In der Schweiz haben Iran und die USA erste Schritte auf dem Weg zu einem möglichen Kriegsende vereinbart. Eine neue “de-confliction cell” soll die Kämpfe im Libanon eindämmen – doch Trumps Drohungen und der Streit um die Straße von Hormus belasten die Gespräche.
In der Schweiz sind am Montagmorgen hochrangige Verhandlungen über ein dauerhaftes Ende des Iran-Kriegs vorerst zu Ende gegangen. Im Laufe der Woche sollen nun Fachgespräche auf niedrigerer Ebene folgen. Iran und die USA vereinbarten dabei die Einrichtung einer sogenannten “de-confliction cell”, die sich mit den Kämpfen im Libanon befassen soll.
In einer Erklärung der Vermittler Pakistan und Katar heißt es, diese Zelle werde auch die libanesische Regierung einbeziehen und die Einstellung der Militäroperationen im Libanon überwachen.
Noch ist unklar, ob das ausreicht, um die Gefechte zwischen der von Iran unterstützten Hisbollah und Israel zu beenden. Israel besetzt Teile des Libanon und beharrt darauf, militante Gruppen, die Nordisrael angreifen, weiterhin ohne Einschränkungen attackieren zu können.
Die USA äußerten sich zunächst nicht zum Inhalt der ersten Rahmenvereinbarung. Iran lobte hingegen die Arbeit der Vermittler. Staatliche Medien sprachen von einem "bemerkenswerten Durchbruch".
Vance und die US-Unterhändler, darunter Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn Trumps, trafen Qalibaf und Araghchi zu einem Gespräch, das nach Angaben iranischer Staatsmedien rund 80 Minuten dauerte.
Später schrieb der iranische Außenminister Abbas Araghchi auf X: "Die unermüdliche Vermittlung Pakistans und Katars hat große Fortschritte zur Beendigung des Libanonkriegs gebracht." Der erste "echte Test" der Verhandlungen werde sein, ob es der De-Confliction-Zelle gelinge, die Kämpfe im Libanon zu stoppen, erklärte er.
Die Gespräche markieren den Auftakt eines 60-tägigen diplomatischen Prozesses. Ziel ist ein dauerhaftes Abkommen zur Beendigung der US-israelischen Offensive auf Teheran, die am 28. Februar begann und seit dem 8. April nur durch eine brüchige Waffenruhe unterbrochen ist.
Die Gefechte im Libanon bleiben einer der zentralen Streitpunkte. Iran hat die anhaltenden Auseinandersetzungen dort zu einem wesentlichen Bestandteil jedes Waffenstillstandsabkommens mit den USA gemacht.
Unterdessen hat Iran am Wochenende erneut die Straße von Hormus geschlossen, die enge Zufahrt zum Persischen Golf. In Friedenszeiten fließt durch sie etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels. Die USA erklärten hingegen, der Schiffsverkehr laufe weiter.
Die Verhandlungen hatten am Sonntag in der Schweiz unter angespannten Vorzeichen begonnen. Teheran reagierte verärgert auf eine Angriffsdrohung von US-Präsident Donald Trump und dessen Warnung, Irans Präsident solle auf seine Worte achten.
"Iran muss seine hoch bezahlten PROXIES im Libanon sofort daran hindern, Probleme zu machen", schrieb Trump in sozialen Netzwerken. "Wenn sie das nicht tun, werden wir Iran wieder sehr hart treffen, genau wie vergangene Woche, nur noch härter!!!"
Die Äußerungen aus der Ferne, in sozialen Netzwerken und gegenüber Medien, erschwerten die Bemühungen von US-Vizepräsident JD Vance sowie der Vermittler Pakistan und Katar, Iran in den Gesprächen zu halten.
"Sie täten besser daran, mit ihren Aussagen vorsichtig zu sein", schrieb Irans Chefunterhändler und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf nach Trumps Äußerungen auf X.
"Unsere Streitkräfte sind bereit, ihnen auf andere Weise zu antworten. Sie können weiterreden, wir sind es, die handeln."
Ein ranghoher US-Diplomat, der an den Gesprächen beteiligt ist, sagte unter der Bedingung der Anonymität, am Sonntag sei es auch darum gegangen, was Iran mit seinen jüngsten Äußerungen zur Straße von Hormus genau gemeint habe.
Die Unterhändler diskutierten demnach auch über "Mechanismen", um die Meerenge offen zu halten und einen Waffenstillstand im Süden des Libanon durchzusetzen. Außerdem habe es "robuste" Gespräche über die Nuklearfrage gegeben.