Im Alentejo ist im Elefantenschutzgebiet Pangea die erste Bewohnerin angekommen: Julie, einst letzter Zirkuselefant Portugals, hat endlich ein dauerhaftes Zuhause gefunden.
Julie bewegt sich bereits in kontrollierter Freiheit und hat sogar ihr erstes Schlammbad genommen. Diese Elefantenkuh ist die erste Bewohnerin des Elefanten-Schutzgebiets Pangea zwischen Vila Viçosa und Alandroal im Distrikt Évora.
Sie war zugleich der letzte Zirkuselefant Portugals. Nachdem Portugal Wildtiere in Zirkussen verboten hatte, blieb sie weiter in der Obhut ihres Eigentümers, des Zirkus Victor Hugo Cardinali.
Julie wurde vor rund 40 Jahren in Afrika gefangen. Als sehr junges Tier kam sie nach Portugal und schloss sich 1988 dem Zirkus Cardinali an. Wie lange sie die neu gewonnene Freiheit genießen kann, weiß derzeit niemand.
„Wir können das nicht mit Sicherheit sagen. Elefanten in freier Wildbahn werden oft mehr als 70 Jahre alt. Elefanten, die in Gefangenschaft geboren werden, haben leider nur etwa die halbe Lebenserwartung. Deshalb wissen wir nicht genau, wie viel Zeit ihr bleibt. Sie hat ein schweres Leben hinter sich, aber ich muss sagen: In dieser Woche zeigte sie sich im Pangea sehr energiegeladen. Das macht uns Hoffnung“, sagte Kate Moore, Geschäftsführerin von Pangea, der Nachrichtenagentur Associated Press.
Im ersten Bericht nach ihrer Ankunft erklärte das Schutzgebiet, die Elefantenkuh „passe sich sehr gut an“ und fühle sich „immer schneller wohl damit, selbst zu entscheiden, wie sie ihren Tag in ihrer neuen Umgebung verbringt“.
Portugal hat 2018 Wildtiere in Zirkussen verboten, doch das Gesetz trat erst 2024 in Kraft, damit sich die Zirkusse umstellen und Lösungen finden konnten. Den Schritt von der Theorie in die Praxis zu schaffen, erwies sich als schwierig. Julie fand erst jetzt einen geeigneten Ort zum Leben, weil ihr Besitzer lange keinen Platz für sie hatte.
„Julie ist nicht nur der erste Elefant von Pangea. Sie ist auch der letzte Zirkuselefant in Portugal, tatsächlich das letzte Wildtier in einem Zirkus. Das ist bemerkenswert und zeigt, wie wichtig es ist, Gesetze mit Schutzgebieten zu verbinden. Man braucht eine Lösung, einen Ort, an den man diese Tiere bringen kann. Ich glaube, das ist ein weiterer Beleg dafür, was wir erreichen wollen: Alle müssen zusammenstehen, den Überblick behalten und sicherstellen, dass diese Tiere ein Zuhause finden“, erklärte die Verantwortliche.
Nachdem alle Voraussetzungen erfüllt waren, konnte das neue Schutzgebiet im Alentejo sie schließlich aufnehmen, auf Grundlage einer freiwilligen Vereinbarung mit dem Zirkus.
„Unsere Erfahrungen mit Victor Hugo Cardinali waren ausgesprochen positiv. Nachdem wir die Vereinbarung getroffen hatten, konzentrierten wir uns nur noch auf Julies Wohl und darauf, das bestmögliche Ergebnis für sie zu erreichen. Das ist aus meiner Sicht eine sehr gute Grundlage, um zu zeigen, wie wir künftig arbeiten wollen“, sagte Kate Moore.
Neues Refugium für Europas Elefanten in Gefangenschaft
Julie ist vorerst die einzige Bewohnerin des Schutzgebiets.
Das Gelände umfasst 400 Hektar und bietet Platz für 30 Tiere. Noch in diesem Jahr soll hier Kariba eintreffen, eine weitere afrikanische Elefantenkuh, ebenfalls in der Wildnis gefangen und etwa 40 Jahre alt, die derzeit allein in einem Zoo in Belgien lebt.
Die Elefantenkuh hätte bereits in das Schutzgebiet gebracht werden sollen, doch ein Abszess an einem ihrer Beine machte eine sichere Reise unmöglich. Sie musste zunächst behandelt werden. Erst wenn alle Bedingungen erfüllt sind, wird sie nach Portugal transportiert.
Das in Portugal eingerichtete Schutzgebiet (Quelle auf Portugiesisch) bezeichnet sich als „erstes groß angelegtes Elefantenschutzgebiet Europas“ und als „solidarische Lösung für Zoos, Zirkusse und Regierungen in Europa, die für bedürftige Elefanten ein lebenslanges Zuhause suchen“, heißt es auf der Website der Organisation.
Nach Angaben der Organisation folgt das Areal dem Vorbild großer Einrichtungen in Asien, Afrika und Amerika. Die Elefanten können dort in einem naturnahen, weitläufigen Lebensraum frei umherstreifen, nach Futter suchen und soziale Kontakte pflegen, während sie zugleich spezialisierte, individuelle Betreuung erhalten.
Pangea, eine Stiftung mit Sitz im Vereinigten Königreich, eröffnete das Schutzgebiet mit Mitteln verschiedener Organisationen und Spender, darunter der Komiker Ricky Gervais.
Nach Angaben der Organisation bleibt das Schutzgebiet vorerst für Besucher geschlossen. So sollen Julie und die künftigen Bewohner den Raum und die Ruhe bekommen, die sie für ihre Eingewöhnung brauchen.