Im albanischen Parlament ist es am Donnerstag erneut zu Tumulten gekommen. Abgeordnete der Demokratischen Partei zündeten Rauchfackeln, blockierten das Rednerpult und zeigten Fotos von Demonstrierenden, die nach ihren Angaben von der Polizei verletzt wurden. Die Störung ereignete sich während einer Abstimmung über ein Gesetz zur Zentralbank. Abgeordnete der regierenden Sozialistischen Partei setzten die Abstimmung trotz der Proteste fort. Vier Oppositionsabgeordnete wurden aus dem Saal verwiesen.
Der Protest im Parlament folgt auf mehrere Demonstrationen in Albanien, bei denen Demonstrierende den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama verlangt haben. Oppositionsabgeordnete werfen der Polizei vor, übermäßige Gewalt gegen Teilnehmende eingesetzt zu haben, auch wenn die vorgelegten Bilder diese Vorwürfe nicht unabhängig belegen. Mit den Fotos der verletzten Demonstrierenden im Plenarsaal wollten die Abgeordneten der Demokratischen Partei ihre Anschuldigungen gegen die Sicherheitskräfte in den Mittelpunkt rücken.
Die Unruhen knüpfen an ähnliche Szenen vom 22. Oktober an. Damals umringten Oppositionsabgeordnete das Rednerpult, zeigten Fotos von Studierenden, die ihrer Darstellung nach von der Polizei geschlagen wurden, und warfen Gegenstände in Richtung des Parlamentspräsidenten Niko Peleshi. Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Abgeordneten machten schließlich den Einsatz der Parlamentswache nötig, weil Mikrofone von den Tischen gerissen und Stühle umgestoßen wurden.