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EES an kritischem Punkt: Luftfahrtbranche drängt EU zu mehr Flexibilität

Im Entry/Exit-System (EES) werden die Fingerabdrücke von Reisenden erfasst.
Im Rahmen des Entry/Exit-Systems (EES) erfasst die Grenzkontrolle die Fingerabdrücke von Reisenden. Copyright  AP Photo/Darko Bandic
Copyright AP Photo/Darko Bandic
Von Mike Starling
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In einem offenen Brief fordern Europas Flughäfen, Airlines und Luftfahrtverbände von der EU-Kommission, das Schengen-Ein- und Ausreisesystem in Spitzenzeiten auszusetzen, denn Grenzwartezeiten von bis zu fünf Stunden bringen Passagiere, Flüge und Tourismus durcheinander.

Europas Flughäfen und Fluggesellschaften haben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eindringlich um Unterstützung gebeten. Sie warnen, dass die Einführung des Schengen-Einreise-/Ausreisesystems (EES) einen „kritischen Punkt“ erreicht hat und in der Hauptreisezeit für Millionen Reisende erhebliche Störungen verursacht.

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In einem am 1. Juli veröffentlichten offenen Brief (Quelle auf Englisch) fordern die Branchenverbände ACI EUROPE, Airlines for Europe (A4E) und die International Air Transport Association (IATA) die EU-Kommission auf, den Mitgliedstaaten zu erlauben, das digitale Grenzsystem vorübergehend auszusetzen, sobald das Passagieraufkommen die betriebliche Kapazität übersteigt.

„Wir haben heute einen kritischen Punkt erreicht“, schreiben die Organisationen. „Die aktuelle Umsetzung des EES führt zu gravierenden betrieblichen Folgen, stört die Reisenden und setzt Grenzbehörden, Flughäfen und Fluggesellschaften einer nicht mehr tragbaren Belastung aus.

Wir bitten Sie daher um ein sofortiges Eingreifen, bevor sich die Lage in der Hochsaison weiter zuspitzt.“

Das EES ist seit April 2026 im gesamten Schengen-Raum vollständig in Betrieb. Es ersetzt den Stempel im Reisepass für die meisten Nicht-EU-Reisenden durch ein digitales System, das Ein- und Ausreisen zusammen mit biometrischen Daten wie Fingerabdrücken und Gesichtsbildern erfasst.

Das System soll die Sicherheit an den Außengrenzen stärken, Visumüberzieher identifizieren und das Management der Außengrenzen effizienter machen.

Nach Einschätzung der Luftverkehrsbranche passiert vielerorts jedoch das Gegenteil.

Nach Angaben des Schreibens erreichen die Wartezeiten an der Grenzkontrolle inzwischen „bis zu fünf Stunden in Spitzenzeiten“. Dadurch verpassen Reisende Anschlussflüge, Abflüge verzögern sich und der Druck auf das Personal an der Front wächst.

Die Verbände warnen, dass auch kleinere Flughäfen, die beliebte Ferienziele bedienen, überfordert sind. An manchen Orten stehen die Menschen vor den Terminals Schlange, weil die Grenzanlagen ankommende Passagiere nicht schnell genug abfertigen können.

„Fluggesellschaften schließen die Flugsteige mit halb leeren Maschinen, während die Passagiere noch in der Warteschlange vor der Grenzkontrolle feststecken“, heißt es in dem Schreiben.

Die Branche räumt ein, dass die Mitgliedstaaten bereits die Möglichkeit haben, die Erfassung biometrischer Daten bis Anfang September vorübergehend auszusetzen. Diese Flexibilität habe übermäßige Warteschlangen und Betriebsstörungen jedoch nicht verhindert.

Da die europäischen Flughäfen im Juli und August rund 40 Millionen mehr Reisende abfertigen sollen als in den beiden Vormonaten, warnen die Organisationen, dass sich die Lage ohne weitere Maßnahmen rasch verschlechtern könnte.

In dem Brief bitten sie die EU-Kommission „respektvoll“, jetzt zu handeln und „ohne Verzögerung“ folgende Schritte zu setzen:

  • Den Mitgliedstaaten sofort die nötige Flexibilität geben, das EES vollständig auszusetzen – vorsorglich immer dann, wenn das Passagieraufkommen die Kapazität der Grenzkontrollen übersteigt, mindestens für Juli und August.
  • In enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und der Branche bis September einen dauerhaften Mechanismus für operative Flexibilität schaffen. Dieser soll den Grenzbehörden erlauben, EES-Verfahren unter klar definierten außergewöhnlichen Umständen auszusetzen, um eine effiziente und am Passagier orientierte Grenzabfertigung sicherzustellen.

Auch der Ruf der EU und das Vertrauen in den Rechtsrahmen „stehen auf dem Spiel“, heißt es in dem Schreiben. Europa müsse ein Reiseziel bleiben, das „nicht nur sicher, sondern auch effizient, einladend und wettbewerbsfähig“ ist.

Da manche internationale Besucher ihre Reisepläne wegen der „Aussicht auf übermäßige Verzögerungen an den Grenzen“ überdenken, werde insbesondere „Europas Ansehen, der europäische Tourismus und die Konnektivität“ geschwächt.

WTTC fordert abgestimmtes Vorgehen

Der World Travel & Tourism Council (WTTC) stellt sich vollständig hinter den offenen Brief von ACI EUROPE, A4E und IATA an die EU und unterstützt dessen Forderungen.

Der Verband ruft zu „koordiniertem Handeln“ auf, damit die Einführung des EES gelingt, ohne den Reiseverkehr zu beeinträchtigen.

WTTC erkennt zwar die Notwendigkeit an, Grenzsysteme zu modernisieren und die Sicherheit in Europa zu erhöhen. Der Rat warnt jedoch seit Langem, dass ohne ausreichende Flexibilität, verlässliche Technik, genügend Personal und klare Information der Reisenden „operative Engpässe das Besuchserlebnis und die globale Wettbewerbsfähigkeit Europas als Reiseziel untergraben können“.

Werden die Probleme nicht gelöst, gerät Europa laut WTTC gegenüber anderen Weltregionen, die schnellere und reibungslosere Einreiseverfahren anbieten, in einen „klaren Nachteil“.

Aktuelle WTTC-Berechnungen zeigen, dass regelmäßige Wartezeiten von drei oder mehr Stunden an der Grenze die Nachfrage „spürbar dämpfen“ könnten. Rund ein Drittel der Reisenden gibt an, die Schengen-Staaten in diesem Fall eher zu meiden. Bezogen auf die Prognosen für 2026 könnten so bis zu 41 Millionen Ankünfte und 45,4 Milliarden US-Dollar an potenziellen Ausgaben von Besucherinnen und Besuchern in Europa gefährdet sein.

„Das EES ist ein wichtiger Schritt hin zu intelligenteren und sichereren Grenzen in Europa“, sagt Gloria Guevara, Präsidentin und CEO des WTTC. „Die Umsetzung muss jedoch praxistauglich, abgestimmt und am Reisenden ausgerichtet sein. Wenn sich lange Wartezeiten als Normalzustand etablieren, werden sich die Menschen andere Reiseziele suchen.

Europa kann es sich nicht leisten, seine Wettbewerbsfähigkeit oder das Erlebnis für Millionen Gäste zu verspielen. Wir ermutigen die politischen Entscheidungsträger, eng mit der Branche zusammenzuarbeiten, damit das System sein Versprechen einlöst: bessere Grenzen, ohne unbeabsichtigte Hürden für Reisen zu schaffen.“

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