Orten und Geschäften entlang der Route lotsten. Viele Schilder entstanden in Handarbeit; sie waren nicht nur Hinweise auf Motels, Cafés oder Tankstellen, sondern auch Volkskunst und Ausdruck lokaler Kultur.

Kansas

Der Sonnenblumenstaat Kansas verfügt nur über einen kurzen Abschnitt der Route 66, der es jedoch in sich hat: In Galena steht die Kan-O-Tex Service Station, ein klassisches Beispiel für Raststätten am Straßenrand. Die Station diente als Inspiration für den Pixar-Animationsfilm „Cars“ aus dem Jahr 2006.

Regisseur John Lasseter und sein Team machten sich selbst auf Roadtrip entlang der Route. Sie tauchten in die Geschichte ein und suchten nach Details, die ihren Film lebendig machen könnten. In Galena entdeckten sie den alten Abschleppwagen, der als Vorlage für die Figur Tow Mater diente. Die Handlung war nicht weit von der Realität entfernt: Viele einst belebte Orte – wie das fiktive Radiator Springs – gerieten in Vergessenheit, nachdem neue Interstates sie umgingen.

Kansas ist außerdem Heimat der Brush Creek Bridge, besser bekannt als Rainbow Bridge. Sie steht im National Register of Historic Places und ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele für Betonbogenbrücken des Konstrukteurs James Barney Marsh.

Ein Lastwagen an der Kan-O-Tex Service Station in Galena, Kansas, inspirierte die Figur Tow Mater im Pixar-Film Cars
Ein Lastwagen an der Kan-O-Tex Service Station in Galena, Kansas, inspirierte die Figur Tow Mater im Pixar-Film Cars Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.

Oklahoma

Für einige, die auf dieser Straße unterwegs waren, brachte die Route 66 reale Gefahren mit sich – insbesondere für Schwarze Autofahrerinnen und Autofahrer, die in der Jim-Crow-Ära durch feindselige und strikt getrennte Gegenden fahren mussten. Orientierung bot The Green Book, ein Reiseführer, den Victor Hugo Green ab 1936 herausgab. Darin listete er Hotels, Restaurants und Tankstellen, die Schwarze Kundschaft bedienten.

Die Threatt Filling Station bei Luther tauchte zwar nicht im Green Book auf, galt aber dennoch als sicherer Zufluchtsort – nicht nur für Kraftstoff, sondern auch für Barbecue und Baseballspiele. Sie steht im National Register of Historic Places und war die einzige bekannte, von Schwarzen besessene und betriebene Tankstelle entlang der Route 66.

Entlang der Route 66 finden sich zahlreiche verlassene Gebäude und verblasste Reklamen. In Sapulpa nahe Tulsa steht jedoch ein Symbol des Durchhaltewillens: Das restaurierte Tee Pee Drive-In Theater versetzt Besucherinnen und Besucher zurück in die fünfziger Jahre, als die boomende Autokultur Tausende von Autokinos im ganzen Land entstehen ließ.

Das Autokino wurde 1949 gebaut und eröffnete im Frühjahr 1950 mit einer Vorführung des John-Wayne-Films „Tycoon“. Es gehörte damals zu den wenigen Drive-ins mit asphaltierten Zufahrten. Im Laufe der Jahre überstand es einen Tornado, einen Brand, der den Verkaufsstand zerstörte, und mehrere Einbrüche, bevor es mehr als zwanzig Jahre lang geschlossen blieb. 2023 feierte es seine Wiedereröffnung.

Texas

Einmal geblinzelt, und man könnte es verpassen – doch ein Stopp an der Cadillac Ranch in Amarillo gehört zu jeder Reise auf der Route 66. Seit Jahrzehnten besprühen Besucherinnen und Besucher die zehn alten Cadillacs mit Farbe und denken über die Vergänglichkeit der Zeit nach, ganz wie Bruce Springsteen in seinem gleichnamigen Song von 1980.

Tatsächlich ist die Cadillac Ranch keine Ranch, sondern eine öffentliche Kunstinstallation, die das Kunst- und Architekturkollektiv Ant Farm 1974 geschaffen hat. Zunächst nutzten Menschen die Autos, die vorne mit einem Neigungswinkel von sechzig Grad im Boden stecken, als Zielscheiben oder ritzten ihre Initialen in das Blech. Die Ära der Spraydosen begann erst später.

In Adrian erreichen Reisende ungefähr die Hälfte ihrer Tour. Nur wenige Schritte von einer weißen Linie entfernt, die den geografischen Mittelpunkt der Route 66 markiert, liegt das Midway Cafe, in dem die sogenannten „ugly pies“ alles andere als hässlich sind.

Wer danach noch Hunger hat, fährt zurück nach Amarillo ins Restaurant The Big Texan. Dort wartet ein rund zwei Kilo schweres Steak mit allen Beilagen. Wer die Mahlzeit in einer Stunde oder weniger schafft, bekommt sie kostenlos.

Cadillac Ranch in Amarillo, Texas
Cadillac Ranch in Amarillo, Texas Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.

New Mexico

Mehr als die Hälfte der Route 66 verläuft über souveränes Land indigener Nationen und folgt häufig Routen, die Stammesgemeinschaften schon lange vor der Ankunft der Siedler nutzten. Wie die Eisenbahn im neunzehnten Jahrhundert eröffnete die Straße eine neue Ära des Handels, befeuerte jedoch zugleich stereotype Bilder der Kulturen entlang der Strecke.

Noch heute finden sich an manchen Haltepunkten verblasste, bröckelnde Darstellungen von Tipis und Federschmuck. Händler eigneten sich diese Symbole leicht für ihre Werbung an, doch sie spiegelten die eigenständigen Kulturen der Native Americans in der Region kaum wider.

