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Südkoreanisches Hotel schult humanoide Roboter mit Kameras an Händen der Mitarbeitenden

David Park, Hotelangestellter im Lotte Hotel Seoul, trägt eine Körperkamera, faltet Bankettservietten, poliert Gläser und deckt den Tisch.
Im Lotte Hotel in Seoul faltet Hotelangestellter David Park mit angelegter Bodycam Bankettservietten, poliert Gläser und deckt einen Tisch. Copyright  AP Photo
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Von Roselyne Min mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Das Projekt zeigt Südkoreas Anspruch, Chipfabriken und Technologie in einen Vorteil bei „physischer KI“ zu verwandeln. Doch kann das Land in einem von USA und China dominierten Feld aufholen?

In Südkorea falten Hotelangestellte Servietten und polieren Gläser, während Kameras jede Bewegung erfassen. So sollen humanoide Roboter lernen, dieselben Aufgaben in Hotels, Fabriken und Lagerhäusern zu übernehmen.

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In einem Luxushotel in der Hauptstadt Seoul faltet David Park Servietten, poliert Gläser und deckt Tische. Kameras an Kopf, Brust und Händen zeichnen jede seiner Bewegungen im Detail auf.

Etwa einmal im Monat nimmt Park an diesen Aufnahmesitzungen teil. Sie sind Teil eines Projekts des südkoreanischen KI-Unternehmens RLWRLD. Ziel ist es, KI-Systeme für fünffingerige Roboterhände zu entwickeln, die menschliche Berührung und Bewegung möglichst genau nachahmen.

Nach Angaben des Unternehmens erfasst der Prozess äußerst detaillierte Daten – von der Fingerstellung über die Gelenkwinkel bis zur aufgewendeten Kraft bei jeder Aufgabe.

Die Entwickler nutzen diese Daten anschließend, um Roboter mit menschenähnlichen Metallhänden und Kameras an Bord zu trainieren.

In Vorführungen sortieren die Roboter Besteck, heben Tassen an, ordnen Tabletts und falten Stoffservietten in nachgebauten Hotelumgebungen.

Aktuelle humanoide Systeme sind noch deutlich langsamer als Menschen. Nach Angaben von RLWRLD braucht ein Roboter derzeit mehrere Stunden, um ein Hotelzimmer zu reinigen, das das Personal in rund vierzig Minuten vorbereitet.

Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf rasante Fortschritte bei KI-Software und Robotik-Hardware. Bis 2028 sollen die eigenen Systeme in industriellen KI-Robotern zum Einsatz kommen.

Laut RLWRLD eignet sich die Arbeit in der Hotellerie besonders gut als Trainingsfeld, da viele Aufgaben dort hohe Präzision und sehr feinfühlige Handbewegungen erfordern.

„Wenn bei Lotte Hotels ein Roboter Servietten falten soll, reicht ein einfacher Greifer nicht aus“, sagt Hyemin Cho, bei RLWRLD für Geschäftsentwicklung und Strategie zuständig. „Damit lassen sich nicht die präzisen, scharfen Falten erzeugen, die in einem Hotel erwartet werden. Das wäre für den Service nicht gut genug.“

Nach Unternehmensangaben sammelt RLWRLD ähnliche Daten auch bei Logistikmitarbeitenden in Lagern des südkoreanischen Konzerns CJ Group und bei Beschäftigten der japanischen Convenience-Store-Kette Lawson. Dort werden ihre Handbewegungen erfasst, wenn sie Waren einräumen und Auslagen mit Lebensmitteln gestalten.

Ziel ist eine KI-Software, die in den kommenden Jahren auf ganz unterschiedlichen Robotern in Fabriken und anderen Betrieben laufen soll – und später möglicherweise auch in privaten Haushalten.

Ingenieure von RLWRLD betonen, dass die Nachbildung der Fingerfertigkeit menschlicher Hände oberste Priorität hat.

Wettlauf um physische KI

Das Projekt ist Teil von Südkoreas wachsender Offensive im Bereich der „physischen KI“. In diesem Segment geht es um Roboter, die ihre Umgebung wahrnehmen, Entscheidungen treffen und in der realen Welt handeln.

Ähnlich wie Chatbots wie ChatGPT oder Gemini riesige Textmengen aus dem Internet auswerten, brauchen KI-Roboter umfangreiche Daten über menschliche Handlungen, um komplexe körperliche Aufgaben zu bewältigen.

Südkoreanische Unternehmen sehen hier einen möglichen Vorteil: Das Land verfügt über eine starke Industrieproduktion und viele hochqualifizierte Fachkräfte. Deren Know-how lässt sich in Trainingsdaten für Roboter übersetzen.

Die Offensive ist Teil einer breiter angelegten Strategie: Südkorea will seine Stärken in der Halbleiterfertigung und im Maschinenbau in eine bessere Ausgangsposition bei KI-Robotern ummünzen, auch wenn die USA und China das Feld im Rahmen ihres umfassenderen Technologiewettstreits weiterhin anführen.

Das Land verstärkt seine Anstrengungen im Wettlauf um humanoide Robotik. Die Regierung hat kürzlich ein nationales Programm im Umfang von 33 Millionen Dollar (28 Millionen Euro) angekündigt. Damit will sie das „instinktive Know-how und die Fähigkeiten“ erfahrener Techniker erfassen, um KI-gesteuerte Industrieroboter zu trainieren.

Auch Großkonzerne investieren kräftig. Hyundai Motor plant, ab 2028 humanoide Roboter des Unternehmens Boston Dynamics in seinen Werken einzusetzen.

Samsung Electronics kündigt an, bis 2030 alle Fertigungsstätten in „KI-gesteuerte Fabriken“ umzubauen – mit humanoiden Robotern und spezialisierten Arbeitsrobotern entlang der gesamten Produktionslinien.

Die Entwicklung schürt allerdings bei einigen Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen die Sorge, dass Roboter langfristig Arbeitsplätze ersetzen könnten.

Für Park, der seit neun Jahren in der Hotellerie arbeitet, überwiegt jedoch die Neugier auf die neue Technik die Sorge.

„Schaut man sich den gesamten Ablauf der Eventvorbereitung hinter den Kulissen an, können humanoide Roboter unserer Einschätzung nach vielleicht 30 bis 40 Prozent der Arbeit übernehmen“, sagt Park.

„Schwieriger wird es bei den übrigen 50, 60, 70 Prozent der Arbeit, bei denen es um echte Interaktion von Mensch zu Mensch geht. Insofern finde ich das eher spannend als beunruhigend.“

Weitere Informationen zu dieser Geschichte finden Sie im Video im Player oben.

Cutter • Roselyne Min

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