Die VAE melden, Drohnenangriffe auf ihr Atomkraftwerk Barakah seien vergangene Woche aus dem Irak gestartet worden; proiranische Milizen setzten damit Angriffe auf die Energieinfrastruktur am Golf für Teheran fort.
Die Drohnen, die in der vergangenen Woche das einzige Atomkraftwerk der Emirate ins Visier genommen haben, kamen nach Angaben der Vereinigten Arabischen Emirate vom irakischen Staatsgebiet. Das deutet auf eine deutliche Eskalation durch von Teheran unterstützte Gruppen hin, in einem Konflikt, der die Energieinfrastruktur am Golf immer wieder trifft.
Am Sonntag traf eine unidentifizierte Drohne einen Stromgenerator in der Nähe des einzigen Atomkraftwerks am Golf in Barakah im Emirat Abu Dhabi. Es brach ein Feuer aus, verletzt wurde niemand, auch Radioaktivität trat nicht aus. Den Sicherheitskräften gelang es, zwei weitere Drohnen abzufangen.
Barakah liegt nahe der Grenze zu Saudi-Arabien und Katar. Der Angriff schürte Sorgen vor Folgen für die gesamte Golfregion.
„Im Rahmen der laufenden Ermittlungen zu dem eklatanten Angriff auf das Barakah-Atomkraftwerk am 17. Mai 2026 haben technische Ortung und Überwachung bestätigt, dass die drei Drohnen ... sämtlich von irakischem Territorium gestartet wurden“, teilte das Verteidigungsministerium der Emirate mit.
Bereits am Montag hatte die Regierung der Emirate mitgeteilt, sie untersuche einen „unprovozierten Terroranschlag“. Die Drohne, die nahe Barakah einschlug, sei „aus westlicher Richtung in den Luftraum des Landes eingedrungen“. Einen möglichen Urheber nannte sie damals noch nicht.
Bagdad verurteilt Drohnenangriffe scharf
Nach Angaben von US-Beamten haben von Teheran unterstützte Milizen im Irak, die unter dem Dach der Volksmobilisierungskräfte operieren, US-Militärstützpunkte im Land bereits mehr als 600 Mal angegriffen. Die Angriffe begannen mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs.
Die paramilitärischen Gruppen nehmen immer wieder Golfstaaten ins Visier. Die Regierung in Bagdad verurteilt dies regelmäßig, hat aber Mühe, die Milizen unter Kontrolle zu bringen.
Zu den aktivsten Gruppen gehört Kata'ib Hisbollah – eine andere Organisation als die libanesische Gruppe gleichen Namens. Die USA stufen sie als Terrororganisation ein; sie hat Anschläge für sich reklamiert oder wird mit ihnen in Verbindung gebracht.
Regierungssprecher Bassem al-Awadi ging in einer Erklärung nicht auf den Bericht des Verteidigungsministeriums der Emirate ein. Er teilte jedoch mit, die Regierung in Bagdad „bringt ihre scharfe Verurteilung der jüngsten Drohnenangriffe gegen die VAE zum Ausdruck“.
„Wir unterstreichen zudem die Bedeutung einer wirksamen regionalen und internationalen Zusammenarbeit, um jede weitere Eskalation oder Schädigung der Stabilität der Region zu verhindern und jede Gefährdung der Sicherheit und Souveränität befreundeter und brüderlicher Staaten zu unterbinden“, fügte al-Awadi hinzu.
Bereits am Dienstagvormittag hatte ein prominenter Diplomat der Emirate indirekt jene Staaten in der weiteren Region kritisiert, die zögerlich auf die Angriffe auf sein Land reagieren.
„Die Verwirrung der Rollen während dieser heimtückischen iranischen Aggression ist verblüffend und erfasst die Staaten rund um die Golfarabischen Länder“, schrieb Anwar Gargash, außenpolitischer Berater des Präsidenten der VAE, auf X.
„Die Rolle des Opfers hat sich mit der des Vermittlers vermischt, und umgekehrt, während der Freund plötzlich zum Vermittler geworden ist, statt ein verlässlicher Verbündeter und Unterstützer zu bleiben“, so Gargash.
„In dieser gefährlichsten Phase der modernen Golfgeschichte, inmitten dieser niederträchtigen Aggression, ist eine graue, unklare Haltung noch riskanter als völlige Untätigkeit.“
Irans Einfluss im Irak hat sich nach der US-geführten Invasion, die 2003 Saddam Hussein stürzte, dramatisch ausgeweitet. Das entstandene Machtvakuum nutzte Teheran, um ein Netzwerk bewaffneter Gruppen zu finanzieren, zu bewaffnen und auszubilden. Diese Milizen sind inzwischen zu einem schlagkräftigen parallelen Sicherheitsapparat herangewachsen, der neben dem irakischen Staat agiert – und sich seiner Kontrolle oft entzieht.
Seit die USA und Israel am 28. Februar Angriffe auf Ziele im Iran flogen, attackiert Teheran die VAE und andere Golfstaaten. Im Fokus stehen vor allem Energie- und Wirtschaftsstrukturen. Die Atomanlage selbst blieb jedoch bis zum vergangenen Sonntag verschont.
Das Atomkraftwerk Barakah ist die wichtigste Stromquelle der Emirate. Es liefert rund ein Viertel der landesweiten Elektrizität.
Das Regime in Teheran hatte die Anlage jedoch längst ins Visier genommen. Im März veröffentlichten staatliche iranische Medien eine Liste möglicher Angriffsziele in der Energieversorgung – darunter auch Barakah.