Loader
Finden Sie uns
Werbung

Nach Todesfall in Russen-Labor: Pest-Erreger als Biowaffe?

Die USA beschuldigen Russland seit langem, Biowaffen zu erforschen (Symbolbild)
Die USA beschuldigen Russland seit langem, Biowaffen zu erforschen (Symbolbild) -  Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Kirsten Ripper & Euronews
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Besonders die USA werfen Russland und anderen Staaten vor, international geächtete biologische Waffen zu produzieren. Nach dem ungeklärten Vorfall im Pest-Labor in Irkutsk hat Euronews den Biowaffen-Experten Mirko Himmel befragt.

Nach dem Tod einer Laborantin in Russland verweisen Politiker und Medien vor allem in den USA auf ein Netz von Laboren, in denen schon zu Sowjetzeiten mutmaßlich biologische Waffen getestet wurden.

WERBUNG
WERBUNG

Das Institut für Pestforschung in Irkutsk war seit Jahrzehnten eine Sammelstelle für hochvirulente Stämme von Pest, Milzbrand und anderen Krankheitserregern. Offiziell dienen diese russisschen Labore dem Schutz der öffentlichen Gesundheit, doch einer US-Studie zufolge arbeiteten die Pestlabore mit den Biowaffenprogrammen der UdSSR zusammen, wie die New York Post berichtet.

In einem ehemaligen Labor für biologische Waffen in Obolensk in Russland
In einem ehemaligen Labor für biologische Waffen in Obolensk in Russland MISHA JAPARIDZE/AP2001

Euronews hat den Experten für Biowaffen Dr. Mirko Himmel von der Universität Hamburg zur Forschung an Waffen mit Pest-Erregern befragt. Der Wissenschaftler erklärt, dass zwischen der völkerrechtlich zulässigen defensiven Forschung, kurz Bioverteidigungsforschung, und der verbotenen offensiven Forschung an Biowaffen und Methoden der biologischen Kriegsführung unterschieden werden müsse.

Es gibt Verdachtsfälle von Biowaffenforschung

"Bioverteidigungsforschung, die sich sicherlich auch mit dem Pesterreger als Biokampfstoff befassen wird, ist in vielen Ländern mit der entsprechenden technischen, personellen und finanziellen Ausstattung zu finden. Zu nennen wären hier die USA, Großbritannien, Russland, China, Länder der EU wie Deutschland, Frankreich und weitere. Über offensive Biowaffenforschung gibt es keine von Staaten öffentlich gemachten, detaillierten Informationen, dagegen aber entsprechende Verdachtsfälle vorgetragen. Insbesondere die USA stellen China, Russland, Nordkorea und Iran unter Verdacht, offensive Biowaffenprogramme zu betreiben."

Laut Mirko Himmel könnte die Bioverteidigungsforschung als Deckmantel für offensive Biowaffenprogramme genutzt werden.

Pest-Bakterien könnten als Tröpfchen-Nebel versprüht werden

Euronews hat den Experten für Biowaffen auch gefragt, wie Pest-Bakterien - theoretisch - als Waffen eingesetzt werden könnten. Der Wissenschaftler erklärt: "Sollten staatliche Akteure trotz des international vereinbarten Verbots Biowaffen mit dem Pesterreger als Wirkstoff entwickelt und einsatzbereit haben, so könnte zum Beispiel bei den Opfern eines Biowaffenangriffs mit dem Pesterreger die Lungenpest durch Einatmen des vernebelten Erregers ausgelöst werden."

Zwar sind solche Programme generell geheim. "Es darf aber zum Beispiel von der geplanten Ausbringung des Pesterregers als Biokampfstoff in Form von Bioaerosolen („vernebelte Tröpfchen“) durch Flugzeuge oder Explosionseinrichtungen ausgegangen werden", so Himmel.

Verteidigungsübung gegen Biowaffen in Japan - ARCHIVBILD
Verteidigungsübung gegen Biowaffen in Japan - ARCHIVBILD KATSUMI KASAHARA/AP

Forschung mit Biowaffen lässt sich nicht überprüfen

Technisch seien gegenwärtig keine offensiven Biowaffenarsenale von Staaten öffentlich bekannt, erklärt der Experte, trotz des Biowaffenübereinkommen (BWÜ) von 1975 als Abrüstungs- und Rüstungskontrollvertrag "fehlt dem Verbotsvertrag ein Verifikationsmechanismus zur Überprüfung der Vertragstreue der Mitgliedstaaten."

Laut Mirko Himmel "sollten also keine Biowaffen existieren, die auf dem Pesterreger als Biokampfstoff basieren", wirklich überprüfen lässt sich das allerdings nicht. "Für die Zivilgesellschaft bleibt es aufgrund des fehlenden Verifikationsregimes im BWÜ daher unklar, ob und in welchem Umfange Staaten an Biowaffen forschen."

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

EU fordert von Russland Klarheit zu Pestfall in Sibirien

Wie war das mit der Pest in Deutschland? Experten sprechen Klartext

Lungenpest-Verdacht in Sibirien: Trump will Putin sprechen