Am Freitag erschütterten zwei Erdbeben der Stärke 7,7 und 6,6 den Süden Panamas. Das erste Beben war auch im Nachbarland Kolumbien zu spüren
Auf Fotos und Videos waren eingestürzte Gebäude, beschädigte Fahrzeuge und Trümmer auf den Straßen zu sehen. Berichte über Verletzte oder Todesopfer lagen zunächst nicht vor.
Das erste Beben war nach Angaben des US Geological Survey (USGS) bis ins Nachbarland Kolumbien zu spüren. Sein Epizentrum lag rund zehn Kilometer südwestlich der abgelegenen Ortschaft Pitaloza Arriba in der zentralpanamaischen Provinz Herrera. Das Beben ereignete sich in zehn Kilometern Tiefe.
Sichtlich erschütterte Bewohner und Touristen versammelten sich am Freitag im Freien in Panamas Hauptstadt, während sie auf Nachrichten über die Folgen des Erdbebens warteten.
In der Hauptstadt waren die Erschütterungen deutlich spürbar. In sozialen Netzwerken verbreitete Aufnahmen zeigen, wie Wasser aus einem Dachpool eines mehr als 20-stöckigen Hochhauses schwappt. Ein weiteres Video zeigt eine Brücke über dem Panamakanal, die stark schwankt, während Autos darüberfahren.
„Wir haben es sehr stark gespürt. In der Küche sind Gegenstände umgefallen, aber uns geht es gut, auch wenn wir große Angst haben“, sagte der 60-jährige Rosendo Domínguez, der aus der vom Erdbeben betroffenen Provinz Herrera stammt, der Nachrichtenagentur Associated Press telefonisch. „Alle sind draußen und haben Angst.“
Besonders schwer getroffen wurden nach Angaben von Gesundheitsminister Fernando Boyd die zentralen Provinzen Herrera und Coclé sowie Los Santos im Südosten des Landes. Die Stadt Tonosí in der Provinz Los Santos sei von der Außenwelt abgeschnitten. „Wir versuchen herauszufinden, wie wir auf dem Luftweg dorthin gelangen können, da der Landweg nicht passierbar ist“, sagte der Minister.
Panama wurde weiterhin von zahlreichen Nachbeben erschüttert, darunter mehrere mit Magnituden von 5,8, 5,5 und 5,2. Seismologen der Universität Panama registrierten mehr als 45 Nachbeben, von denen viele jedoch zu schwach waren, um gespürt zu werden.
"Katastrophe ist groß"
„Die Katastrophe, mit der wir konfrontiert sind, ist groß“, so Präsident Mulino vor Journalisten. Nach dem Erdbeben der Stärke 7,7 seien einige Straßen „komplett eingestürzt“. Der Staatschef reiste in die Stadt Penonomé in der zentral gelegenen Provinz Coclé, um die Rettungs- und Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Über den Onlinedienst X appellierte Mulino an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren. „Was passiert ist, sollte nicht dazu genutzt werden, Alarm und Chaos auszulösen“, schrieb er.
Für den östlichen Pazifik war zunächst eine Tsunami-Warnung ausgegeben, später aber wieder aufgehoben worden.
Der internationale Flughafen in Panama-Stadt wurde vorübergehend geschlossen. Zudem wurden vorsorglich Flüge umgeleitet, wie die zivile Luftfahrtbehörde mitteilte.
Bauvorschriften haben offenbar geschützt
Bislang wurden keine Todesopfer gemeldet. Mindestens zwei Menschen wurden verletzt. Da die Schadensaufnahme noch andauert, kann sich die Lage weiter verändern.
Zwei kurz aufeinanderfolgende Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten erst im Juni den venezolanischen Bundesstaat La Guaira erschüttert. Dabei kamen mehr als 6.500 Menschen ums Leben, 17.000 wurden obdachlos. Im August forderte ein Erdbeben der Stärke 7,4 in Kolumbien mindestens 289 Todesopfer.
Die offenbar nun vergleichsweise geringe Zahl an Opfern im benachbarten Panama könnte auf die strengen Bauvorschriften des Landes zurückzuführen sein, erklärte Carlos Valdés, Leiter der Seismologie-Abteilung an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko. Besonders in der Hauptstadt gelten strenge Vorgaben für den Bau von Hochhäusern.