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Barrierefreie Abenteuer in Europa: diese Reiseziele empfehlen Expertinnen und Experten

Reiseziele verbessern Barrierefreiheit für Reisende
Reiseziele bauen Barrierefreiheit für Urlauber aus Copyright  Pierre Satch Naturellement Reiki via Unsplash 
Copyright Pierre Satch Naturellement Reiki via Unsplash 
Von Sarah Faith
Zuerst veröffentlicht am
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Von barrierearmen Bergtouren in Schottland bis zu Tastmuseen auf Sizilien: Reisende mit Behinderung nennen die inklusivsten Ziele Europas.

Bergpfad oder mittelalterliche Stadt? Die Urlaubsplanung in Europa fällt nicht leicht. Wenn man außerdem auf Barrierefreiheit achten muss, wird die Entscheidung noch komplizierter.

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Kein Wunder: Einer aktuellen YouGov-Umfrage (Quelle auf Englisch) zum barrierefreien Reisen im Auftrag von Responsible Travel zufolge ist nach den Kosten vor allem fehlendes Selbstvertrauen das Problem. Viele Menschen mit besonderen Anforderungen an die Barrierefreiheit buchen deshalb nicht die Reisen, die sie sich wünschen.

In diesem Beitrag stellen Reisende mit Behinderungen und Expertinnen und Experten für barrierefreien Tourismus ihre Lieblingsziele in Europa vor – gute Ausgangspunkte, um mehr Sicherheit beim Reisen zu gewinnen.

Cairngorms, Schottland: Karen Darke

Bei einem Kletterunfall mit einundzwanzig Jahren zog sich Abenteurerin Karen Darke (Quelle auf Englisch) eine Querschnittslähmung zu. Seitdem hat sie unter anderem bei den Paralympics 2016 in Rio eine Goldmedaille gewonnen, Grönland im Sitzski durchquert und ist mit dem Handbike von Kanada bis nach Mexiko gefahren.

„Die Cairngorms zeigen, dass Outdoor-Abenteuer und Barrierefreiheit sehr gut zusammenpassen“, sagt Darke. Der Nationalpark beginnt praktisch vor ihrer Haustür in Schottland und ist ihrer Meinung nach der ideale Ort für inklusive Familienurlaube.

Sie empfiehlt, im Besucherzentrum von Rothiemurchus zu starten. „Ein großartiger Ausgangspunkt mit barrierefreien Wegen durch den wunderschönen kaledonischen Kiefernwald. In der Nähe liegen Orte wie Loch Morlich, Loch Insh und Loch an Eilean, die alle unterschiedlich gut zugänglich sind und dennoch wild und landschaftlich eindrucksvoll wirken.“

Darke hebt auch den Cairngorm Mountain hervor, wo eine Standseilbahn die Bergwelt und die Aussicht für alle erreichbar macht. Im Winter lohnt sich zudem adaptiver Skisport im Skigebiet gemeinsam mit Disability Snowsport UK (Quelle auf Englisch).

Und zum Übernachten? Sie empfiehlt das Badaguish Outdoor Centre (Quelle auf Englisch) mit großen, barrierefreien Lodges oder die Glenmore Lodge (Quelle auf Englisch), die mit ihrem Programm „Accessible Adventures“ barrierefreie Unterkünfte und maßgeschneiderte Aktivitäten anbietet. Alternativ lohnt sich Able2Adventure (Quelle auf Englisch) für adaptives Mountainbiken, Handbiken, Stand-up-Paddeln und mehr.

Göteborg, Schweden: Rachel Nafzger

Rachel Nafzger ist blind, lässt sich davon aber nicht abhalten, Europa und die Welt zu erkunden. Neben der praktischen Seite sei ihr, sagt sie, „die Atmosphäre einer Stadt mindestens genauso wichtig“. Und Göteborg, das 2014 als EU Access City ausgezeichnet wurde, schneidet da besonders gut ab.

„Überall wirkte alles sehr entspannt, offen und sicher“, erzählt sie. „Ich hatte keinerlei Hemmungen, zufällige Passantinnen und Passanten anzusprechen, und sie waren immer hilfsbereit – meist mit peinlich gutem Englisch.“

Rachel Nafzger unterwegs
Rachel Nafzger unterwegs Rachel Nafzger

Den öffentlichen Nahverkehr Göteborgs nennt sie „fantastisch“: „Das hervorragende Straßenbahnnetz hat mir immer Orientierung gegeben und dafür gesorgt, dass ich problemlos unterwegs war.“

Nafzger rät, für maßgeschneiderte Unterstützung mit einem spezialisierten Reiseveranstalter zu reisen oder eine vertraute Begleitperson mitzunehmen. Gleichzeitig ermuntert sie Reisende, bei Bedarf unterwegs die Menschen vor Ort anzusprechen. „Der direkte Kontakt zu den Leuten vermittelt ein echtes Gefühl für einen Ort – und sorgt oft für die besten Reisegeschichten“, sagt sie.

Berlin, Deutschland: Paul Mahoney

Der begeisterte Reisende Paul Mahoney, der einen Rollstuhl nutzt, war von Berlin so angetan, dass er bereits dreimal zurückgekehrt ist – und dort sogar am Halbmarathon teilgenommen hat. Die Strecke war flach und für Rollstuhlnutzerinnen und -nutzer „hervorragend vorbereitet“.