Heute erzählen die Gemeinschaften ihre Geschichten selbst und präsentieren ihre Arbeiten – von Keramik über Obstkuchen bis hin zu Gedichten.

Albuquerque verfügt über das längste zusammenhängende innerstädtische Teilstück der Route 66. Die knapp 29 Kilometer führen durch mehrere Viertel und Geschäftsstraßen, von der historischen Old Town bis nach Nob Hill.

Entlang der heutigen Central Avenue wurden einige der alten Motels und Neonreklamen restauriert. Andere Schilder werden neu interpretiert – mit Radkappen, aufwendigen Lackierungen im Lowrider-Stil und den gelb-roten Nummernschildern von New Mexico als Verbeugung vor der Autokultur, die in der Stadt nach wie vor lebendig ist.

Die Straßenecke in Winslow, Arizona, ist ein wichtiger Halt entlang der Route
Die Straßenecke in Winslow, Arizona, ist ein wichtiger Halt entlang der Route Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved

Arizona

Musiker Jackson Browne war Anfang der siebziger Jahre selbst auf Roadtrip, als sein Auto ihn in Winslow stranden ließ. Diese Erfahrung inspirierte den Text zum Eagles-Hit „Take It Easy“. Es ist jedoch längst nicht das einzige Lied, das auf keiner Route-66-Playlist fehlen darf.

Bobby Troup schrieb in den vierziger Jahren mit „(Get Your Kicks on) Route 66“ eine klassische amerikanische Road-Hymne. Nat King Cole, Chuck Berry, die Rolling Stones und Depeche Mode hielten den Song über Jahrzehnte präsent, jede Version mit eigener Note.

Wer heute an der berühmten Straßenecke in Winslow steht, sollte sich nicht wundern, wenn jemand mit Gitarre auftaucht und Lieblingsstücke aus der eigenen Roadtrip-Playlist anstimmt.

Vor der Weiterfahrt nach Kalifornien lohnt ein Abstecher in die frühere Goldgräberstadt Oatman. Der Ort bietet Wild-West-Atmosphäre, tägliche inszenierte Schießereien und zutrauliche Esel. Oatman lag einst an einer der ursprünglichen Trassen der Route 66 über einen gefährlichen Abschnitt durch die Black Mountains, wurde jedoch in den fünfziger Jahren im Zuge von Straßenverbesserungen umgangen.

California

Roy’s Motel & Café in Amboy war einst eine Art Wüstenoase und gilt heute als Inbegriff eines Route-66-Wahrzeichens. Das hohe Neon-Schild gehört zu den meistfotografierten Motiven entlang der Strecke. Innen bekleben ausländische Besucherinnen und Besucher eine Wand mit Banknoten aus aller Welt. Auf der anderen Straßenseite ragt ein Mast aus dem Wüstenboden, geschmückt mit Schuhen, Hemden und anderen Kleidungsstücken.

Der Abschnitt durch die Mojave-Wüste bietet eine besondere Form der Einsamkeit. Der Asphalt wird stellenweise ruppig, und die Landschaft übernimmt die Regie: Joshua Trees, weite Ebenen und Spuren uralter vulkanischer Aktivität bestimmen das Bild.

Große Teile dieser Gegend sind unerschlossen und wirken dadurch noch immer so, wie sie bei der offiziellen Inbetriebnahme der Route 66 im Jahr 1926 ausgesehen haben dürften.

Nach der oft stauanfälligen Durchfahrt durch Los Angeles markiert der ikonische Santa Monica Pier das Ende der Route. Dort herrscht eine Art Dauerfest mit einem stetigen Strom an Zuschauenden und Straßendarstellerinnen und -darstellern.

Zwar sind viele Abschnitte der Route 66 verfallen, doch die atemberaubenden Blicke auf den Pazifik erinnern an die Träume und Vorhaben, die diese Straße im vergangenen Jahrhundert möglich gemacht hat.

Der Santa Monica Pier markiert das Ende der Route 66
Der Santa Monica Pier markiert das Ende der Route 66 Photo by Lehan Yang on Unsplash

Wichtige Stopps entlang der Route 66

  • Chicago, Illinois: Ausgangspunkt der Route 66; Vision von Cyrus Avery
  • Springfield, Illinois: Heimat des legendären Cozy Dog Drive In
  • St. Louis, Missouri: Chain of Rocks Bridge überquert den Mississippi River
  • St. Robert, Missouri: Route 66 Neon Park mit restaurierten Vintage-Leuchtreklamen
  • Galena, Kansas: Kan-O-Tex Service Station; Inspiration für Pixars „Cars“
  • Brush Creek, Kansas: Historische Rainbow Bridge im National Register
  • Luther, Oklahoma: Threatt Filling Station; historischer, von Schwarzen betriebener Stopp
  • Sapulpa, Oklahoma: Tee Pee Drive-In Theater mit Fünfzigerjahre-Flair
  • Amarillo, Texas: Öffentliche Kunstinstallation Cadillac Ranch
  • Adrian, Texas: Mittelpunkt der Route 66; Heimat des Midway Cafe
  • Albuquerque, New Mexico: Längstes erhaltenes innerstädtisches Teilstück der Route
  • Winslow, Arizona: Musikgeschichte verknüpft mit dem Eagles-Song „Take It Easy“
  • Oatman, Arizona: Wild-West-Stadt an einer ursprünglichen Trasse der Route 66
  • Amboy, Kalifornien: Roy’s Motel & Café; klassisches Wahrzeichen am Straßenrand
  • Mojave-Wüste, Kalifornien: Unbebaute, landschaftlich reizvolle Highway-Strecke
  • Santa Monica, Kalifornien: Endpunkt am Santa Monica Pier und am Pazifischen Ozean
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