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Mehr als 1.300 Vemisste: Was die tödliche Flutwelle im Himalaya ausgelöst hat

Helfer bringen mit einem Bagger ein Opfer von Sturzfluten am Fluss Trishuli im Distrikt Nuwakot in Nepal in Sicherheit. Mittwoch, 26. August 2026. (AP Foto/Niranjan Shr)
Helfer bringen mit einem Bagger ein Opfer von Sturzfluten am Fluss Trishuli im Distrikt Nuwakot in Nepal in Sicherheit, Mittwoch, 26. August 2026. Copyright  AP Photo
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Von Jeremiah Fisayo-Bambi
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Eine Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet hat mindestens 165 Menschen das Leben gekostet. Hunderte weitere gelten als vermisst, darunter zahlreiche ausländische Touristen. Auslöser war offenbar kein Erdbeben, sondern der Kollaps eines Gletschers.

Mindestens 162 Menschen sind in Nepal und drei weitere in Tibet ums Leben gekommen, nachdem gewaltige Sturzfluten in einem Grenzgebiet zwischen Nepal und China am Mittwoch durch mehrere Orte geschossen sind. Chinesische Staatsmedien melden, dass in Nepal und Tibet infolge der Katastrophe bis zu 1.000 Menschen vermisst werden.

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Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua teilte am Donnerstag mit, Schlammlawinen in Tibet nach dem Einsturz eines Gletschers hätten drei Menschen getötet und 558 weitere würden vermisst. Der staatliche Fernsehsender CCTV berichtete, unter den Vermissten in Tibet seien rund 260 Ausländer. Zwei Dorfbewohner seien gerettet worden.

Bis Donnerstagmorgen lag die Zahl der Todesopfer demnach bei mindestens drei.

Drohnenaufnahmen aus Nepal zeigen zerstörte Straßen und Gebäude, die von tosenden Wassermassen in der Farbe nassen Zements verschüttet wurden.

Unter den Vermissten sind zahlreiche Ausländer

„Als ich den Dhunge-Basar erreichte, kam nach einer halben Stunde die Flut und zerstörte den ganzen Markt. Die Menschen wollten gerade zur Arbeit gehen“, sagte der Einwohner Shoyam Rajbhandari. „Wie viele Menschen vermisst werden oder gestorben sind, wissen wir nicht.“

Behörden in Nepal meldeten zuvor 403 Vermisste, darunter 341 Ausländer. Sunil Sharma, Sprecher der Tourismusbehörde, sagte, 133 von ihnen seien Pilger aus Indien auf dem Weg zum heiligen Berg Kailash in Tibet, einem zentralen Ort für Hindus. Vermisst würden zudem 47 Menschen aus den Vereinigten Staaten, 34 aus Australien, 33 aus Großbritannien und 24 aus Kanada. Das US-Außenministerium erklärte, es sei über betroffene US-Bürger informiert.

Australiens Außenministerin Penny Wong sagte Reporterinnen und Reportern am Donnerstag, mindestens 34 Australier auf Pilgerreisen und Trekkingtouren würden vermisst.

„Wir gehen davon aus, dass diese Australier zu unterschiedlichen Pilger- und Reisegruppen gehören“, sagte Wong in Adelaide, Australien.

Die nepalesische Regierung hat bisher keine Hilfe angefordert. Australien stimmt sich nach ihren Angaben dennoch mit Nepal, den Vereinten Nationen, dem Roten Kreuz und anderen Organisationen über eine mögliche humanitäre Unterstützung ab.

Nach Angaben des malaysischen Außenministeriums sind derzeit 55 Malaysier in Kathmandu wegen schwerer Schäden an der Infrastruktur nicht erreichbar. Das Ministerium erhöhte am Donnerstag die Zahl der Vermissten und erklärte, es arbeite eng mit den Behörden zusammen, um Aufenthaltsort und Sicherheit der betroffenen Staatsbürger zu klären. Eine offizielle Bestätigung, ob sie sich tatsächlich in den Katastrophengebieten aufhalten, liegt jedoch nicht vor.

Der US Geological Survey (USGS) meldete zunächst am frühen Mittwoch ein Erdbeben der Magnitude vier Komma vier rund 66 Kilometer nördlich von Kathmandu nahe der Grenze. Später korrigierte die Behörde ihre Analyse und erklärte, bei dem registrierten Ereignis habe es sich um einen Gletscherkollaps der Magnitude fünf Komma zwei gehandelt, der gewaltige Schuttmassen talwärts schickte und die Gemeinden schwer traf. Die Einschätzung stützt sich demnach auf Daten nahegelegener seismischer Stationen, auf langperiodische seismische Wellen sowie Satellitenbilder. Ein eigentliches Erdbeben habe nicht stattgefunden.

Gletscherlawine löst Katastrophe aus

Klimafachleute am in Kathmandu ansässigen International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD) gehen davon aus, dass eine Lawine aus einem Gletscher die Sturzflut vom Mittwoch ausgelöst hat.

„Hydrologische Messungen zeigen eine außergewöhnliche Geschwindigkeit und Stärke der Flutwelle“, hieß es in einer per E-Mail verschickten Stellungnahme. An einem Pegel des Flusses Trishuli sei der Wasserstand innerhalb von einer halben Stunde um bis zu 9 Meter gestiegen.

Am Lhende-Khola, einem Nebenfluss des Bhotekoshi, hätten die Überschwemmungen ihren Höhepunkt erreicht, erklärten die Fachleute.

„Der Lhende-Khola ist innerhalb von 14 Monaten schon zum zweiten Mal über die Ufer getreten. Diesmal wurde die Flut durch eine Eis-Fels-Lawine aus einem Gletscher auf nepalesischer Seite ausgelöst, die den Fluss aufstaute und dann eine plötzliche Welle talwärts schickte“, sagte Saswata Sanyal, Experte für Katastrophenvorsorge bei der Forschungsorganisation.

Die Katastrophe in Tibet und Nepal ist kein Einzelfall. Das Flusssystem des Lhende-Khola ist in nur 14 Monaten zweimal über die Ufer gegangen. In einer der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt geraten Bevölkerung, Infrastruktur und Wasserversorgung durch das immer instabilere Gletscher-System des Himalaja zunehmend unter Druck.

Die steilen Täler der Region sind wirtschaftliche Lebensadern und wichtige Verkehrswege, werden im Katastrophenfall aber schnell zur Gefahr. Bilder aus dem besonders betroffenen Distrikt Nuwakot in Nepal zeigen Häuser, deren zweite Stockwerke nach der Flut mit Schlamm überzogen sind. Trümmer hängen in Ästen und Stromleitungen, Fahrzeuge liegen verschüttet, und einige Überlebende stehen wie benommen im Schlamm. In mehreren Gebieten kam der Verkehr zum Erliegen.

Ähnliche Sturzfluten trafen die Region bereits im August vergangenen Jahres, als ein Gletschersee in Tibet wegen hoher Temperaturen überlief.

Damals starben neun Menschen, und wichtige Infrastruktur wurde beschädigt, darunter eine Brücke, die Nepal und China verbindet.

Weitere Quellen • AP

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