Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Iran-Krieg, Streiks, EES: Warum in Europa weniger Menschen fliegen

Ein Branchenverband erklärt, der Rückgang sei zwar gering, markiere aber einen wichtigen Meilenstein für die Luftfahrt in Europa.
Ein Branchenverband erklärt, der Rückgang falle zwar gering aus, bedeute für Europas Luftfahrtbranche aber einen wichtigen Meilenstein. Copyright  Phil Mosley
Copyright Phil Mosley
Von Rebecca Ann Hughes
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Ein Branchenverband erklärt, der Rückgang sei zwar gering, markiere aber einen wichtigen Meilenstein für die europäische Luftfahrt.

Erstmals seit der Erholung des europäischen Luftverkehrs nach der Covid-19-Pandemie ist das Passagieraufkommen im Jahresvergleich wieder gesunken.

WERBUNG
WERBUNG

Die Zahl der Fluggäste auf dem europäischen Flughafennetz ging im April 2026 im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres um null Komma sieben Prozent zurück, meldet der europäische Flughafenverband ACI EUROPE.

Der Verband spricht zwar von einem marginalen Rückgang, sieht darin aber „einen wichtigen Wendepunkt“.

Warum fliegen in Europa weniger Menschen?

Nach Einschätzung von ACI EUROPE spiegelt die Entwicklung im April eine Kombination mehrerer Faktoren wider: den Konflikt im Nahen Osten, die teilweise Verlagerung der Osterferien in den März dieses Jahres und umfangreiche Arbeitskämpfe, die den deutschen Markt stark belasteten.

Einige Flughäfen wachsen dennoch weiter. Die stärksten Zuwächse im EU-plus-Raum verzeichneten Airports in der Slowakei (plus 125,2 Prozent), in Slowenien (plus 14,6 Prozent), Estland (plus 12,1 Prozent), Malta (plus 13,5 Prozent) und Polen (plus acht Komma drei Prozent).

Unter den größten EU-plus-Märkten erzielten Spanien und Italien die besten Ergebnisse. In Spanien nahm das Passagieraufkommen um drei Komma sieben Prozent zu, in Italien um zwei Komma zwei Prozent.

Dagegen verloren die Flughäfen in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Frankreich deutlich an Passagieren. In Deutschland ging das Aufkommen um acht Komma fünf Prozent zurück, im Vereinigten Königreich um zwei Komma eins Prozent und in Frankreich um null Komma neun Prozent. Das stärkste Minus meldeten Zypern mit einem Rückgang um 16,1 Prozent und Island mit elf Komma sieben Prozent, gefolgt von Österreich mit einem Minus von sieben Komma vier Prozent und der Schweiz mit sechs Komma eins Prozent.

Europas größte und kleinste Flughäfen besonders betroffen

Insgesamt traf der Konflikt im Nahen Osten vor allem die Kategorien „Major“, „Mega“ und „Large“. Bei den „Major“-Flughäfen sank das Passagieraufkommen um drei Komma fünf Prozent, bei den „Mega“-Airports um ein Prozent. Die Kategorie „Large“ blieb mit einem Plus von null Komma eins Prozent praktisch stabil. Diese großen Drehkreuze bündeln den größten Teil der europäischen Verbindungen in die Region.

Unter den „Major“-Flughäfen zählten im April nur Barcelona, Madrid und Amsterdam-Schiphol mehr Passagiere. In Barcelona lag das Plus bei vier Komma eins Prozent, in Madrid bei drei Komma drei Prozent und in Amsterdam-Schiphol bei zwei Komma sieben Prozent.

Am stärksten brachen die Zahlen in München und Frankfurt ein – in München um 16,4 Prozent, in Frankfurt um elf Prozent. Grund waren nicht weniger als sieben Streiktage im Laufe des Monats.

Auch in der Türkei schwächte sich der Verkehr ab: Der Flughafen Istanbul und Istanbul Sabiha Gökçen, sonst klare Wachstumstreiber, verzeichneten Rückgänge um sechs Komma acht beziehungsweise drei Komma vier Prozent. In London nahmen die Passagierzahlen in Gatwick um acht Komma acht Prozent ab, in Heathrow um fünf Komma drei vier Prozent. Rom-Fiumicino und Paris-Charles-de-Gaulle bewegten sich mit minus null Komma sechs beziehungsweise null Komma null Prozent praktisch auf der Stelle.

Anders sah es bei den „Medium“- und „Small“-Flughäfen aus, deren Streckennetz überwiegend innereuropäisch ist. Dort stieg das Passagieraufkommen im April um zwei Komma eins beziehungsweise fünf Komma fünf Prozent. Billigfluggesellschaften bauten ihre Kapazitäten kaum ab, zudem verlagerte sich ein Teil der Nachfrage von der Langstrecke auf Mittel- und Kurzstrecken.

Kleine Flughäfen bleiben im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 dennoch die größten Problemfälle: Dort lag das Passagieraufkommen weiterhin um 27,7 Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie. Das verweist auf tiefgreifend veränderte Marktbedingungen und große wirtschaftliche Probleme.

Schengen-EES bleibt akute Sorge

Für Olivier Jankovec, Generaldirektor von ACI EUROPE, markiert der April einen klaren Wendepunkt für den europäischen Luftverkehr.

„Schon zuvor haben wir gesehen, dass sich das Wachstum der Passagierzahlen nach dem kräftigen Post-Covid-Aufschwung normalisiert. Nun bremst die geopolitische Unsicherheit – allen voran der Krieg im Nahen Osten – die Entwicklung zusätzlich und legt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Märkten offen“, sagt er.

„Erfreulich ist, dass die Nachfrage insgesamt robust bleibt, die Kapazitätskürzungen der Airlines begrenzt sind und sich die Sorge vor möglichen Kerosinknappheiten abgeschwächt hat.“

Gleichzeitig bleiben, so Jankovec, „die gravierenden Störungen und Belastungen für Reisende durch die mit dem Schengen-Einreise-/Ausreisesystem verbundenen Grenzkontrollen“ die größte unmittelbare Sorge.

„Wenn die Behörden nicht mehr Spielraum erhalten, bis hin zur vollständigen Aussetzung des Systems, wo es betrieblich erforderlich ist, werden sich die Beeinträchtigungen für die Passagiere in den kommenden Wochen und Monaten noch verstärken“, warnt er.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Nachtzüge im Blick: neue Karte zeigt alle Schlafzugverbindungen in Europa 2026

Zurück in die Zeit großer Arktisexpeditionen: Übernachtung in Kabine im Stil des 19. Jahrhunderts

Frankreich vergibt 33 Palast-Hotel-Titel für 2026, sechs neue Häuser auf Elite-Liste