Europa investiert zunehmend in die Raumfahrt – allen voran Deutschland, Frankreich und Italien. Doch bei privaten Investitionen und Satellitenstarts wächst der Abstand zu den USA deutlich.
Die Raumfahrtwirtschaft galt lange als Nische. Inzwischen ist daraus eine bedeutende und etablierte Industrie geworden. Sie treibt Innovationen voran, unterstützt politische Ziele und ermöglicht zahlreiche Dienstleistungen. Die EU-Staaten investieren derzeit etwas mehr als 0,04 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in diesen Bereich.
Einige Länder erhöhen ihre Ausgaben allerdings deutlich stärker als andere. Bei zivilen Raumfahrtprojekten gibt Italien gemessen an seiner Wirtschaftsleistung inzwischen mehr aus als jedes andere europäische Land – mit Ausnahme von Luxemburg. Nach einem deutlichen Anstieg der Ausgaben in den vergangenen 15 Jahren hat Rom Frankreich überholt.
Im jüngsten OECD-Bericht "Space Economy at a Glance" heißt es, die Raumfahrtwirtschaft rund um Rom sei "inzwischen ein strategisches Hochwert-Ökosystem aus Industrie und Digitalwirtschaft, vergleichbar mit spezialisierten Nischen in Luft- und Raumfahrt, Elektronik, Telekommunikation, Software und fortgeschrittener Ingenieurtechnik", mit einem geschätzten Output von acht Millionen Euro.
Auch Japan hat sein Budget verdoppelt und ist damit gemessen am Bruttoinlandsprodukt zum größten Raumfahrtinvestor unter den OECD-Staaten aufgestiegen. Beeindruckend ist das Wachstum auch in Luxemburg, wenn auch auf deutlich kleinerem Niveau: Das Großherzogtum hat sein Raumfahrtbudget seit 2010 verdreifacht. Bei den gesamten öffentlichen Investitionen führen laut neuen OECD-Daten jedoch Frankreich und Deutschland die europäische Raumfahrt an.
Für 2025 veranschlagen sie bis zu 2,4 beziehungsweise 2,5 Milliarden Euro für zivile Raumfahrtprojekte. Italien folgt mit rund 2 Milliarden Euro. Wofür die Staaten ihr Geld ausgeben, unterscheidet sich dabei stark. Finanziert werden unter anderem der Bau und Betrieb von Weltrauminfrastruktur, die Nutzung von Satellitendaten und -signalen, Navigationssysteme, Satellitentelefone, Kommunikationsdienste und geospatiale Aufklärung. Hinzu kommen Forschungs- und Entwicklungsprojekte.
Militärische Raumfahrt: Deutschland auf Kurs zum größten Investor Europas
Paris und Rom investieren auch kräftig in die Forschung. Im Jahr 2024 flossen jeweils 14 Prozent der zivilen F&E-Mittel der Regierungen in die Raumfahrt. Das ist mehr als doppelt so viel wie der OECD-Durchschnitt von 6,3 Prozent. Bei den Militärausgaben zeigt sich jedoch ein anderes Bild.
Deutschland ist mit Abstand der größte Investor – passend zu den Plänen, die schlagkräftigste Armee Europas aufzubauen. Die Nachfrage der öffentlichen Hand richtet sich dabei zunehmend nach Verteidigungs- und Sicherheitsinteressen. "Vergleiche bleiben allerdings schwierig, da viele Programme geheim sind oder sowohl militärisch als auch zivil genutzt werden", so die OECD.
Berlin plant, bis 2030 rund 35 Milliarden Euro in weltraumbezogene Verteidigungsfähigkeiten zu investieren. Frankreich stellt für den Zeitraum von 2024 bis 2030 etwa 10,6 Milliarden Euro bereit. Im Jahr 2025 entfielen dort rund 25 Prozent der staatlichen Raumfahrtausgaben auf die militärische Raumfahrt.
Zum Vergleich über den Atlantik: In den USA entfielen im vergangenen Jahr 46,3 Prozent der staatlichen Raumfahrtausgaben auf das Militär. Für China bleibt das Bild laut Bericht "besonders schwer zu beziffern, da zivile, kommerzielle und militärische Aktivitäten im Rahmen des militärisch-zivilen Entwicklungsmodells eng verzahnt sind".
Grobe Schätzungen legen nahe, dass Peking der weltweit zweitgrößte staatliche Geldgeber für Raumfahrt sein könnte. Die "Zahlen bleiben jedoch rein indikativ".
Satelliten: Großbritannien dank Navigationsmarkt klar vorn
Paris kann dennoch mit einer großen Satellitenflotte punkten: Laut Bericht verfügt Frankreich über 104 Satelliten, Italien über 80 und Deutschland über 65. Die größte Flotte hat allerdings London. Im Juni kreisten 757 britische Satelliten im Orbit. Die Branche spielt schon heute eine wichtige Rolle für die britische Wirtschaft.
Sie trug 2022 rund 18 Prozent zur nichtfinanziellen Wirtschaftsleistung des Vereinigten Königreichs bei, nach 16 Prozent im Jahr 2021. "Den größten geschätzten Beitrag leisten Branchen, die auf Positionierungs-, Navigations- und Zeitdienste angewiesen sind, die Navigationssatelliten bereitstellen, mit einem Anteil von 14 Prozent am BIP", heißt es in dem Bericht.
"Es folgen Sektoren, die von meteorologischen Satellitendiensten profitieren, mit 11 Prozent, sowie Bereiche, die Satellitenkommunikation und Erdbeobachtungsdienste nutzen, die jeweils rund 7 Prozent des BIP unterstützen."
Die überwältigende Mehrheit der britischen Satelliten – 98 Prozent – gehört privaten Unternehmen. Europa verfügt zwar über einige bedeutende private Raumfahrtunternehmen. Beim Blick auf das große Ganze zeigt sich jedoch ein deutlicher Abstand zu den USA.
Im Jahr 2025 entfielen nur rund 12,8 Prozent der weltweiten privaten Raumfahrtinvestitionen auf Unternehmen oder Projekte in Europa. 67 Prozent flossen in die USA. Bei den Satellitenstarts ist die Lücke noch größer. Im vergangenen Jahr gab es in den USA 181 Orbitalstarts. Europa kam auf gerade einmal acht, China auf 92.