Drohnenalarm in Litauen: Vilnius stoppf Flugverkehr wegen mutmaßlicher Luftraumverletzung, Flüge fallen aus. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen nennt die Angriffe inakzeptabel und kündigt eine Antwort Europas an.
Litauens Hauptstadt Vilnius ist am Mittwoch wegen eines möglichen Drohnenangriffs weitgehend lahmgelegt worden. Der Vorfall zeigt, wie sehr die Nervosität an der Ostflanke der NATO wächst, seit Russland den Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter fortführt.
Seit Beginn des Monats Mai hat es im Luftraum über den baltischen Staaten und Finnland bereits sechs gemeldete oder vermutete Drohnenüberflüge gegeben. Sie versetzen die europäischen Staaten an der Grenze zu Russland und ihre Verbündeten in Alarmstimmung.
Die Warnung in Vilnius dauerte rund eine Stunde. In dieser Zeit blieb der Haupstadt-Flughafen geschlossen. Das Parlament wurde geräumt, Präsident Gitanas Nausėda und Ministerpräsidentin Inga Ruginienė brachte der Sicherheitsdienst in Schutzräume.
Ursula von der Leyen reagiert
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte anschließend auf der Plattform X: "Russlands öffentliche Drohungen gegen unsere baltischen Staaten sind völlig inakzeptabel."
"Russland und Belarus tragen die direkte Verantwortung für Drohnen, die Leben und Sicherheit der Menschen an unserer Ostflanke gefährden. Europa wird geeint und entschlossen reagieren."
"Koordinierte Provokation" durch Russland
Ihre Äußerungen waren eine Antwort auf einen Brief, den am Mittwoch 15 baltische Europaabgeordnete an sie adressiert hatten. Darin fordern die Politikerinnen und Politiker die Präsidentin der EU-Kommission auf, Russlands Vorgehen scharf zu verurteilen.
"Russlands fortgesetzte, offene, gefährliche und drohende Provokationen gegen die baltischen Staaten" hätten "einen kritischen Punkt erreicht", heißt es in dem Schreiben. Die Abgeordneten verlangen, dass Russland diese Aktionen "sofort" beendet.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk sagte am Mittwoch in Warschau, die Vorfälle seien Teil einer "koordinierten Provokation“ und weiter: "Wir können nicht so tun, als würde nichts geschehen."
Bereits im vergangenen September drangen rund 20 Drohnen in den polnischen Luftraum ein. Tusk sprach damals von einer "unmittelbaren Bedrohung" und machte dafür den russischen Präsidenten Wladimir Putin verantwortlich.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte führte die Drohnenvorfälle auf Russlands "rücksichtslose, völkerrechtswidrige, großangelegten" Krieg der Ukraine zurück. Er lobte zugleich die Einsatzbereitschaft der Kampfjets des Bündnisses, die etwa im Fall des Eindringens über Estland schnell reagiert hätten. "Genau dafür haben wir vorgesorgt", sagte Rutte.
Ein Teil der Drohnen stammt zwar aus der Ukraine, sie gelten jedoch als von Russland über den baltischen Luftraum umgeleitet, um Verwirrung und Angst zu schüren.
Der EU-Kommissar für Verteidigung, Andrius Kubilius, erklärte am Dienstag nach einem einzelnen Drohnenvorfall in Lettland, Russland probiere neue "Formen" des Drucks auf die Staaten der Ostflanke aus. Ziel sei es, "die Menschen in der Region einzuschüchtern".
Er schrieb auf X : "Unsere Antwort: weiterer Ausbau der nationalen Verteidigungsausgaben; weiterer Ausbau der nationalen Verteidigungsausgaben; weiterer Ausbau der EU-Unterstützung für die Ostflanke; stärkere Unterstützung der Ukraine, damit die Ukraine siegt".