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Schlangenplage bedroht Balearen: Wie die Hufeisennatter die Inseln erobert

Ein Exemplar der Hufeisennatter, dokumentiert von der balearischen Regierung.
Die Balearen-Regierung meldet ein Exemplar der Hufeisennatter. Copyright  Govern de les Illes Balears
Copyright Govern de les Illes Balears
Von Javier Iniguez De Onzono
Zuerst veröffentlicht am
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Eine invasive Schlange breitet sich auf den Balearen rasant aus – eingeschleppt offenbar mit Zieroliven vom Festland. Für Menschen ist die Hufeisennatter harmlos, für die einzigartige Eidechsenwelt der Inseln aber eine massive Bedrohung.

Die Ausbreitung der Hufeisennatter auf den Balearen gilt inzwischen als eine der größten Bedrohungen für die Artenvielfalt der Inseln. Die invasive Schlange gelangte offenbar versehentlich mit Zieroliven von der Iberischen Halbinsel auf das Archipel. Inzwischen hat sie große Teile Ibizas und Formenteras besiedelt und setzt den Beständen einheimischer Eidechsen stark zu. Einige von ihnen kommen nur dort vor.

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Experten warnen, dass sich die Art in einem Ökosystem ohne nennenswerte natürliche Feinde wie ein Superräuber verhält. Sie breitet sich so schnell aus, dass Forscher bereits das lokale Verschwinden der Pityusen-Eidechse auf mehreren kleinen Inseln dokumentiert haben. Zudem wurden Schlangen beobachtet, die zwischen Inseln schwimmen, offenbar auf der Suche nach neuer Beute.

Ganz zufällig war die Ankunft der Hufeisennatter auf den Balearen allerdings nicht. Die Geschichte begann vor mehr als zwei Jahrzehnten und hängt mehreren Studien zufolge eng mit dem Handel großer Zierolivenbäume vom spanischen Festland zusammen.

Eine stille Invasion

Alles begann im Jahr 2003, als auf Ibiza die erste Hufeisennatter ("Hemorrhois hippocrepis") gesichtet wurde – der erste Nachweis auf den gesamten Balearen. Bis dahin kam die Art nur im Maghreb, auf der Iberischen Halbinsel und in Teilen Sardiniens vor.

Die balearische Regierung nahm die ökologische Bedrohung jedoch erst sieben Jahre später ernst. Damals erschienen erste Studien, die die Verbreitung der Schlange in weiten Teilen der größten Pityusen-Insel belegten. In einer dieser Arbeiten, zu einem Zeitpunkt, als die invasive Natter bereits 2006 Mallorca und 2010 Formentera erreicht hatte, nannte die Biodiversitätsabteilung der Inseln einen plausiblen Auslöser:

"Die Bewohner von Capdepera, einem Ort an der Ostspitze Mallorcas, bringen die Ankunft dieser iberischen Olivenbäume mit der Einschleppung der Schlangen in Verbindung – eine Möglichkeit, die plausibel ist, da alle drei Arten im Herkunftsgebiet der Oliven verbreitet sind (...). In den vergangenen zwanzig Jahren ist die Zahl der für Garten- und Landschaftsbau bestimmten Großbäume deutlich gestiegen", heißt es in der Studie.

Statt lokale Olivenbäume zu pflanzen und ihr Wachstum abzuwarten, ließen Grundstückseigentümer und beauftragte Gartenbaufirmen ausgewachsene Bäume vom Festland bringen – mitsamt den blinden Passagieren.

Das ist keine bloße Vermutung: In der Studie verweist die Regionalregierung ausdrücklich auf ein Gartenbauunternehmen in Sant Llorenç de Balàfia auf Ibiza, bei dessen Lieferungen gleich zweimal Hufeisennattern dokumentiert wurden. Umweltverbände kritisieren zudem, dass auch die Inselregierung selbst versucht habe, bestimmte Gebiete mit importierten Baumarten wieder aufzuforsten.

Seitdem hat die Art, die nicht mit der scheuen Garriga-Natter ("Macroprotodon mauritanicus") verwechselt werden sollte, mehrere Etappen ihrer Insel-Eroberung hinter sich.

Rund 90 Prozent Ibizas sind inzwischen von der Hufeisennatter besiedelt. Für Menschen ist sie ungefährlich, für andere Tierarten auf den Balearen jedoch ein Superprädator, weil sie in der Nahrungskette kaum Konkurrenz hat. Sie frisst kleine Säuger, andere Schlangen und vor allem Pityusen-Eidechsen, eine als "gefährdet" eingestufte Art, die nur auf Ibiza, Formentera und den umliegenden Felsinseln lebt.

Ein Exemplar von „Podarcis pityusensis“
Ein Exemplar von „Podarcis pityusensis“ Govern de les Illes Balears

Im Jahr 2024 gelang erstmals eine Videoaufnahme einer Hufeisennatter, die durch das Balearische Meer schwamm – offenbar auf der Suche nach neuer Beute. Forscher des Zentrums für Ökologische Forschung und Forstanwendungen (CREAF) haben inzwischen das Verschwinden von "Podarcis pityusensis" auf rund zehn kleinen Inseln bestätigt, darunter Santa Eulària. Dort dokumentierten sie auch die schwimmende Schlange. Auf jedem dieser Eilande lebte zuvor eine eigene Unterart mit charakteristischer Färbung.

Die im lokalen Dialekt "sargantanas" genannten Eidechsen erfüllen wichtige Aufgaben für das ökologische Gleichgewicht der Inseln: Sie regulieren bestimmte Insektenpopulationen, verbreiten Samen und tragen sogar zur Bestäubung bei.

Die Regionalregierung beschloss vor drei Jahren Maßnahmen, um die Einfuhr von Bäumen in bestimmten Jahreszeiten zu begrenzen – vor allem dann, wenn Schlangeneier schlüpfen. Doch diese Schritte kamen zu spät. Auch Fangaktionen bleiben weitgehend wirkungslos: Seit 2016 wurden nach offiziellen Angaben rund 12.000 Schlangen eingefangen. Trotzdem breitet sich die Art weiter aus und dürfte in diesem Winkel des Mittelmeers, der ohnehin an Touristeninvasionen gewöhnt ist, bleiben.

Die Hufeisennatter ist nicht die einzige eingeschleppte Schlange auf den Mittelmeerinseln. Dort leben inzwischen auch die Treppennatter ("Zamenis scalaris"), die Vipernatter ("Natrix maura") und die Montpellier-Schlange ("Malpolon monspessulanus"). Die einzigen für Menschen giftigen Schlangenarten in Spanien – die Aspisviper, die Stülpnasenotter und die Kantabrische Viper – haben die balearischen Küsten bislang jedoch nicht erreicht.

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