US-Präsident Donald Trump droht Iran mit einem Militärschlag, falls Teheran die Hisbollah nicht stoppt. Irans Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf warnt Washington, es solle mit seinen Äußerungen vorsichtig sein.
Während in der Schweiz hinter verschlossenen Türen an einem Friedensabkommen zwischen den USA und Iran gefeilt wird, überziehen sich beide Seiten öffentlich mit Drohungen.
Mehrere Streitpunkte könnten die Bemühungen, den Krieg zu beenden, noch scheitern lassen.
Die Gespräche sollen einen Krieg beenden, der den Nahen Osten stark destabilisiert und die Weltwirtschaft erschüttert hat. Vereinbart werden soll zudem eine 60-tägige Frist, um Streitfragen zu lösen, die die Beziehungen zwischen den USA und Iran seit Jahrzehnten belasten.
Zum Auftakt der Gespräche drohte US-Präsident Donald Trump, die Angriffe auf Iran wiederaufzunehmen, falls Teheran die Hisbollah nicht davon abhalte, im Libanon „Probleme zu machen“.
In seinem Netzwerk Truth Social schrieb Trump: „Wenn sie das nicht tun, werden wir Iran wieder sehr hart treffen, so wie vergangene Woche, nur noch härter.“
Die Verhandlungen laufen vor dem Hintergrund neuer Gefechte im Süden des Libanon zwischen der israelischen Armee und der von Iran unterstützten Miliz Hisbollah.
Das Memorandum of Understanding, das am Mittwoch zwischen den Vereinigten Staaten und Iran unterzeichnet wurde, sieht eine Beendigung der Kampfhandlungen an allen Fronten vor, auch im Libanon.
Irans Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf konterte Trumps Drohung und warnte die USA, „unsere Streitkräfte sind bereit zu reagieren“.
„Glauben sie nicht, wenn ihre Drohungen etwas bewirken würden, wären sie nicht in ihrem heutigen Zustand der Verzweiflung? Wir nehmen amerikanische Drohungen nicht ernst“, sagte Ghalibaf.
„Sie täten gut daran, ihre Worte zu wägen; unsere Streitkräfte sind bereit, ihnen auf andere Weise zu antworten. Egal, was sie sagen, wir sind diejenigen, die handeln.“
Libanon bleibt Hauptstreitpunkt
Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schaltete sich ein. Er bekräftigte, die israelischen Streitkräfte würden so lange im Süden des Libanon bleiben, „wie es nötig ist“, und versprach zugleich, Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern.
„Wir bleiben so lange in der Sicherheitszone im Süden des Libanon, wie es nötig ist, um die geschätzten Bewohner des Nordens und alle Bürger Israels zu schützen. Nichts wird dieses Versprechen verändern“, sagte Netanjahu.
„Was Iran betrifft: Ganz gleich, welche politischen Entwicklungen es geben wird, ich werde Iran nicht erlauben, Atomwaffen zu erwerben. Solange ich Ministerpräsident Israels bin, wird das nicht geschehen.“
Hisbollah-Chef Naim Qassem wies jede israelische Sicherheitszone im Libanon zurück und erklärte, ein Verbleib israelischer Truppen auf libanesischem Boden sei „unmöglich“.
Die Gespräche über ein Ende des monatelangen Konflikts finden zudem vor dem Hintergrund statt, dass Iran erneut die strategisch wichtige Straße von Hormus geschlossen hat – als Reaktion auf die jüngsten israelischen Angriffe auf den Libanon.
„Es ist nicht möglich, in die Phase der Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen einzutreten“, solange der Krieg im Libanon andauere, schrieb Außenministeriumssprecher Esmaeil Baqaei auf X.
Bis Sonntagabend wurden keine neuen israelischen Angriffe oder Gefechte gemeldet. Einige Bewohner des Südlibanon kehrten vorsichtig in ihre Häuser zurück.
Vance hofft auf Neuanfang durch Gespräche
US-Vizepräsident Vance, der gemeinsam mit den US-Unterhändlern Jared Kushner und Steve Witkoff in der Schweiz ist, sprach zuvor von einem „historischen Treffen“ und äußerte die Hoffnung auf einen „Neuanfang“ mit Iran.
„Die Frage ist jetzt, wie viel mehr wir gemeinsam erreichen können“, sagte Vance und fügte hinzu: „Können wir ein neues Kapitel aufschlagen? Können wir die Beziehungen im Nahen Osten dauerhaft verändern? Oder kehren wir zu den alten Mustern zurück – was nicht unsere Präferenz ist, aber durchaus passieren kann.“
Die USA wollen Iran zugleich fest in Verhandlungen über sein Atomprogramm einbinden. In Washington wächst die Sorge, das Programm könne militärischen Zwecken dienen; Teheran weist das zurück.
Vance drängt außerdem darauf, dass Teheran sich verpflichtet, die Straße von Hormus offen zu halten. Durch diese Meerenge läuft etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls.
Staatliche Medien in Iran meldeten am Sonntag, das Atomprogramm der Islamischen Republik sei nicht erörtert worden; unabhängig ließ sich das nicht überprüfen.
Irans Präsident Masoud Pezeshkian erklärte, Teheran werde auf sein Recht zur Urananreicherung nicht verzichten, bekräftigte aber zugleich, dass Iran keine Atomwaffen anstrebe.
„Wir können auch schriftlich festhalten, dass wir nicht die Absicht haben, eine Bombe zu bauen“, sagte er auf der Website des Präsidialamts.