Ein neues Frachtterminal, größere Treibstofflager und eine zollfreie Sonderzone sollen Transitzeiten und Kosten senken. Damit wirbt der Standort um Airlines und Logistiker, die nach alternativen Routen zwischen Europa und Asien suchen.
Der Navoi International Airport im Zentrum Usbekistans baut seine Frachtkapazitäten und die Logistikinfrastruktur aus. So will der Flughafen mehr Transitverkehr zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten anziehen und seine Rolle in internationalen Lieferketten stärken, erklärten Flughafenvertreter.
Der Flughafen liegt an wichtigen Transportkorridoren zwischen China, Europa und dem Nahen Osten. Er profitiert von stabilen Flugbedingungen mit geringer Luftfeuchtigkeit und wenig Nebel. Hinzu kommt die Nähe zu Industriegebieten, einer Freien Wirtschaftszone sowie zu ausgebauten Bahn- und Straßennetzen.
Diese Faktoren fördern den Ausbau zu einer multimodalen Logistikdrehscheibe für interkontinentale Frachtfluggesellschaften und Spediteure.
„Der Schwerpunkt des Navoi Airport lag noch nie auf dem Passagierverkehr“, sagte Alisher Klichev, Direktor des Navoi International Airport.
„Unser Ziel ist ein zentrales Drehkreuz für den Frachttransit zwischen Europa und Asien. Wir wollen Luft-, Straßen- und Schienenverkehr nahtlos miteinander verbinden“, fügte er hinzu.
Infrastruktur-Ausbau und höhere Frachtkapazität
Der Flughafen errichtet einen Frachtterminal mit einer Fläche von 16.000 Quadratmetern. Er ist für Standardfracht, wertvolle und gefährliche Güter, E-Commerce-Sendungen sowie Post- und Kurierlieferungen ausgelegt.
Die Anlage soll die Abfertigungskapazität erhöhen und wachsende Frachtmengen auf den eurasischen Routen bewältigen, vor allem bei steigender Nachfrage nach schnellen Verbindungen zwischen Asien und Europa.
Auch die Infrastruktur für die Treibstofflagerung wächst. Auf Grundlage eines Präsidialerlasses aus dem Jahr 2008 erweitert der Flughafen seine Lagermöglichkeiten für Flugbenzin um 10.000 Tonnen und kommt damit auf insgesamt 15.000 Tonnen.
Die Modernisierung soll zusätzliche Frachtflüge ermöglichen und einen stabilen Betrieb im Langstreckenfrachtverkehr sichern.
„Mit diesem Ausbau können wir den Treibstoffbedarf einer wachsenden Zahl von Frachtflügen zuverlässig decken“, sagte Klichev.
Der Flughafen richtet zudem spezialisierte Betriebszonen ein. Dazu gehören Bereiche für die Frachtabfertigung, Expresssendungen sowie Post- und Kurierdienste.
Diese Zonen sollen Umlaufzeiten verkürzen, die Effizienz der Abfertigung erhöhen und zeitkritische Lieferungen unterstützen, etwa E‑Commerce-Sendungen zwischen Asien und europäischen Märkten.
Zollregime und Einbindung in Handelskorridore
Der Navoi Airport arbeitet eng mit der Freien Wirtschaftszone Navoi und den umliegenden Industriezentren zusammen. So entsteht ein breiteres Logistiknetz, das Luft-, Schienen- und Straßenverkehr verbindet.
Über regionale und internationale Korridore, darunter Routen über Termez, laufen Frachtströme zwischen Zentralasien, Europa und dem Nahen Osten. Das stützt den Transitverkehr in mehreren Märkten.
Klichev erklärte, der Flughafen bediene derzeit Fluggesellschaften wie Maersk, MNG, MyFreighter und FlyKhiva. Das spiegele das wachsende Interesse von Frachtbetreibern in der Region wider.
„Unsere Infrastruktur unterstützt technische Zwischenstopps großer Frachtflugzeuge und ermöglicht Airlines einen flexiblen und verlässlichen Betrieb“, fügte er hinzu.
Ein zentrales Element der Entwicklungsstrategie des Flughafens ist die Einführung eines Porto-franco-Zollregimes. Es erlaubt, Waren ohne Zölle und Steuern zu importieren, zu lagern, zu verarbeiten und wieder auszuführen.
Unternehmen können Sendungen bündeln, aufteilen und neu verpacken. Das schafft Flexibilität für Logistikdienstleister und verkürzt die Transitzeiten im internationalen Handel.
Die Zone umfasst außerdem technische Dienstleistungen für Flugzeuge, etwa die Lagerung und Wartung von Ersatzteilen. Dafür gelten bis zum ersten Januar zweitausendneunundzwanzig Zollbefreiungen.
Dieses Regelwerk soll Logistikunternehmen anziehen, die entlang eurasischer Routen Kosten senken und vereinfachte Zollverfahren nutzen wollen.
„Das Porto-franco-Regime ist ein entscheidender Wendepunkt. Es wird die Geschwindigkeit der Frachtabfertigung deutlich erhöhen und die Attraktivität des Flughafens für internationale Logistikunternehmen stärken“, sagte Klichev.
Ausblick: neue Dienstleistungen und Investitionen
Der Flughafen plant, seine technischen Möglichkeiten bis zweitausendneunundzwanzig mit einem Wartungs-, Reparatur- und Überholungszentrum (MRO) auszubauen.
Der Komplex soll Hangars für Wartung und Lackierung von Großraumflugzeugen umfassen. Damit will Navoi internationale Airlines gewinnen, die technischen Support in Zentralasien benötigen.
„Unser Aerozentrum ermöglicht es Airlines, Wartung und Reparaturen direkt in Navoi durchzuführen – ein Alles-aus-einer-Hand-Angebot für Frachtbetreiber“, sagte Klichev.
Außerdem entsteht ein TIR-Park für den internationalen Straßengüterverkehr mit Kapazität für bis zu fünfzig Lastwagen. Dort werden Zollpapiere, Frachtabfertigung und Services für Fahrer abgewickelt. Der Park verknüpft den Straßengüterverkehr mit den Luft- und Bahnlogistikangeboten.
Das Gelände bietet Unterkünfte und eine rund um die Uhr geöffnete Kantine für Fahrer sowie ein Überwachungssystem für das gesamte Areal. Ruhezonen für Zollbedienstete unterstützen einen durchgehenden Betrieb.
Die langfristige Entwicklungsstrategie für Navoi sieht außerdem den weiteren Ausbau von Frachtterminals und Lagerflächen vor, ebenso die Entwicklung von Logistikparks und Distributionszentren.
Geplant sind zusätzliche Treibstofflager, technische Dienstleistungen und spezialisierte E‑Commerce-Logistiklösungen. So will der Flughafen seine Rolle in den regionalen Lieferketten stärken und zusätzliche internationale Investitionen anziehen.