„Berlin setzt als Stadt wirklich Maßstäbe bei der Barrierefreiheit“, sagt er. Er empfiehlt den Reichstag, wo „die Zugänge mit Rampen klar ausgeschildert“ seien, die Gedenkstätte Berliner Mauer und das Brandenburger Tor. Einige Wege im Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals seien zwar etwas knifflig, der übrige Teil der Anlage sei jedoch vollständig zugänglich – und davon solle man sich nicht abschrecken lassen.

Paul Mahoney: Berlin setzt wirklich den Maßstab für Barrierefreiheit in einer Stadt
Paul Mahoney: Berlin setzt wirklich den Maßstab für Barrierefreiheit in einer Stadt Paul Mahoney

Mahoney lobt zudem die Berliner Verkehrsinfrastruktur als „sehr rollstuhlfreundlich“. Besonders hebt er hervor: „Der HoHo-Bus (Hop-on-hop-off-Stadtrundfahrt) ist komplett barrierefrei, mit absenkbarer Rampe und viel Platz im Inneren.“ Auch eine Zugfahrt zu einem KZ-Museum außerhalb der Stadt habe nur wenige Hürden bereitet – „angesichts des historischen Charakters der Gebäude ist das bemerkenswert“, sagt er.

Bevor man eine Reise bucht, empfiehlt Mahoney einen Blick auf die „besonders hilfreiche“ Website [visitberlin.de](http://visitberlin.de %28Quelle auf Englisch%29) mit aktuellen Informationen zur Barrierefreiheit.

Auch Rachel Nafzger schwärmt von Berlin und bezeichnet die Stadt als „König der Tastmodelle“.

„Sie stehen nicht nur überall in der Stadt, es gibt sogar eine eigene Ausstellung namens Stadtmodelle“, erzählt sie. „Dort gibt es eine riesige dreidimensionale Tastkarte von Berlin, an der man den Stadtgrundriss ertasten kann, sowie mehrere kleinere Tastmodelle berühmter Sehenswürdigkeiten – jeweils mit Informationstafeln in Brailleschrift.“

Amsterdam, Niederlande: Carrie-Ann Lightley

Carrie-Ann Lightley (Quelle auf Englisch) ist eine preisgekrönte Reisejournalistin und engagierte Verfechterin von Barrierefreiheit. Nach Amsterdam kehrt sie immer wieder zurück – eine der wenigen Städte, von der sie das sagt. Denn dort, so Lightley, „fühlt sich Barrierefreiheit nicht wie ein nachträglicher Zusatz an“.

„Es fühlt sich wirklich unkompliziert an“, sagt sie. „Die Stadt ist flach, kompakt und deutlich leichter eigenständig zu erkunden als viele historische Städte in Europa. Der barrierefreie öffentliche Nahverkehr – vor allem Straßenbahnen und Züge – macht einen großen Unterschied. Und die Anreise mit dem Eurostar nimmt viel von dem Stress und der Unberechenbarkeit, die Flugreisen mit sich bringen können.“

Carrie-Ann Lightley ist großer Fan von Amsterdam als Ziel für barrierefreies Reisen
Carrie-Ann Lightley ist großer Fan von Amsterdam als Ziel für barrierefreies Reisen Carrie-Ann Lightley

Lightley rät, in der Nähe von Amsterdam Centraal zu übernachten, um flexibel zu bleiben, und eine barrierefreie Grachtenrundfahrt mit der Blue Boat Company (Quelle auf Englisch) zu machen – „ein großartiger Überblick über die Stadt, ohne die ganze Energie in das Manövrieren durch volle Straßen stecken zu müssen“.

Außerdem empfiehlt sie das Rijksmuseum und das Van-Gogh-Museum, beide mit sehr guter Barrierefreiheit und klarer Wegeführung. Wer trotzdem noch unsicher ist, für den ist Amsterdam, so Lightley, „ein hervorragendes Ziel, um Selbstvertrauen beim Reisen zu gewinnen“.

Catania, Sizilien, Italien: Damiano La Rocca

Damiano La Rocca ist der Gründer von Seable (Quelle auf Englisch), einem Anbieter maßgeschneiderter Einzel- und Gruppenreisen für blinde und sehbehinderte Menschen. Er lobt, dass lokale Touren in Catania „klassisches Sightseeing in ein vollständig immersives, multisensorisches und barrierefreies Erlebnis verwandelt haben“.

Die Stadt spricht viele Sinne an: Streetfood, sizilianisches Eis und bröselige Cannoli, Weinverkostungen oder der Lärm und die Gerüche des Fischmarkts. Besonders empfiehlt La Rocca das Tactile Museum, das, wie er sagt, „von vielen als eines der besten in Europa bewertet wird und unglaublich detailreiche dreidimensionale Modelle der historischen Bauwerke Siziliens zeigt“.

Ein Muss sei zudem eine barrierefreie Tour zum Ätna. „Die Guides ermöglichen ein wirklich sinnliches Erlebnis. Man fährt mit der Seilbahn und einem barrierefreien 4x4-Jeep bis zum Gipfel und kann die Vulkanerde buchstäblich unter den Füßen spüren.“

Eine sechstägige, individuell zugeschnittene Reise nach Sizilien kostet ab 1.850 Pfund (2.134) pro Person; darin enthalten sind Übernachtung mit Frühstück, Aktivitäten und eine von Seable geschulte sehende Reisebegleitung für bis zu acht Stunden am Tag.

Sarah Faith ist Senior Values Writer beim aktivistischen Reiseunternehmen Responsible Travel.

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